Aufsatz 
Animadversiones criticae et exegeticae in Hermocratis orationem
(Thucyd. VI, 33 et 34)
Entstehung
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4 (gegen sie) aus Furcht, und dann, wenn sie aus Mangel an Lebensmitteln im fremden Lande Unglück gehabt haben, hinterlassen sie, auch wenn sie durch sich selbst zumeist zu Falle gekommen sind, doch den Angegriffenen einen(ruhmvollen) Namen. So ging's ja auch eben diesen Athenern, dass sie, als den Meder wider Erwarten viel Unglück getroffen hatte, (so hoch) erhoben wurden infolge der Meinung, er sei gegen Athen gezogen, und es ist gar nicht unwabrscheinlich, dass uns dergleichen begegnet.

Cap. 34.

Getrost also lasst uns sowohl hier unsere Anstalten treffen, als auch zu den Sikulern senden und uns der einen noch mehr versichern, mit den andern aber Freundschaft und Waffen- bund zu schliessen versuchen; auch in das übrige Sicilien lasst uns Gesandte schicken und die Gefahr als eine gemeinsame darstellen, sowie nach Italien, damit wir entweder uns(dort) Bundesgenossen verschaffen, oder sie(doch) die Athener nicht aufnehmen. Es seheint mir ferner sehr zweckmässig, auch nach Carthago zu senden. Denn denen ist es gar nichts(so] Unerwartetes, sondern sie sind beständig in Furcht, die Athener könnten eines Tages ihnen gegen ihre Stadt heranziehen, so dass sie vielleicht die UÜberzeugung gewinnen, auch sie, falls sie das, was hier geschieht, nicht beachteten, seien in Gefahr, und so möglicherweise geneigt sein würden, uns entweder offen, oder zum mindesten heimlich, kurz auf irgend eine Weise nur zu unterstützen. Imstande aber sind sie dazu am meisten von allen(Staaten) derzeit, so- bald sie wollen: Denn Gold und Silber besitzen sie in grosser Menge, wodurch der Krieg so- wohl, als alle anderen Unternehmungen reichliche Mittel erhalten. Lasst uns aber auch nach Lacedämon und nach Corinth senden mit der Bitte, hierher in Eile Hülfe zu bringen und den dortigen Krieg anzufachen Was ich aber ebenso für ganz besonders zeitgemäss erachte, wie ihr es wegen eurer Liebe zur Ruhe schwerlich wohl rasch befolgen werdet, soll trotzdem ausgesprochen sein: Wenn nämlich wir Sikelioten insgesamt, wo nicht,(doch) möglichst viele mit uns die ganze vorhandene Seemacht mit Proviant für zwei Monate auslaufen lassen, den Athenern nach Tarent und dem iapygischen Vorgebirge entgegenfahren und ihnen(dadurch) klar machen wollten, dass nicht eher an den Kampf um Sicilien zu denken ist, als sie den um ihre Über- fahrt über das ionische Meer bestanden haben; dann würden wir sie sehr in Bestürzung setzen und zu der Erwägung bringen, dass, während wir ein befreundetes Land im Rücken ¹) denn Tarent nimmt uns auf als Verteidiger(des unsrigen) ausziehen, sie mit der gesamten Kriegsrüstung weit über das Meer fahren müssen, wo es schwer ist, wegen der Länge der Fahrt in Ordnung zu bleiben, so dass für uns ihre Flotte leicht angreifbar wäre, wenn sie langsam und in kleinen Abteilungen heranrückt. Wenn sie dagegen den schnellsegelnden Teil der Flotte lichten und nur mit diesem in gedrängterer Stellung uns angreifen sollten, so würden wir, falls sie sich der Ruder bedienten, bei einem Angriffe es nur mit Ermatteten zu thun haben, sollte es jedoch nicht belieben, so können wir uns(ebenso) auch nach Tarent zurück- ziehen; sie aber würden, da sie(nur) mit wenig Lebensmitteln in Erwartung einer Seeschlacht herübergefahren sind, in den öden Gegenden sich in der Verlegenheit befinden: entweder, wenn sie (dort) warten wollten, blockiert zu werden, oder, falls sie die Fahrt längs der Küste versuchenwollten, den andern Teil der Flotte mit ihrer Ausrüstung aufgeben zu müssen, und in ihrer Unsicherheit, ob die Parteien in den Städten ihre Aufnahme gestatten würden, den Mut verlieren. Daher glaube ich, in Folge dieser Erwägung zurückgehalten, werden sie wohl nicht einmal von Corcyra absegeln, sondern entweder nach eingehenden Beratungen und öfterer Aussendung von Schiffen zur Recognoscierung unserer Anzahl und unseres Standortes durch die vorgerückte Jahreszeit in den Winter gedrängt werden, oder sie werden, durch das Unerwartete(der Sache) erschreckt, die Fahrt aufgeben, zumal da ihr erfahrenster Feldherr, wie ich höre, nur ungern den Ober- befehl führt und mit Freuden es als Vorwand ergreifen würde, wenn etwas Bedeutendes unsererseits sich sehen liesse. Und unsere Rüstungen, das weiss ich bestimmt, würden ver- grössert berichtet werden. Bei den Menschen richten sich aber nach dem, was gesprochen wird, auch die Ansichten, und vor denen, die dem Angriffe zuvorkommen oder doch wenigstens dem Angreifer zu erkennen geben, dass sie sich wehren werden, sind sie mehr in Furcht, weil

¹) Locus ad verbum sic exprimitur:aus befreundetem Lande.