Aufsatz 
Das lateinische Verbum in Sexta / von Waldemar Mohr
Entstehung
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auf der Wandtafel die Endungen stets von dem Stamm, d. h. zunächst allem, was übrig bleibt, zu trennen, also su-m, es-t, si-tis. Bei der 2 p. sing. ind. praes. es muss bemerkt werden, dass sie eigentlich es-s heissen müsste. Da aber im Lateinischen nicht zwei gleiche Buchstaben am Ende eines Wortes stehen können, ist das-s der Endung abgefallen. Als Stamm für das praesens indic. gilt also es- und su-, für die anderen Tempora und Modi si-, era-, esse-. An diese werden die Endungen angehängt, wobei der lange Endvokal des Stammes vor auslautendem m, t und vor nt verkürzt wird. Die Endung steht in allen Verbalformen nicht bloss für die deutsche Endung, sondern auch für das vorgesetzte Personal- pronomen, ganz wie bei der Deklination auch für den Artikel. Da im deutschen Unterrichte schon darauf hingewiesen sein muss, wie notwendig die Pronomina im Deutschen sind, um sonst gleiche Formen unterscheiden zu können z. B. er und ihr liebt(ama-t, ama-tis), liebt ohne Pronomen als Imperativ(ama-te), wir und sie lieben(ama-mus, ama-nt), lieben ohne Pronomen als Infinitiv(ama-re), so sieht jetzt der Sextaner an den betreffenden Formen von sum leicht ein, dass die Pronomina wegen der Ungleichheit der Endungen im Lateinischen gar nicht nötig sind. Fälle, wo sie trotzdem stehen können oder müssen, kommen erst später vor. Das futurum primum wird zunächst ohne vorherige Erklärung auswendig gelernt und dann von einem Schüler an die Tafel geschrieben. Dabei ergiebt sich, dass die Endung der ersten Person des Singulars fehlt, wie überhaupt nach o dies m stets abfällt, also auch in fuero. Als Stamm für dieses Tempus wirder mit dem Bildevokal¹)« gelernt. Auf die verschiedenen Formen des Bildevokals 0, i,) wird aufmerksam gemacht, doch ohne Erklärung der Veränderung.

Beim Indikativ des Perfekts sind die von den bisherigen teilweise verschiedenen Endungen desselben besonders fest einzuprägen, ohne auf einen Vergleich mit jenen einzugehen. Es sind die folgenden: sing. 1 p.(m ist abgefallen).

2 p. sti.

3 p. t. plur. 1 p. mus.

2 p. stis( ist an die 2 p. sing. gehängt.)

3 p. runt.

Als Stamm des Perfekts erscheint fu-, doch ist er in allen davon abgeleiteten Formen mit dem Bildvokal i verbunden, der als das besondere Zeichen des indicativus perfecti anzu- sehen ist. Vor der Endung der 3 p. plur. indic. wird i ine verwandelt. Der indic. perf. ist demnach als Paradigma zu schreiben:

fu-i-Im] fu-i-mus fu-i-sti fu-i-stis. fu- i-t fu-e-runt.

¹) Anm. Dies dürfte der einfachste, wissenschaftlich berechtigte Name für diesen Vokal sein. Die Erklärung desselben als eines Vokals, der zur Bildung der betreffenden Formen gehört, ist ebenso leicht zu begreifen, als die des Bindevokals, der Stamm und Endung verbinden soll.

²) Anmerkung: In Ermangelung der Quantitätszeichen sind die langen Vokale durch fette, die kurzen durch Cursivschrift bezeichnet.