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Sodann ist es auffallend, dass wiederholt an Stellen, an welchen sich römische Villen fanden, in den ältesten Urkunden als Flurbezeichnungen neben„Rosengarten“ auch „Wingert“ vorkommen, und zwar auch an Orten, an welchen die Erklärung durch Klostergut ausgeschlossen ist oder das Klostergut auf königliche Schenkung zurück- geführt werden kann. Weiterhin sind unter den eisernen Geräten, die sich in römischen Trümmern von Villen bezw. ländlichen Gehöften und Lagerdörfern fanden, häufig solche vorgekommen, die in gleicher Form noch heute in Westdeutschland üblich sind.ös) Vor allem dürfte schliesslich beweisend sein das Vorkommen von Weinreben in einem Brunnen der Saalburg, welcher nur römische Reste enthält.**) Dass diese nicht mit anderen Hölzern aus dem Süden nach der Saalburg gebracht wurden, sondern aus der benachbarten Main- oder Rheingegend liegt ausser Zweifel. Da sie unbearbeitet sind, so können es Centurionenstäbe nicht gewesen sein. Sind sie aber als Senker aus ltalien in unsere Gegend gebracht, so würden sie eben nur einen Beweis für den Anbau von Weinreben im rechtsrheinischen Germanien sein. ⁰⁰
*⁸) Die beiden genannten Flurbezeichnungen finden sich in der Gemarkung von Dortelweil bei Frankfurt a. M. in der Wetterau auf früher königlichem Besitze. Professor G. Wolff erklärt in einem Aufsatze, Römische Ausgrabungen bei Dortelweil, Westdeutsche Zeitschr. 1801, Jahrgang X p. 133 ff. die Erscheinung, dass der Boden im Mittelalter in unmittelbarem königlichen Besitze war so, dass die ersten Eroberer des Dekumaten- landes, alemannische Fürsten, die gut angebauten grösseren römischen Güter mit deren zurückbleibenden, 2 Z. unfreien Bewohnern für sich in Besitz nahmen, während das Gefolge weniger wertvolles Land erhielt So wurden aus den römischen Villen königliche, die, wie im weström. Gebiete die Städte, im Dekumaten- lande des rechten Rheinufers den kulturgeschichtlichen Zusammenhang mit der römischen Zeit aufrecht erhielten. Bekannt ist, dass Julian, wie Ammianus Marcellinus erzählt, auf seinem Feldzuge, der bis in die Nähe Frankfurts geführt wurde, ein Jahrhundert nach dem Aufhören der röm. Herrschaft sich wundert über die in römischer Weise gebauten Villen an dem Abhange des Taunus. Ob Dortelweil(Turchilawilla) dessen Weinberge 786 an das Kloster Lorsch kamen(Cod. Laur. No. XII) von torculum und villa abgeleitet werden darf(G. Wolff, Die Bevölkerung des rechtsrhein. Germaniens nach dem Untergang der Römerherrschaft. Vortrag. Darmstadt 1805) ist nach Professor Kluge in Freiburg zweifelhaft. ⁵⁹) L. Jacobi, Das Römerkastel Saalburg bei Homburg v. d. H. 1807 p. 166. No. 36. Mit einer Münze von Hadrian fanden sich unter anderem Obstkerne von Mirabellen, Kirschen und Nüssen und als besonders wertvoll Stücke von Weinreben. Auch Jacobi neigt p. 540 zu der Ansicht, dass die Reben aus der Nachbarschaft, vielleicht aus der Main- oder Rhein- gegend hergebracht seien, wenn er auch sich vorsichtig ausdrückt, dass„die vorgefundenen Reben ja auch mit anderen Hölzern aus dem Süden herbeigebracht sein können.“ 80) Bodmann, Rheingauische Altertümer p. 303 setzt die Anfänge des Weinbaues im westlichen Rheingau in die Zeit der austrasischen Merowinger. Auch nach Eeichelt, Beiträge zur Geschichte des ältesten Weinbaues in Deutschland, 1886, haben sich die deutschen Stämme erst nach der Völkerwanderung dem Garten- und Weinbau zugewandt. Der Wein, welcher für den Kultus der Kirche notwendig war, sei zuerst von den Klöstern gewonnen, die sich die Pflege des Weinstocks angelegen sein liessen. Auch der Ansicht der Schriftsteller, welche den Anbau der Reben zwar den Römern zuschrieben, ihn aber erst in die Zeit des Probus setzen, können wir aus bereits Gesagtem
nicht zustimmen. 2


