10 Auch ein Brief des Julianus aus dem Winter 357—58 lässt an der Seine den Weinbau als eine festgewurzelte Sitte erscheinen.“*) Für den Weinbau an der Mosel ist schliesslich von grosser Bedeutung das älteste Loblied auf den Moselwein, das wir Ausonius verdanken, der 365 aus seiner Vaterstadt Burdigala(Bordeaux) von Valentinian I. als Prinzenerzieher nach Trier berufen wurde. Damit dürfte wohl die Vermutung hinfällig werden, dass mit Rücksicht auf die Einschränkung des Weinbaues in den Provinzen durch Domitian bis zur Freigebung desselben durch den Kaiser Probus 276 im mittleren Gallien und im linksrheinischen Germanien Weinbau nicht betrieben sei.
Wenn nun für das linksrheinische Gebiet der Weinbau bereits lange vor der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts nachweisbar ist, so dürfte dies für das rechts- rheinische Land, soweit es sich zum Anbau des Rebstockes eignete, besonders für die von der Zeit des Augustus bis gegen das Ende des dritten Jahrhunderts in römischen Besitze gebliebene Gegend von Mainz bis Hofheim um so wahrscheinlicher sein, weil das rechtsrheinische Gebiet mehr als das Gallierland, wo das Bier, wenigstens in den nördlichen Teilen während der ganzen Kaiserzeit das Nationalgetränk war). romanisiert wurde, und die neu angelegten Güter sicherlich grösstenteils sich in den Händen weingewohnter Veteranen befanden. Auch die aussergewöhnliche Anhäufung von Truppen während der ganzen Zeit von 83—270 n. Chr., besonders am unteren Main, setzt einen grossen Bedarf an weniger edlem Weine voraus. Wie bedeutend bereits im ersten Jahrhundert n. Chr. der Weinbau in den Provinzen war, beweist die schon erwähnte Domitianische Verordnung. Weshalb aber an dem herrlichen Südabhange des Taunus, in einem Klima, das trotz der Wälder schon damals dem italienischen näher war als irgend eine Gegend des Nordens, von den römischen Legionaren nicht der Rebstock bereits gepflanzt sein soll, ist schlechterdings nicht einzusehen. Das Schweigen der Quellen kann bei der Beschaffenheit der auf das rechtsrheinische Germanien bezüglichen Litteratur nichts beweisen. Dass in den rechts- rheinischen Militärdistrikten wie in den grösseren Niederlassungen Wein in Menge konsumiert wurde, zeigt der Umstand. dass sich selbst die kleinsten ungemauerten Kellerchen, wo sie einmal nicht ausgeräumt gefunden wurden, vollständig mit Dolien (Thonfässern) angefüllt zeigen, die doch wohl grösstenteils für Wein(auch für O!) bestimmt waren. Ob die auf ihnen eingeritzten Daten sich auf den Termin des Einlegens des betreffenden Weines, wie die Marken in ltalien, beziehen, mag dahin gestellt bleiben. Diesen Annahmen fehlen nicht die positiven Anhaltspunkte. Zunächst sind die auf Weinbau und Weinkelterung bezüglichen Lehnwörter, welche in dem ehemals römischen Süddeutschland im Gebrauche sind, dem Nöordosten fremd.*)
*⁵) Mommsen, R. G. V p. 100.**) Kaiser Julians Epigramm auf das Bier(anthol. Pal. 9, 368) bei Mommsen R. G. V p. 98*¹) Von torculum ist abzuleiten das oberdeutsche Torkel für Kelter, Torkelhaus in Tirol auch für Weinschenke gebraucht(Weise p 7), torculare vulgär torkeln d. h. taumeln; vindemiae ahd windema; vindemiare ahd. windemòôn schweiz wümmen und Wümmet; lora(Tresterwein) ahd. lurra, am Rheine und in Süd- deutschland noch heute Lauer, Layrer und Laier genannt; orca(Krug) elsässisch örcklin;(h)émina westgerm. imin aus imina, im schwäbisch alemannischem Dialekte imi(ein Mass) lagena, ahd. lâgella, mhd. läegel; putare die Reben schneiteln, mittelfränkisch possen vinitorem ahd. winzuril, ahd Winzer; vitis camerata(Spaliertraube) nach Hildebrand D W. b. Quelle für schwäbisch Kammerz. S. F. Kluge: Die lat. Lehnworte der alt- germanischen Sprachen, Germanische Philologie. J², 333 ff.


