Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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4 Befruchtung und ländliche Nahrung hergeleitet wurde, gefeiert worden sind.) Vor allem erweisen aber die lateinischen Wörter, die sich auf die Behandlung des Weines beziehen, die völlige Selbständigkeit Roms auf diesem Gebiete.) Selbst vinum ist nach neueren Forschern nicht als griechisches Lehnwort anzusehen, sondern als urverwandt mit ος, armenisch gini und albanesisch vene.:)

Dem Weinbau in Latium hat auch die römische Ueberlieferung ein hohes Alter zugeschrieben. Schon vor der Erbauung Roms soll derselbe so bedeutend gewesen sein, dass Mezentius, der König der etruskischen Stadt Cäre, von den bedrängten Latinern den Ertrag ihrer Weinberge oder die Erstlinge der Kelter für drei Jahre forderte. Die Latiner, welche dieses Ansinnen zurückwiesen, gelobten dagegen Jupiter den ganzen Weinertrag, wenn ihnen der Gott den Sieg verleihen würde. Das erste Weinfest, die vinalia priora, welche man am 23. April feierte, wurde damals zur Erinnerung an den hülfreichen Beistand Jupiters eingesetzt, dessen Priester, der Flamen Dialis, vom neuen Weine dem Gotte eine Spende darbrachte.) Für das hohe Alter des latinischen Weinbaues sprechen schliesslich auch Namen von Reb- sorten, die Völkerschaften und Gemeinden entlehnt sind, deren Spuren in der historischen Zeit nicht mehr zu finden waren. ²)

Die Kriege, welche Roms älteste Geschichte ausfüllen, liessen einen blühenden Weinbau zunächst nicht aufcommen. Der Feldbau, den dringendsten Lebensbedürf- nissen weit mehr Rechnung tragend, drängte für lange Zeit die Kultur der Rebe zurück. Religiöse und politische Einrichtungen legen hierfür Zeugnis ab. Als Gaben, welche die latinischen Bundesstädte zu den feriae Latinae beisteuerten, werden Mehl, Milch, Käse und Vieh namhaft gemacht, ¹⁰) aber kein Wein. Auch Romulus ordnete zu Trankopfern nur einige Sextare Milch an und verbot in einem Gesetze, das in den Zwölftafelgesetzen Aufnahme fand, den Leichenbrand mit Wein zu besprengen.¹u) Wie sehr Rebbau und Weinproduktion auch nach der Königszeit noch vernach- lässigt wurden, bezeugt der sparsame Gebrauch des Weines in den älteren Zeiten der Republik bei der Festfeier siegreicher Feldherrn,¹²) bei der später dem Volke Wein- spenden in grossartigem Masse gemacht wurden. Dem beschränkten Weinver- brauche entsprach eine primitive Behandlung der Reben und des Rebsaftes. Als man im Jahre 280 v. Chr. Kineas, dem Gesandten des Königs Pyrrhus, zu Aricia am Fusse der Albanerberge Wein kredenzte, der von Rebstöcken stammte, die an den Aesten der Ulme emporgezogen waren, äusserte sich der verwöhnte Grieche sarkastisch, die Mutter eines solchen Weines verdiene es allerdings, an ein so hohes Kreuz gehängt zu werden.¹²) Dem Gaumen des Feinschmeckers konnte der sauere Wein Latiums nicht munden, für den man noch die Bezeichnung temetum hatte, welche die spätere Sprache nicht mehr kannte. Dass man aber schon in ältester Zeit be- strebt war, die Kultur des Rebstockes zu verbessern, zeigt das Gebot Numas, dass

*) Mommsen, R. G. ls, 186.) Man vergleiche: duεαοο, otväs-vitis; rporr-vindemia; asνv-vinea; dεενου‿οε ειέα‿αʒVitium cultura; nido-dolium; äbnexou ςω--vinitor; panio-torquere; torcular-pοπνκνρειν mustum-ebzo² u. s. w. ²) Weise, UÜber den Weinbau der Römer, p. 6. ³⁶) Cato bei Macrobius, Sueton III, 5, 10; Varro bei Plinius XIV, 88; Dion. Hal I, 65; Ovid, Fast IV, 8905.*) Nissen, Ital. Landeskunde, p. 451 z. B. Die aminäische Traube, die von Aristoteles auf thessal. Einwanderer zurückgeführt wird. ¹⁰) Dionysius Hal. IV, 49. ¹¹) Plinius, XIV, 88; XVIII, 24. ¹²) Plinius, XIV, 14. ¹8) Plinius XIV, 3.