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ausser der Reihe abgefragt, zunächst lateinisch, dann deutsch mit oder ohne Bezeichnung von genus verbi, tempus, modus, persona. Nun erst kann die praktische Verwertung des Gelernten im Satz erfolgen. Auch hier wieder darf in der ersten Zeit nur aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt werden, erst wenn hierin genug Uebung erlangt ist, aus dem Deutschen ins Lateinische. In beiden Fällen sind die Sätze erst zu construieren und die Formen vor dem Uebersetzen genau zu bestimmen. Da nun aber die Uebertragung ganzer Sätze wegen der sonst noch darin enthaltenen Wörter längere Zeit in Anspruch nimmt, als das Ueber- setzen blosser Verbalformen, andererseits es aber notwendig ist, den Schüler daran zu gewöhnen, nicht nur mechanisch zu übertragen, sondern auch den Sinn der Form zu erfassen, so ist ausser den oben erwähnten Uebungen noch die folgende zu empfehlen. Man sagt dem Schüler einen vollständigen Satz vor, z. B.„unsere Soldaten haben die feindliche Stadt zerstört.“ Er hat nun aber nicht den ganzen Satz zu übersetzen, sondern nur die Verbalform. Der Aufgerufene sagt also:„sie haben zerstört“ ist die dritte Person sing. indic. perf. act. und heisst deleverunt. So wird besonders die Verwechslung vom Futurum des Aktivs und dem Präsens des Passivs erschwert. In dem Satze„die Kinder werden den Tod ihres Vaters beweinen“ die richtige Verbalform zu finden, ist offenbar viel leichter, als wenn ich nur frage: sie werden beweinen? Bei Formen, wie„sie werden erhalten“ oder„umgeben,“ ist die Unterscheidung nur im Satze möglich; wird nur die Form gefragt, so müssen beide Uebersetzungen gegeben werden, woran aber ohne besonderen Hinweis selten ein Schüler denkt. ¹) Beim Passiv muss auch das Subjekt vom Schüler beobachtet werden, z. B.„die fleissigen Mädchen sind von ihrer Mutter gelobt worden“ erfordert die Antwort laudatae sunt. Man könnte gegen diese Art Formen zu fragen einwenden, sie nähme mehr Zeit weg, als die gewöhnliche, und es sei für den Lehrer nicht leicht, sofort passende Sätze zu bilden. Aber diese Einwände würden sich doch nicht als stichhaltig erweisen, ganz abgesehen davon, dass dieses Verfahren ja auch nur neben den anderen Platz finden soll. Der Lehrer braucht sich nur vor der Stunde ein paar Beispiele aufzusuchen, die dann in der Stunde mit Leichtigkeit von ihm oder den Schülern variiert werden können. So kann der Satz„der Lehrer lobt den Schüler“ im Singular und Plural in allen Formen des Aktivs und Passivs durcheinander oder in der gewöhnlichen Reihenfolge durchgefragt werden. Andererseits wird man bei diesem Verfahren viel weniger falsche Antworten erhalten, die doch stets ziemliche Zeit zur Verbesserung in Anspruch nehmen. Erhalte ich auf die Frage: sie werden verwunden? die Antwort sauciantur, so genügt es nicht immer, dem Betreffenden zu sagen, dass es falsch ist, worauf er natürlich von den zwei zunächstliegenden Uebersetzungen, da die eine nicht richtig war, die andere nehmen wird, oder einen anderen Schüler aufzurufen, sondern ihm muss die Unrichtigkeit der Antwort klar werden. Das kann mechanisch geschehen, indem ich frage, ob„verwunden“ der infin. activi oder das part. perfecti ist, besser aber so, dass ich ihm einen Satz mit dieser Form sage oder ihn selbst einen bilden lasse und nun frage, ob hier ein Thun oder ein Gethanwerden vorliegt.
¹) Anm. Ein solches Verfahren ist auch bei den Deklinationen gut zu verwenden, um an die richtige Unterscheidung der Casus zu gewöhnen, ebenso später beim Pronomen.


