Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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Einleitung.

Die Verbreitung des Weinstockes in Italien und in den westlichen Provinzen des römischen Reiches.

Als die ltaliker nach ihrer Trennung von den stammverwandten Griechen die Alpen überschritten und sich in der Poebene und dann weiter in der Apenninen- halbinsel niederliessen, fanden sie, wie es scheint, in der neuen Heimat bereits die Rebe, wenn auch noch in wildem Zustande vor.¹) Dass der Weinstock in ltalien, dessen Klima und Bodenverhältnisse seiner Entwicklung überaus günstig sind, kein Fremdling war, beweisen die Ueberreste der edlen Traube, der vitis vinifera, welche im Travertin in Toskana am rechten Ufer des Tiber und im vulkanischen Tuffe in der Nähe von Rom gefunden sind.²) Weniger beweiskräftig sind die Weinkerne, welche man in den Pfahlbauten des Modenesischen südlich vom Po auffand. da sie nicht, wie anfänglich vermutet wurde, der edlen Rebe, sondern der wilden blau- beerigen Weintraube angehören.*) Die Griechen, welche bemüht gewesen sind, Hellas als Quelle aller römischen Kultur hinzustellen, suchten auch dem Glauben Eingang zu verschaffen, dass die ltaliker die Pflege des Weinstockes und die Kunst aus dem gegorenen Traubensafte Wein herzustellen, dem verwandten älteren Kulturvolke zu verdanken hätten. Gewichtige Gründe sprechen indessen für die Unabhängigkeit ltaliens auf dem Gebiete des Weinbaues und der Weinbereitung. Wenn wir auch in der Odyssee nicht eine entscheidende historische Quelle zu sehen haben, so ist es doch nicht ohne Belang, dass in dieser ältesten Ueberlieferung der Hellenen unter den Kulturpflanzen, die im Kyklopenlande und auf der davor liegenden Insel Kuch- sen, der Rebstock bereits genannt wird.¹) Die ersten Griechen, welche italischen Boden betraten, fanden also dort das kostbare Gewächs bereits heimisch vor. Ob die Italiker dieser ältesten Zeit schon aus den Trauben Wein zu bereiten verstanden, geht allerdings aus dem Homerischen Gedichte nicht hervor, wohl aber spricht für die uralte Kenntnis des Rebsaftes das in die griechische Vorzeit hinaufreichende Fest- verzeichnis der Stadt Rom, nach dem die Weinfeste zu Ehren Jupiters, von dem alle

¹) Die Annahme, dass die Rebe an den Gestaden des Mittelmeeres heimisch gewesen und von den Indogermanen veredelt sei, gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn wir einer grossen Zahl neuerer Forscher folgend die Heimat der Arier nicht in den Steppen Asiens, sondern im nördlichen Europa zu suchen haben. Vgl. P. Weise, Beiträge zur Geschichte des röm. Weinbaues in Gallien und an der Mosel. Programm- abhandlung. Hamburg 1001 p. 4. ²) P. Weise, UÜber den Weinbau der Römer, Teil I. Programmabhandlung. Hamburg 18907 p. 5. ²) Helbig, Die ltaliker in der Poebene, 1870 p. 16. 71. 100. Engler, Anmerkungen zu Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere, 6 Aufl. v. O. Schrader, 1894 p 86.) Homer, Odyssee IX, 110. 133.

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