Aufsatz 
Der Feldbau der Römer
Entstehung
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Ein Volk, welches dem Ackerbau eine so hohe Stellung einräumte, musste schon frühzeitig den Untersuchungen landwirtschaftlicher Fragen eine grosse Bedeutung beimessen. Es ist wohl kein Zufall, dass der erste römische Prosaschriftsteller, der in lateinischer Sprache schrieb, dass M. Porcius Cato aus seiner reichen Erfahrung als Landwirt dem Gutsherrn und seinem Verwalter die ersten schriftlichen Anweisungen über Land- und Hauswirtschaft erteilt hat. Obwohl dieses Buch De agricultura eine systematische Behandlung der Landwirtschaft noch vermissen lässt, indem Vorschriften über Ackerbau, Viehzucht und die Verwendung der Sklaven in bunter Reihenfolge mit Hausmitteln und Kochrecepten wechseln, genoss es doch seiner vielen erprobten Wahrheiten wegen bei den späteren Agronomen so hohes Ansehen, dass sie immer wieder auf diese älteste römische landwirtschaftliche Schrift zurückkommen. Bereits zu Catos Zeit, nach Beendigung des zweiten punischen Krieges, beginnt der Land- wirtschaft durch den aufstrebenden Handel Gefahr zu drohen. So sieht sich denn Cato veranlasst, den Beruf des Landwirts dem Kaufmannsstande gegenüber zu preisen und zu empfehlen.Wollten unsere Vorfahren, sagt er,einen braven Mann loben, so sagten sie, er sei ein guter Ackersmann und ein tüchtiger Landwirt. Der Beruf des Kaufmanns bringt zwar viel ein, doch ist er auch mit vielen Gefahren verknüpft. Dagegen erzeugt der Bauernstand die herzhaftesten Männer und die tapfersten Sol- daten. Dieser Beruf ist der sittlichste, stetigste und friedlichste, Männer, die sich mit dem Landbau beschäftigen, denken selten schlecht.*)

Ein schon vollständigeres Bild von dem Stande der römischen Landwirtschaft er- halten wir aus C. Terentius Varros drei Büchern De re rustica, welche in der Form des gelehrten Dialogs geschrieben sind. Der Achtzigjährige hatte diese Schrift, die Ackerbau, Viehzucht und Hoffütterung behandelt, seiner Gattin Pundania gewidmet, welche im Sabinischen ein Landgut käuflich erworben hatte. Aus diesen Aufzeich- nungen sollte Fundania nach des Gatten Tode sich Rat und Aufschluss in wichtigen, das Gut betreffenden Fragen holen. Varro konnte bereits zu seinem planmässig ent- worfenen Buche eine reiche Fachlitteratur von Ausländern und Römern benutzen. Von den zahlreichen Schriften nichtrömischer Ackerbauschriftsteller, die er namentlich anführt, gab er, wie der spätere Columella, dem achtundzwanzig Bücher umfassenden Werke des Karthagers Mago über Landwirtschaft, Viehzucht und Tierheilkunde den Vorzug. Dieses Werk des Vaters der Landwirtschaft,(rusticationis parens), welches zuerst Cassius Dionysius von Utika in zwanzig Büchern in das Griechische über- setzte, war das erste wissenschaftliche Werk über den Landbau im Abendlande. Die verloren gegangene Schrift ist das einzige Buch, welches der römische Senat durch eine Kommission ins Lateinische übertragen liess. Von römischen landwirtschaftlichen Schriftstellern benutzte Varro besonders ein aus mehreren Büchern bestehendes Werk De agricultura der beiden Saserna, Vater und Sohn, welches verloren gegangen ist, und eine ebenfalls nicht erhaltene Schrift des Tremellius Scrofa, den er den besten Landwirt und hervorragendsten Obstzüchter seiner Zeit nennt. Neben der Kenntnis fremder und einheimischer Schriftsteller befähigte auch die eigene Erfahrung Varro dieses Buch zu verfassen. Das Zurückdrängen der Landwirtschaft in dem Leben des

²) Cato: De axgricultura ed. H. Keil 1884. I, I. Horaz, Oden III, 6, 3771.