Der Feldbau der Römer.
Motto: Quae probabilis ratio est obmute- scendi, quia nequeas orator esse perfectus; aut in socordiam compelli, quia desponderis sapientiam? Magnae rei, quantulumcunque possederis, fuisse participem non minima est gloria.
Columella: De re rustica XI. 1.
Einleitung.
„Der Landbau bietet dem Menschen einen schönen Wirkungskreis, er gewährt ihm reichen Oberfluss an allen Dingen, die zur Nahrung der Menschen und zum Dienste der Götter gehören. Es kann nichts Ergiebigeres, nichts Schöneres geben, als ein gut bebautes Ackerfeld.“¹)
Diese Worte Ciceros drücken nicht bloss die idyllische Sehnsucht des überar— beiteten oder übersättigten Grossstädters nach der Einfachheit und Stille des Land- lebens aus, sie bezwecken noch mehr in den nach Ehrenstellen und Reichtümern jagenden Römern die Neigung zu den einfachen Genüssen der Natur und zu dem bescheidenen Berufe des Landwirts zu wecken, der den Vorfahren als der ehrenvollste galt. UÜbereinstimmend berichten die Schriftsteller, dass die Senatoren und Feldherrn, welche dem alten Rom den Stempel ihrer machtvollen Persönlichkeit aufdrückten, Landleute gewesen sind.„Nicht von gefesselten Sklaven, sondern von Feldherrn be- arbeitet, freute sich die Erde über die lorbeerbekränzte Pflugschar und über den Ackersmann, der im Triumphe einherzog. Mit derselben Sorgfalt behandelten die alten Helden den Samen wie die Kriege, und die Felder bestellten sie ebenso fleissig wie die Lager.“*) Dem L. OQuinctius Cincinnatus wurde beim Pflügen gemeldet, er sei Diktator geworden, Curius Dentatus und Gajus Fabricius bebauten die sieben Morgen Landes, die sie zum Lohn für ihre dem Vaterland geleisteten Dienste erhielten, mit einem Fleisse, der nur ihrer Tapferkeit gleichkam. Auch der Censor Cato wid- mete alle Zeit, die ihm die Staatsgeschäfte liessen, der Bestellung seiner Ländereien und teilte Arbeit und Kost mit seinen Knechten. Von ihrer Beschäftigung mit dem Ackerbau erhielten die erlauchten Geschlechter der Fabier, Lentuler und Pisonen ihren Namen.
¹) Cicero: De senectute XV u. XVI. ²) Plinius: Historia naturalis ed. C. Mayhoff, 1802. XVIII. 3.
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