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rät Varro in„naiver Gewissenlosigkeit“ die freien Arbeiter, deren Erkrankung und Tod dem Gutsherrn keinen grossen Schaden bringt, in ungesunden Gegenden zu verwenden.“) Die Summe von 6000 Sesterzen= 1360 Mark für einen für die Land- wirtschaft geeigneten Sklaven, die Cato bezahlte, sank zeitweise nicht unbeträchtlich. Da aber mit dem zunehmenden Luxus der städtische Haushalt eine grosse Zahl Sklaven absorbierte, so musste sich doch ein Mangel an ländlichen Arbeitern geltend machen, um so mehr, als durch die Bürgerkriege, welche zwischen ltalikern geführt wurden, die nicht in die Sklaverei verkauft werden durften, der Sklavenmarkt nicht das erforderliche Material erhielt, dagegen durch die Sklavenkriege die Zahl der Gutssklaven ganz erheblich decimiert wurde. Die gallischen, germanischen und illyrischen Kriegsgefangenen, die nach den siegreichen Kriegen des Cäsar und Au- gustus massenhaft nach ltalien kamen, gewährten vorübergehend Abhülfe gegen den Arbeitermangel. Als dann aber Augustus in den letzten Jahren seiner Regierung ebenso wie sein Nachfolger Tiberius auf eine weitere Ausdehnung der Reichsgrenzen Verzicht leistete, musste, zumal nur ein geringer Nachwuchs aus Sklavenehen zu erwarten war, eine Arbeiternot entstehen, die für die Landwirtschaft um so verhängnis- voller wurde, weil auch die Zahl der freien Lohnarbeiter abnahm, je mehr Proletarier sich vom Lande nach der Hauptstadt zogen, die für die landwirtschaftlichen Arbeiten verloren gingen. Die Lage wurde so verzweifelt, dass die Gutsbesitzer kein Bedenken trugen, Wanderer und Fahnenflüchtige auf der Landstrasse aufzufangen¹*) und in die ergastula, die unterirdischen Schlaf- und Arbeitsräume der Sklaven, zu werfen, so dass Tiberius, der diesem Unwesen steuern wollte, durch eigens dazu bestellte curatores die ergastula auf den Gütern durchsuchen liess.¹¹) Ausser über den Mangel an Arbeitskräften klagten die Landwirte über die zunehmende Unfruchtbarkeit des Bodens,¹²) der durch die intensive Bearbeitung erschöpft war und nur durch reichliches Düngen die ihm entzogene Nahrung wieder erhalten konnte. Hier vermochte nur die ausgedehnte Weidewirtschaft, zu der man der billigen Bewirtschaftung wegen aut den grossen Güterkomplexen in ltalien längst übergegangen war, nicht sowohl Ab- hülfe zu schaffen, als die Stallfütterung, bei welcher der Mist nicht verloren geht. Hatte schon Augustus durch unverzinsliche Darlehen die Grundbesitzer vor dem Bankerott zu schützen gesucht, ¹⁷) So nötigte unter Tiberius der Senat die Zinsleiher(foeneratores) ein Drittel ihres Kapitals in italischen Bodenwerten anzulegen,“¹) um ein weiteres Sinken der Güterpreise zu verhindern.
In dieser Zeit wirtschaftlichen Niedergangs war es eine dankenswerte Tat Columellas¹⁵), ziffernmässig seinen Landsleuten nachgewiesen zu haben, dass bei rationeller Bewirtschaftung und grossem Fleisse der Weinbau immer noch der ergiebigste Teil der Agrikultur sei. Selbst unter den ungünstigsten Voraussetzungen bringe doch das im Weinberge angelegte Kapital reichliche Zinsen ein. Julius Gräcinus, der unter Caligula starb, hatte für ein Weinareal von 7 Morgen folgende Berechnung angestellt: 1) Ein tüchtiger Weinbergssklave(vinitor), der imstande ist 7 Morgen Weinland zu bewirtschaften, kostet 6000— 8000 Sesterzen. 2) Der Preis für 7 Morgen
²) Varro I, 17. ¹⁰) Sueton, Augustus 32. ¹¹) Sueton, Tiberius 8. ¹²) Columella, praefatio. ¹³) Sueton Augustus, 41. ¹4) Tacitus, Ann. VI, 23. ¹⁵) Columella, III, Z.


