Animadversiones criticae et exegeticae in Hermocratis orationem(Thucyd. VI, 33 et 34) scripsit Raimundus Oehler.
Praemissa est versio theodisca. ¹)
Cum scribere nobis propositum sit de oratione Hermocratis, quae exstat in sexti Thu- eydidis libri capitibus 33 et 34, primum in universum de causis deque consilio eius breviter exponemus. Haec igitur oratio anno 415 a. Chr. habita est, cum Athenienses magna classe Siciliam petiverunt. Neque ea res Syracusanos fugit, paulo enim post hine illine nuntiabatur; sed aliquamdiu fides fieri non poterat. Cumque eodem tempore Syracusis contio haberetur, alii rem veram esse dixerunt, negarunt alii: tum vero Hermocrates, Hermonis filius, verba- fecit eo consilio, ut civibus persuaderet certe domo profectos esse Athenienses eosque admoneret, ut non solum ab hostibus se defenderent, verum etiam ipsi iis cum tota classe obviam irent. Cuius orationis argumentum non una atque continua disputatione complectemur, sed quia sen- tentiarum ordo nonnullis locis artissime cum verborum interpretatione coniunctus est, per sin- gula capita dispositum exhibebimus. Prius autem duo illa capita germanice vertenda sunt.
Oap. 33.
Unglaubliches werde ich euch vielleicht, wie auch manche anderen, zu reden scheinen, wenn ich das Heransegeln der Flotte als wirklich hinstelle, auch erkenne ich, dass die, welche nicht glaublich scheinende Dinge behaupten oder berichten, nicht nur nicht überzeugen, sondern sogar für unverständig gelten. Trotzdem aber werde ich mich nicht in Schrecken setzen lassen und an mich halten, da dem Staate Gefahr droht, weil ich mir fest einrede, dass ich, vielleicht am besten unterrichtet, auch wohl am besten(darüber) zu reden vermag. Die Athener sind. nämlich gegen uns, worüber ihr euch so sehr wundert, mit grosser Sees- und Landmacht im Anzuge, vorgeblich zwar(nur) wegen ihres Waffenbundes mit den Egestäern und zur Zurück- führung der Leontiner, in Wahrheit aber aus Begier, Sicilien und vornehmlich unsere Stadt zu besitzen, weil sie meinen, hätten sie diese erst, leicht auch das Übrige gewinnen zu können. In der Voraussetzung also, dass sie in kurzem erscheinen werden, sehet zu, wie ihr mit den vorhandenen Mitteln euch am besten ihrer erwehren möget, und(babt Acht), dass ihr weder, weil ihr sie unterschätzt, ungenügend gerüstet überrascht werdet, noch weil ihr(mir) nicht glaubt, alles und jedes vernachlässigt. Sollte es aber etwa jemandem glaublich sein, der gerate über ihre Kühnheit und Macht nicht in Bestürzung. Denn sie werden uns nicht mehr schaden können, als sie(selbst) zu leiden haben, und wenn sie mit gewaltiger Heeresmacht heranziehen, bringen sie uns keinen Nachteil, im Gegenteil, für unser Verhältnis zu den übrigen Sikelioten ist dies sehr vorteilhaft— denn die werden(dadurch) in Bestürzung geraten und(so) dem
Waffenbunde mit uns geneigter werden— und dann, wenn vir sie etwa überwültigt oder ohne dass sie ihre Absicht erreicht hätten, zurückgeworfen haben— denn dass sich gar ihre Er- wartungen erfüllen sollten, fürchte ich nicht im geringsten— dann wird uns der Thaten herr-
lichste beschieden sein, die auch für mich wenigstens gar nichts Unwahrscheinliches hat: Denn nur sehr wenige grosse Seezüge, sei es von Hellenen oder Barbaren, die weit von der IHeimat weg(in die Ferne) gingen, haben Erfolg gehabt. Einmal nämlich können sie(schon) nicht in einer den Ein- und Anwohnern überlegenen Zahl kommen— denn da vereinigt sich alles
¹) Si qua commentatio me effugerit, veniam petam, cum mihi abhine quattuor annos in hoc oppido versanti interdum minus contigerit, ut libros necessarios ad manus haberem.


