Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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ging das Gut für 2,400,000 Sesterzen, den vierfachen Ankaufspreis, in den Besitz des Philosophen Annäus Seneca über, der 80 reiche Ernten erzielte, dass er öfter von einem lugerum 8 Cullei Wein erzielte. Solche günstigen Ergebnisse konnten allerdings nur möglich sein, wenn man auf die Gewinnung von Qualitätsweinen kein Gewicht legte. Columella selbst hat diese Kulturmethode getadelt, weil sie nicht nur die Güte des Weines beeinträchtige, sondern auch eine Erschöpfung der Weinstöcke zur Folge habe, die zu sehr getrieben zwar reiche Früchte hervorbringen, dann aber nicht mehr ertragsfähig sind. ¹) Wenn schon eine zu intensive Bewirtschaftung die Erträge der Weinberge vermindert, so gilt dies in noch höherem Grade von der mangelhaften Bebauung. Mehr als andere Kulturpflanzen verlangt der Weinstock eine sorgsame Pflege. Durch starkes Düngen und Lockerung des Bodens müssen ihm die Nährstoffe wieder zugeführt werden, die er in Menge dem Boden entnommen nat. Welche nachteilige Folgen eine ungenügende Bodenbearbeitung nach sich zog, zeigte der Rückgang des Setiners und besonders des köstlichen Caecuberweins, der in den Pappelbrüchnen des amykleischen Meerbusens zwischen Fundi und Caieta gezogen wurde. ¹⁸)

Nur bedingt hat also Columella dem Weinbau einen befriedigenden Erfolg ver- heissen. Die ausführlichen Vorschriften, die er und die anderen landwirtschaftlichen Schriftsteller über die Behandlung des Weinstocks und des Mostes dem italischen Winzer gaben, sollten es diesem erleichtern, für seine mühevolle Arbeit den wohl- verdienten Lohn zu ernten.

Der Boden und die bage des Weinberges.

Wenn man sich nach seinem Wunsche eine Gegend oder einen Himmelstrich zum Weinberge auswählen kann, 80 wird man sich mit Celsus für das Weinland ent- scheiden, welches nicht zu bindig und zu locker, doch mehr locker als bindig ist, das weder zu mager noch zu fett, doch fetter als mager ist, das nicht auf ebenem Felde und auch nicht auf einem Berge, sondern auf mässiger Anhöhe liegt, das nicht trocken und nicht sumpfig, wohl aber feucht ist, das keine Quelle, aber genügend Feuchtigkeit für die Wurzeln der Weinstöcke hat. Während dichter Boden den Regen nicht aufnimmt, der Luft den Zutritt verschliesst, bei grosser Hitze bricht und der Sonne das Eindringen bis zu den Wurzeln gestattet, dann sich aber wieder so fest schliesst, dass den Setzlingen die Lebensfähigkeit genommen wird, lässt lockeres Land wie ein Sieb den Regen widerstandslos durch und dörrt, dem Winde und der Sonne ausgesetzt, schnell aus. Schwerer Boden ist mühsam zu bearbeiten, leichter kann dagegen aller Anstrengung zum Trotze kaum zur Festigkeit gebracht werden. Auf fettem, fruchtbarem Erdreiche wachsen die Pflanzen zu üppig, in magerem zu- schlecht. Ist der Boden zu nass, so ziehen die Weinstöcke zu viel Feuchtigkeit an,

¹7) Columella Ill, 3. ¹s) Plinius XIV. ¹) Cato 34, 135, 151; Varro l, 6 u. 20; Vergil, G. II, 212; Col. III, 1, 11 u. 12; IV, 22; V, 5 de arb. 3 Plinius XVII, 19, 22, 25 u. 33; Palladius l, 5 u. 6; II, 13; Geoponica V, 1 u. 4; VII, 1