Aufsatz 
Zur Lebensgeschichte des Dichters und Malers Friedrich Müller / Oertel
Entstehung
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Zur Lebensgeschichte des Dichters und Malers Friedrich Müller.

Vom Gymnasiallehrer Lic. Oertel. A,/

In unsern Tagen, wo sich die Beschäftigung der Literarhistoriker mit besonderer Liebe derjenigen Periode der deutschen Literatur zugewendet hat, welche gemeinhin mit dem Namen Sturm und Drang bezeichnet wird, ist einer ihrer Hauptvertreter, ein genialer Dichter, der lange Zeit unverdientermassen fast vergessene Maler Friedrich Müller wieder der deutschen Nation ins Gedächtnis zurückgerufen und in seiner Bedeutung gewürdigt worden.

Dies Verdienst gebührt vornehmlich Hermann Hettner, welcher zunächst 1867 im Februarheft der Westermann'schen Monatsblätter in den Bildern aus der Sturm- und Drang- periode Müller's Leben zeichnete, dann 1868 in der Bibliothek der deutschen Nationalliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts eine Auswahl seiner Werke in zwei Theilen weitern Kreisen zu- gänglich machte, endlich 1872 in seiner Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts Müller im Zusammenhang mit den übrigen Dichtern jener Periode behandelte.

Dann erschien von Weinhold in den Preussischen Jahrbüchern(Juliheft) 1872 ein Auf- satz, welcher das Verhältnis Müller's zu Göthe bespricht und Graf Yorck sammelte die zerstreuten Gedichte, die er 1873 als Nachlese zu Müller's Werken herausgab.

Die nachfolgende Darstellung hat nun den Zweck, das, was über Müller's Lebensgeschichte und Entwicklung bis zur Reise nach Italien überliefert ist, zusammenzustellen und es durch mündliche und schriftliche Nachrichten zu ergänzen.

J.

Johannes Friedrich Müller wurqde als der Aelteste von sieben Geschwistern am 13. Januar 1749 zu Kreuznach an der Nahe geboren). Sein Vater, der die gleichen Vornamen führte, Bäcker und Bierbrauer, gehörte einer alt-

¹) Extract auß dem Lutherischen Kirchenbuch: Joh. Friedr. Müller, den 13. Jan. 1749 Montag hora 10 11 vesp. wurde Hr. Joh. Frieder. Müller, Bürger, Becker und Bierbrauer dahier und seiner chel. Hausfrau Catharina Margaretha Roosin gebohren und den 16. in der Kirche getauft. Zeuge war Joh. Friedr. Müller, Bürger und Becker, als des Kindes Ur-Grossvater. Fälschlich wird 1750 als Geburtsjahr in den meisten Büchern angegeben. 1