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Eine weitere Veränderung in der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums fand mit dem Beginn des Wintersemesters dadurch statt, dass der Gymnasiallehrer Wagner, welcher seit Ostern 1873 der hiesigen Anstalt angehört hatte, zum 1. Oktober an das Gymnasium in Cassel berufen wurde. Die von ihm bekleidete letzte ordentliche Lehrerstelle übertrug das Königliche Provinzial-Schulkollegium mit dem 1. Januar 1875 dem wissenschaftlichen Hülfslehrer Dr. Ge org Wesener, über dessen Leben die nachstehende Mittheilung Auskunft gibt.
Georg Wesener, geboren zu Culm in Westpreussen am 5. Juni 1847, absolvirte Ostern 1866 das Gymnasium zu Hadamar und widmete sich auf den Universitäten zu Bonn, München und Berlin vorzugsweise dem Studium der historischen Disciplinen. Im März 1870 wurde er in Bonn auf Grund seiner Dissertation„De concilio Lugdunensi“ zum Dr. phil. promovirt. Bei der Kriegserklärung im Jahre 1870 als Freiwilliger in das Er- satzbataillon des 80. Regiments eingetreten und im Oktober desselben Jahres dem mobilen Regiment überwiesen, machte er die Belagerung von Paris mit. Im Januar 1871 wurde er nach einer dreimonatlichen Dienstleistung zum Seconde-Lieutenant der Infanterie- Reserve befördert. Nachdem er das Probejahr am Gymnasium zu Hadamar abgelegt hatte, bestand er am 17. Mai 1873 vor der Prüfungs-Kommission zu Bonn das Examen pro fac. doc. Seit dem 1. Mai 1873 als wissenschaftlicher Hülfslehrer am Gymnasium zu Wies- baden beschäftigt, wurde er mit dem 1. Januar 1875 zum ordentlichen Lehrer ernannt und am 13. Januar d. J. in Gegenwart des Lehrerkollegiums durch den Direktor vereidigt.
Die Probekandidaten Lüdecking und Dr. Scholz hatten am Schlusse des Sommer- semesters ihr Probejahr beendigt; der erstere begab sich darauf zur Fortsetzung seiner wissen- schaftlichen Ausbildung nach England, der letztere wurde vom Königlichen Provinzial-Schul- kollegium als Hülfslehrer am Gymnasium angestellt. Kandidat Deutschmann schied im Herbste, um sein Probejahr am Progymnasium zu Neuwied fortzusetzen und gleichzeitig eine vakante Lehrer- stelle kommissarisch zu verwalten. Neu eingetreten sind im Wintersemester die Probekandidaten Otto Manns aus Sooden bei Allendorf und F. Schenkheld aus Cassel.
Der regelmässige Gang des Unterrichts ist im abgelaufenen Schuljahre leider mehrfach unterbrochen worden.
Vom 25. Oktober bis zum 13. November musste der Professor Dr. Kirschbaum durch die Kollegen vertreten werden, da er einer ehrenvollen Aufforderung des Reichskanzler-Amtes entsprechend an den aus Anlass des internationalen Kongresses für Seidenzucht in Montpellier und nachher in Klosterneuburg bei Wien stattfindenden Berathungen über die durch die Phylloxera vastatrix verursachte Krankheit des Rebstocks als deutscher Delegirter Theil nahm. Ausserdem setzten in Folge von Unwohlsein oder aus anderen Verhinderungsgründen den Unter- richt aus: Zeichenlehrer de Laspée an 21 Tagen, Oberlehrer Bogler an 18, Oberlehrer Dr. Eickemeyer an 9, die Gymnasiallehrer Oertel und Weinmann an je 7, Dr. Adam, Dr. Wesener, Dr. Scholz und Flementarlehrer Schmitt an je 2 Tagen. Auch der Unterzeichnete wurde 3 Tage seiner amtlichen Thätigkeit entzogen, da er, vom Herrn Ober- präsidenten zum Mitglied der Prüfungs-Kommission für einjährig Freiwillige in Wiesbaden ernannt, am 1., 2. und 3. März durch das Examen der Aspiranten zum einjährigen Dienst in Anspruch genommen war. In allen diesen Fällen wurde von den übrigen Kollegen bereitwilligst Aus-
hülfe geleistet.


