Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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neue Weinberge nicht angelegt werden durften, in den Provinzen sogar der grösste Teil derselben umgehauen werden sollte. Dieser grausame Erlass ist sowohl nach Sueton wie nach Philostratus zum Glücke nicht zur Ausführung gelangt,**) S0 dass die Rebpflanzungen sich immer mehr nach Norden ausdehnen konnten. Dass in dem nördlichen Keltenlande, an der Mosel und auf dem linken Eheinufer der Weinstock erst durch Kaiser Probus Heimatsrecht gefunden habe, den man als Begründer des Rebbaues in Ungarn ansieht, ist mit Unrecht in Bezugnahme auf eine Stelle des Vopiscus,5) behauptet worden, deren Unechtheit nachgewiesen ist. Die kurze, nur sechsjährige Regierungszeit dieses Herrschers, der erst kurz vor seinem Tode sich den Werken des Friedens zuwenden konnte, war nicht ausreichend für die Be- gründung von Weinanlagen, für die ein beträchtlicher Zeitraum erforderlich ist. Ein unzweifelhaftes Verdienst des Probus ist es allerdings, dass er durch seine Truppen ältere Weinberge, welche durch die Germanen, die in Gallien wiederholt einfielen, verwüstet waren, wieder in Stand setzen liess und dadurch den schwer betroffenen Weinbau neu stärkte. Wann die Rebenkultur bei den Galliern des Nordens einge- führt wurde, ist mit Bestimmtheit nicht anzugeben, mancherlei Gründe sprechen indessen dafür, dass besonders an der Mosel wahrscheinlich bereits im Beginne des zweiten Jahrhunders der Weinstock eine pflanzstätte fand. Vor allem sprechen hierfür die Funde von Neumagens) und von Cobern-Gondorf. An der Stelle der römischen mansio Noviomagus, die sechs Stunden von Trier entfernt an der Strasse nach Mainz lag, sind auf Grabsteinen Skulpturen vorgefunden, die auf den Weinbau und den Weinhandel der Treverer Bezug nehmen. Noch älter als diese dem zweiten Jahrhundert angehörigen Funde sind die römischen Weinbergsgerätschaften, die bei Cobern-Gondorf im unteren Moselgebiete nicht weit von Koblen⸗= gefunden sind. Coverna(Cobern) scheint nach aufgefundenen Scherben zu urteilen eine der ältesten römischen Niederlassungen zu sein, die aller Wahrscheinlichkeit nach bald nach der Eroberung Galliens durch Cäsar von den Siegern gegründet wurde. Die Berichte, welche der Rebanlagen im nördlichen Gallien, besonders an den Ufern der Mosel gedenken, gehören zwar erst dem dritten und vierten Jahrhundert an, aber sie lassen doch der Vermutung Raum, dass die von ihnen erwähnte Rebkultur zu ihrer Leit bereits feste Wurzeln gefasst hat. Eine Stelle des dritten Panegyrikus auf Maximinianus fierkulius, den Mitregenten Diokletians, aus dem Jahre 200 zeigt uns, dass in der Umgebung Triers, wo der Panegyrikus am kaiserlichen Hofe wahrscheinlich gehalten wurde,**) bereits in solchem Umfange Rebfelder angebaut waren, dass ebenso wie die Ernte der Cerealien auch die Weinlese als eine drückende Last empfunden wurde.¹*²) Ferner müssen bei Augustodunum, dem heutigen Autun, am Westabhange des Côte d'or die Rebpflanzungen mindestens auf das zweite Jahrhundert Zzurückgeführt werden, wenn wir in der im Jahr 207 v. Chr. gehaltenen Rede des Eumenius lesen, dass die Rebstöcke bereits so alt seien, dass sie einen Ertrag nicht mehr liefern könnten.¹)

*) Philostr vit Apoll. VI, 42 v. soph. I, 21, VI, p. 33 Kayser. S. Weise p. 8. ⁵⁰) Vopiscus, Probus 18. *) Über die Neumagener Monumente, die in den Jahren 1877 78 gefunden wurden, s. Hettner im Ehein Museum. Neue Folge 30 B. 1881 p. 435 ff. Im übrigen verweise ich hier und im folgenden auf die Arbeit von Weise, Beiträge zur Geschichte des röm. Weinbaues in Gallien und an der Mosel. Hamburg 1001. *²) Schanz, Handbuch d. kl Altertumsw. VIII, 3 124.*³) Panegyricus III 15 ed Baehrens. ³*) Panegyricus VIII, 6.