Aufsatz 
Zur Lebensgeschichte des Dichters und Malers Friedrich Müller / Oertel
Entstehung
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Allein mit unbeugsamer Strenge und Entschiedenheit werde ich dem begegnen, was von bösem Willen zeugt. Unverbesserliche Trägheit, Umwahrheit und Betrug, Trotz und Ungehorsam gegen die Lehrer, rohes Benehmen auf der Strasse, Verbindungen und nächtliche Orgien werde ich niemals dulden. Ich hoffe und wünsche, dass keiner meiner Schüler mich in die Nothwendigkeit versetzen wird, solche Ausschreitungen zu verfolgen. Sollte dennoch wider mein Erwarten Neigung dazu bei dem einen oder andern schon eingewurzelt sein, so will ich gleich heute ausdrücklich erklären, dass ich die mir zu Gebote stehenden Zuchtmittel ohne Schonung und Gnade anwenden werde, als ein Mann, der sich nicht scheut durchzugreifen und, wenn's nöthig ist, hart zu strafen, sollte ihm auch das eigene Herz dabei wehe thun. Ich habe es aus bestimmten Gründen für zweckmässig befunden, Puch von vornherein zu warnen, damit Ihr wisset, womit Ihr zu rechnen habt. 3

Doch Ihr werdet mir des bin ich gewiss den Schmerz ersparen, dass unser gegen- seitiges Verhältniss sich auf Misstrauen und Kälte aufbaue; Ihr werdet es mir möglich machen, dass ich Euch ein warmes Herz beweise und nicht Euer Zuchtmeister, sondern Euer Rathgeber, Helfer und Freund sei, dass wir frohen Sinnes uns gemeinsam vertiefen in die nie versiegenden Quellen der Schöne und Erhabenheit, die das deutsche Gymnasium seinen Zöglingen erschliesst. Und dieser köstliche Born, aus dem Ihr die Begeisterung für alles Gute und Edle trinken sollet, es ist das klassische Alterthum, dessen Studium in den Mittelpunkt der Gymnasialbildung gestellt ist. 3 3

Im Anschlusse hieran erörterte der Redner die Frage, welchen Gewinn die Jugend aus der Einführung in die herrliche Welt des klassischen Alterthums und aus der Lektüre seiner bedeutendsten Schriftsteller schöpfe. 5

Die Feierlickeit schloss mit dem Gesange der MotetteDanket dem Herrn von Rolle. Am Nachmittage desselben Tages fand die Aufnahmeprüfung der neu eintretenden Schüler statt,

und am Donnerstag den 8. October begann der Unterricht, nachdem der Direktor in der Aula

den versammelten Schülern die Schulgesetze verlesen und die genaue Befolgung derselben nach-

drücklich eingeschärft hatte. Ueber sein Leben erlaubt sich der Unterzeichnete, wie üblich, einige kurze Mittheilungen

zu machen. 3

Robert Pähler, geboren am 21. März 1842 zu Essen, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt von 1851 bis 1859, studirte von 1859 bis 1861 an der Universität zu Bonn und bis Herbst 1863 an der Königlichen Akademie zu Münster hauptsächlich Philologie und Geschichte. Im Jahre 1864 wurde er zum Dr. phil. promovirt und absol- virte, nachdem er im Juni desselben Jahres die Prüfung pro facultate docendi vor der wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission zu Münster bestanden, am Gymnasium zu Essen das Probejahr. Zu Ostern 1865 als ordentlicher Lehrér an das Gymnasium in Bochum berufen, wirkte er dort bis zum Herbste 1868. Dann folgte er einem Rufe als Rektor des neu zu gründenden Progymnasiums zu Montabaur, welches sich unter seiner Leitung allmählich zum vollständigen Gymnasium entwickelte und von Seiner Majestät dem Kaiser und Könige durch huldvolle Verleihung des TitelsKaiser Wilhelms-Gymnasium aus- gezeichnet wurde. Am 29. Juli 1871 zum Gymnasial-Direktor in Montabaur ernannt, ver- blieb er in dem dortigen Wirkungskreise bis zur Uebernahme der hiesigen Stelle.