Aufsatz 
Der Feldbau der Römer
Entstehung
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helfen, notwendiger Weise den Bauernstand schwer schädigen.) Auch var bei der grossen Vermehrung der Volkszahl der Ackerbau allein garnicht mehr imstande, eine so dichte Bevölkerung zu ernähren; mit Notwendigkeit musste der Feldbau um Rom dem ergiebigen Gartenbau weichen, mussten Wein und Getreide aus den ausser- italischen Provinzen nach der Hauptstadt geschafft werden, da die italische Feldmark nicht ausreichte, um den immer steigenden Bedürfnissen zu genügen. Ausserdem war mit dem wachsenden Wohlstande, mit der Verfeinerung der Lebensführung der menschlichen Intelligenz in Gewerbe und Handel häufig ein weit grösserer Spiel- raum, ein weniger engbegrenztes Arbeitsfeld als im Ackerbau gegeben. Mit vor- eingenommenem Blick sahen die Schriftsteller bei diesem Wechsel der Zeiten nur die Schattenseiten, die ihnen allerdings in den damit eng verbundenen Schäden des Proletariats und der Armut der Grossstädte in erschreckendster Weise vor Augen traten. Auch darin gingen sie wohl zu weit, dass sie nicht nur den politischen, sondern auch den sittlichen und religiösen Rückgang des römischen Volkes einzig auf die Vernachlässigung der Landwirtschaft schoben.

Ein besonders begeisterter Lobredner des Ackerbaus war im Anfang der Kaiser- zeit der aus einer spanischen Bauernfamilie stammende Columella, welcher über die Randwirtschaft ein umfassendes Werk von zwölf Büchern geschrieben hat, von denen das zehnte Buch in gebundener Rede den Gartenbau behandelt, den Vergil in seinem Lehrgedichte nicht bearbeitet hatte. In seiner Vorliebe für den Landbau geht Columella soweit, dass er ihn als das einzig anständige, eines ehrlichen Mannes würdige Mittel, das Vermögen zu erhalten und zu vermehren darstellt. Unbegreiflich erscheint es ihm, dass Menschen, welche für die niedrigsten Verrichtungen, wie Speisenwürzen und Tanzen, nach einem Lehrer suchen, sich einbilden, ein so weites Gebiet wie die Landwirtschaft ohne Unterweisung beherrschen zu können. Einen unfähigen, unver- ständigen Menschen zum Landwirt zu machen, einem kenntnislosen Verwalter grosse Güter anzuvertrauen, erscheint ihm als der grösste Pehler und als der Grund, dass so viele Landgüter in ihren Erträgen zurückgehen.Drei Dinger, sagt er,sind dem Land- manne unumgänglich nötig: gründliche Unterweisung, genügende Geldmittel und Lust Zur Arbeit.*) Seine Ratschläge über das Verhalten des Gutsherrn, die Erziehung des Verwalters und die weise Mässigung in allen Dingen machen die Schrift nicht nur vom wirtschaftlichen, sondern auch vom rein menschlichen Standpunkt aus interessant und wertvoll. Leider hat auch sie nicht dazu beitragen können, die nerrschenden Notstände in ltalien zu beseitigen. Immerhin gebührt ihr das Verdienst, in Gallien und Spanien der theoretischen Behandlung des Landbaues neben der Sprach- und Rechtswissenschaft in den gelehrten Schulen eine Stellung verschafft zu- naben. Der letzte landwirtschaftliche Schriftsteller Palladius Rutilius Taurus, der im vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebte, hat hier die Anregung zur Abfassung seines Wirtschaftsbuchs erhalten.

*) Im Jahre 203 vor Christus wurde der Modius( preuss. Scheffel) spanischen Weizens zu 1 ½ Denar (1,05 Mk.) verkauft. Im Jahre 201 der afrikanische Weizen zu demselben Preise, den man im Jahre 200 sogar auf nur 50 Pfennige herabdrückte. Gleiche und niedrigere Preise finden sich in der Folgezeit. Marquardt, Römisches Privatleben II. Aufl. 1880. p. 308.

*) Columella: De re rustica I, I.