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Wein sei zuerst in sein Haus gekommen, als der Arzt ihm davon gegen Magen- beschwerden verordnet habe. Bei festlichen Gelegenheiten sparte man indessen den beliebten Süsswein nicht. So überwies Lukullus nach seiner Rückkehr aus Asien dem Volke 1100 cadi(Thonfässer) desselben, und auch Cäsar hat wiederholt grosse Quantitäten griechiscnen Weines der hauptstädtischen Bevölkerung gespendet.*¹)
Von den weitgehendsten Folgen für den italischen Weinbau war das berühmte Weinjahr des Konsuls Opimius, 633 d. St.= 121 v. Chr., welches zuerst zeigte, welche Schätze ltalien in seinen Rebanlagen besass. Rationellerer Anbau der Reben und eine verbesserte Behandung des Mostes trugen sehr zur Verbreitung des italischen Weinbaues bei, mit dem sich die tüchtigsten Landwirte auch theoretisch zu befassen begannen. War bisher der(Getreidebau das Rückgrat der römischen Land- wirtschaft gewesen, so trat dieser im letzten Jahrhundert der Republik immer mehr hinter dem Wein- und Olbau zurück. Anfangs begnügten sich die Winzer noch damit, die hängenden Früchte zum Verkaufe zu bringen,**) bald aber hielten die grossen Weingutsbesitzer es für vorteilhafter, das eigene Wachstum selbst zu keltern und auf den Markt zu führen. Welchen Umfang das Weingeschäft nahm, das, wie der Handel überhaupt, meist in den Händen Freigelassener lag, ersehen wir daraus, dass es in Rom, wie in der Hafenstadt Ostia, einen besonderen Weinmarktplatz, forum vinarium, gab, und dass die Hauptstadt sogar einen eigenen Weinhafen, portus vinarius, besass.**) Der südlich vom Aventin in der Ebene sich erhebende monte Testaccio, der aus zerbrochenen Wein- und Olkrügen von dem nahen Emporium eine Höhe von 46 m. und einen Umfang von 165 m. erreicht hat, gibt einen Begriff von dem grossartigen Weinkonsum der Hauptstadt.“) Zur Veredelung des ein- heimischen Gewächses wurden immer mehr fremdländische Reben, besonders von den griechischen Inseln, aus Afrika und Kleinasien bezogen. Hatte bereits Vergil 15 Rebsorten namhaft gemacht, so führt Plinius nicht weniger als 80 an, von denen zwei Drittel auf Italien kamen. Die Weinkultur machte solche Fortschritte, dass Varro nicht nur die Ausdehnung der italischen Rebanlagen, sondern auch die Güte des einheimischen Weines über die aller anderen Länder stellt. Was ltalien für vortreff- liche Weine hervorbringen konnte, hatte der ebenso ergiebige, wie ausgezeichnete fierbst des Jahres 121 gezeigt. Um die Masse des Weines zu bergen, wurden damals zuerst Weinlager(apothecae) in Rom gebaut. Freilich war ein volles Verständnis für die Qualität der Weine noch nicht zu finden. Unterschiedslos nannte man die gesamte Crescenz nach dem Konsul des Jahres, Unterscheidungen nach der Lage des Weinberges wurden noch nicht gemacht. Dieser Zustand dauerte aber nicht lange. Durch besonders aufmerksame Pflege der Rebstöcke und sorgfältige Behandlung des Mostes erwarben sich einzelne, besonders kampanische Weine einen Weltruf, der über die Grenzen des römischen Reichs bis nach Indien reichte.*²) Selbst in Griechen- land begann man jetzt den italischen Gewächsen Beachtung zu schenken.
2⁴) Plinius, XIV, 17. ²⁵⁸) Cato 147. ²⁶) C. J. L. VI, 9181. 9180. 9100 bei Marquardt p. 448. ²¹) Dressel Annali 1878 p 118- 192. Näheres bei Marquardt p. 448. ²⁵) Lucian Navig. 23 Alciphron fr. 6, 9. Didot bei Nissen, Ital. Landeskunde p. 452.


