Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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an Getreide auf eigenem Acker zogen. Von einem Aufschwunge des(etreidegeschäftes konnte unter so wenig günstigen Verhältnissen nicht die Rede sein, So dass man schon zu Catos Zeit sich anderen ländlichen Betrieben mit grösserem Eifer zuwandte-. Da der Anbau der Cerealien Kosten und Arbeit nur wenig lohne, so rät Cato grössere Ausgaben zu Meliorationszwecken auf den mit Getreide bestellten Acker nicht zu ver- wenden.²) Eine vollständige Vernachlässigung des Getreidebaues zu Gunsten besser rentierender Anlagen war immerhin nicht angänglich, schon mit Rücksicht auf die Ernährung der zahlreichen(Gutssklaven, die nach Columellas Berechnung allerdings fast den ganzen Reinertrag verschlangen.) Hatte schon Cato dem Reblande die erste Stelle zugewiesen,) obwohl damals noch der Wein nur auf der Stufe des Haus- tranks(temetum) stand, so stiegen in der Folgezeit bei verbesserter Behandlung des Weinstockes die Rebfelder im Werte. Der kleine Landwirt, wie die in der Hauptstadt wohnenden Grossgrundbesitzer, bezogen schon durch den Verkauf der hängenden Trauben eine Geldrente, die der(etreidebau nicht abwarf. Die weitere Gestaltung des Wirtschaftsbetriebes musste dann auf den grossen Gütern zum Keltern der eigenen Crescenz führen. Den hochgespannten Erwartungen, welche die Winzer nach dem ausgezeichneten Herbste des Jahres 121 hegten,) mit dem ein neuer Abschnitt für den Weinbau begann. folgten im letzten Jahrhundert vor Christus die Enttäuschungen. Wirtschaftliche Gründe verschiedener Art liessen eine Krisis erwarten, zu deren Ab- wendung die republikanische Regierung Massregeln zu treffen genötigt war.) Wie in ltalien so hatte auch im transalpinischen Gallien, welches ein wichtiges Absatz- gebiet für den römischen Weinmarkt bildete,) besonders an den Höhen, die den Rhone- fluss begleiten, eine blühnende Rebenkultur begonnen, die dem römischen Weinbaue eine ernste Konkurrenz zu bereiten drohte. Um der Gefahr zu entgehen, welche von dieser Seite kam, ward den Bewohnern der gallischen Provinz die Neuanlage von Weinbergen untersagt, obwohl die Abhänge der Berge für den Anbau der Cerealien nicht geeignet waren. Durch diese harte Massregel hatte die Regierung im günstigen Falle doch nur den italischen Weinhändlern aufgeholfen, die ihre Lagerbestände jetzt leichter losschlagen konnten, der Notstand der Landwirte war damit noch nicht beseitigt. Für diese war vor allem verhängnisvoll, dass durch die Verteuerung der Arbeitskräfte die Produktionskosten so stiegen, dass das in den Weinbergen gesteckte Kapital sich nicht mehr rentierte. Die Bestellung des Gutes erfolgte in erster Linie durch Sklaven oder verschuldete Proletarier, die zur Zwangsarbeit verurteilt wurden. Daneben konnte man der freien Arbeiter nicht ganz entbehren, zumal zur Zeit der Ernte nicht, wo die Zahl der eigenen Arbeitskräfte dem Bedürfnisse nicht entsprach. Auch wenn diese freien Tagelöhner nicht unerhebliche Kosten verursachten, so war es doch immerhin vorteilhafter, sie für kurze Zeit zu dingen, als während des grössten Teiles des Jahres unbeschäftigte Sklaven zu ernähren. Um dieses letztere zu ver- meiden, hat man zu Catos Zeit die gesamte Weinernte Unternehmern(redemptores) übergeben, sowie man auch Meliorationsarbeiten gegen Anteil an den zuletzt erzeugten Früchten politores überliess. Damit das kostbare Sklavenmaterial geschont werde,

³) Columella, II, 4. ¹) Cato l, 1. ³) Plinius XIV, 94.) Cicero, de republica III, 9, 16.

*) Cicero, pro Fonteio 9, 10* Cato 136,. 5