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nur von der geschneitelten Rebe den Göttern zu opfern sei. Aus religiösen Grün- den sollten die Winzer zu dieser wichtigen Kulturarbeit genötigt werden, zu der sie sich auch noch später durch fromme Bedenken veranlasst sahen. Noch zu Vergils Zeit herrschte der Aberglaube, dass der, welcher von Weinstöken opfere oder trinke, die nur nachlässig geschneitelt waren und durch zu dichtes Laub beschattet wurden, von Wahnsinn befallen werde.¹)
Dank der Pflege griechischer Winzer machte der Rebbau zunächst in dem süd- lichen Teile der Halbinsel die erfreulichsten Fortschritte, zumal in der herrlichen Ebene, die sich von Sinuessa bis zum Vorgebirge Surrentum erstreckt. In dem glücklichen Kampanien gedieh bei den lauen Seewinden und dem unerschöpflichen Boden der Rebstock besser als in allen anderen Gegenden ltaliens Bacchus und Ceres stritten sich, wie Florus sagt,“¹) um den Besitz der köstlichen Ebene, aus der sich die be— rühmtesten Rebnügel erhoben, deren Abhänge einen einzigen grossen Weingarten bildeten. Die Weine, die hier gekeltert wurden, konnten schon frühe recht wohl den Vergleich mit den berühmtesten Marken Griechenlands aushalten. Wie die kam- panischen Weine, so genossen fast alle Gewächse des südlichen ltaliens einen wohl- begründeten Weltruf, so dass Sophokles bereits ltalien, das Lieblingsland des Bacchus nennen konnte.) Der Name Onotrien— Land der Weinpfähle— den schon Herodot für Unteritalien gebraucht,“*) ist bezeichnend für die weitausgedehnten Rebanlagen und die guten Weine der älteren Zeit. Langsamere Fortschritte machte die Wein- kultur in Latium. Hier wirkte Cato bahnbrechend, der dem Reblande vor den anderen Bodenarten den Vorzug einräumte.“²) Durch die Einführung sizilischer Reben suchte er den Weinbau seiner Heimat zu heben, der durch den lmport griechischer Weine sehr geschädigt wurde. Doch sollte es noch langer Zeit bedürfen, bis den einheimischen Erzeugnissen Anerkennung zu Teil wurde. Bei Opfern wie bei Ge- lagen bevorzugte man den griechischen Wein, der auch von den Arzten zur Stär- kung der Kranken verordnet wurde.¹²*) Die Weine der Inseln Chios,²o) Thasos Cos, ²¹) Rhodos²²) und Lesbos beherrschten völlig den Weltmarkt. In allen grösseren Städten des Mittelmeergebietes wurden die griechischen Marken massenhaft abge- setzt. So dass es die italischen Winzer für vorteilhaft hielten, aus einheimischen Trauben nach griechischer Vorschrift die bekannten und beliebten Sorten der Griechen nachzuahmen.““) Als schon der Falerner sich eines grossen Rufes erfreute, schätzte man doch den griechischen Wein sehr, der, wie bei uns Sherry, Madeira und Portwein mit Vorliebe beim Beginne des Mahles genossen wurde. Wie sparsam man mit demselben zurückhielt, zeigt die Bemerkung Varros, L. Lukullus habe bei seinem Vater an keinem Gastmahle teilgenommen, bei dem den Gästen mehr als einmal griechischer Wein gereicht wurde. C. Sentius erzählt, chiischer
¹⁴) Vergil, Georgica II, 60. 403. ¹⁵) Florus, Epitome rer. Rom. I, 15. Vgl. auch Plin. XIV, 8; Col- III, 2; Sil XII. 152; Mart IV, 44, 1. ¹6) Sophocles, Antigone 1117. ¹7) Herodot, I, 167. Nach Hesychius bedeutete ννε dorisch Weinpfahl. Hiehn, Kulturpflanzen führt den Namen auf das Land zurück wegen der Erziehungsart der Reben an Pfählen. Dagegen Helbig und Nissen, Das Templum p. 113. 1) Cato I, 6. ¹⁰) CGalenus, XIV p. 28. ²⁰) Plautus, Curc 70 2¹) Plautus, Poen. 600. ²²) Dreiundzwanzig rhodische Amphoren sind in Präneste, eine in einem Grabe von YVulci in Etrurien gefunden. Marquardt, Röm. Privat- leben?. p. 444. ²³) Cato 24. 105.
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