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Wie auf Kosten des Getreidebaues der Weinbau auf der Apenninenhalbinsel sich in ungeahnter Weise ausdehnte, so wurde derselbe auch in der Poebene und an den Abhängen der Alpen ein wichtiger Zweig ländlichen Erwerbes. Der Wein- reichtum des Polandes, dessen Polybius und Strabo gedenken ²*), soll die Gallier über die Alpen gelockt haben. Heliko, ein helvetischer Handwerker, der bei seiner Rück- kehr aus ltalien Südfrüchte nebst Wein und Ol in die Heimat brachte, habe durch den Anblick dieser Schätze die Gier seiner Landsleute geweckt.²‧) Die rhätischen Weine im südlichen Tirol und im Veltlin, denen Katull noch keinen Geschmack abgewinnen konnte, werden von Vergil**) bereits den besten Marken zugerechnet. ³¹) Nur dem Falerner stellt der Mantuanische Dichter den ihm aus der Heimat bekannten rhätischen Wein nach, der unter Augustus sogar die kaiserliche Tafel zieren durfte.¹²) Auch die euganeischen Hügel, die sich südwestlich von Padua mitten in der venezia- nischen Ebene erheben, waren mit Reblaub bedeckt. Im Sumpflande der Pomündung gedieh zur Verwunderung Strabos die vitis spionia, die Wind, Regen und Nebel trotzend, eine so reiche Ernte gewährte, dass nach Martial zu Ravenna das Trink- wasser seltener als der Wein war, so dass der„betrügerische“ Wirt dem Dichter statt der geforderten Mischung mit Wasser ungemischen Wein vorsetzte. Auch die südlich von Ravenna gelegene Landschaft Picenum brachte so viel Wein hervor, dass Hannibal die Wunden seiner Pferde mit altem picenischen Weine auswaschen lassen konnte.“*) An der schmalen ligurischen Küste gedieh die Rebe anfangs nur an einzelnen Stellen. Der herbe, nach Pech schmeckende ligurische Wein sagte der Zunge nur wenig zu. Noch Martial tadelt den Beigeschmack nach Rauch, während Plinius des Weines, der bei Genua gedieh, mit Anerkennung gedenkt.
In Spanien und in Gallien hatte der Weinbau längst festen Fuss gefasst, ehe die römischen Legionen Besitz von diesen reichen Provinzen ergriffen. Von den spanischen Weinen, die sich durch Stärke auszeichneten, werden die Gewächse von Tarragona wiederholt den besten italischen Weinen zur Seite gestellt“*), nur hinter den Weinen Kampaniens und Latiums standen sie zurück. Baetica, die Heimat des Malaga und Sherry, war schon zu Columellas Zeit ein berühmtes Weinland. Dagegen soll der katalonische Wein, wie noch heute, trüb und dick gewesen sein.**)
Unbeeinflusst von Rom war auch in Gallien die Rebkultur verbreitet. Die griechischen Kolonisten, die um das Jahr 600 v. Chr. sich der alten phönizischen Niederlassung Massalia bemächtigten, zogen an den Hiöhen, welche das heutige Marseille im Norden umkränzen, den Weinstock, der damals vielleicht noch daselbst wild wuchs, vielleicht auch schon von den Phöniziern veredelt war. Der von den, Massiliensern gekelterte Wein, welcher, wie Posidonius, der Gallien bereist hatte erzählt, auf den Tisch der Reichen kam⁰⁰), wurde auf der Handelsstrasse, die im Rhonethale nach Norden führte, in das Innere Galliens gebracht, dessen Adel den Wein im Gegensatze zu den Griechen und Römern ungemischt trank und daher
²⁰) Polybius II, 15; Strabo V, 218.) Livius V, 33; Dion. Ital. XIII, 11; Plin. XII, 5; Plutarch Camillus 15. ³¹) Vergil G. II, 96. ³²) Sueton, Augustus 77. ³³) Polybius III, 88. ³4) Ovid, fast. III 645; Martial XIII, 18; Silius Italicus III. 370.*⁵) Henderson History of the wines, deutsch: Geschlchte der Weine 1833 p. 211; Martial I, 27. ³⁶) Athenaeus V, 13.


