Aufsatz 
Das lateinische Verbum in Sexta / von Waldemar Mohr
Entstehung
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Abweichungen zu übergehen. Doch ist dieser Frage wohl keine so besondere Wichtigkeit beizulegen; die Erfolge werden bei einer Behandlung, die nicht unverständig alles durch- einanderwirft, ziemlich dieselben sein. Beschränkt man jedoch die Aufgabe der Sexta möglichst auf das Regelmässige, wie es mit Recht von allen Seiten gefordert wird, so empfiehlt sich am meisten die Verschiebung des Verbums hinter die Deklination der Substantiva und Adjectiva und die Comparation, abgesehen von sum und einigen als Vokabeln zu lernenden Verbalformen der ersten und zweiten Conjugation. Dadurch wird am besten jeder Verwirrung vorgebeugt und der grösste Teil des Jahres kann auf die schwierigste Aufgabe des Klassenpensums verwandt werden.

Eine andere Frage ist, ob sum alsunregelmässiges Verbum nach den vier Conjugationen oder schon vor denselben zu lernen sei. Die Entscheidung für das letztere ergiebt sich aus der Art, wie das gewöhnliche Verbum behandelt wird. Denn abgesehen davon, dass einzelne Endungen in diesem Verbum in älterer Form erhalten sind, als bei den vier Conjugationen(es-se, es-sem, su-m gegenüber dele-re, dele-rem, dele-o statt dele-o(m), ist das i von sim zur Erklärung von amem, amer(leges, legeris, audies, audieris) notwendig und die Perfecta auf-vi können ohne fui nicht erklärt werden. Ueberdies ist es nicht möglich, eine für den Anfänger recht schwierige Lehre, nämlich die von der Congruenz des prädikativen Adjektivs mit dem Subjekt, ohne sum einzuüben und sie gehört doch möglichst in den Anfang des lateinischen Unterrichtes.

Es wäre ein Fehler, wollte man sogleich bei sum das Princip, die zu lernenden Formen auch zu erklären, in ausgedehntem Masse durchführen. Die Verwandlungen des Stammes es- sind so weitgehend, dass aus einer Erklärung der einzelnen Formen gewiss kein Gewinn für den Sextaner gezogen werden kann, der vor allem erst möglichst streng durchgeführte Analogie kennen lernen soll. Die Bemerkung, dass es- der Stamm ist, dieser aber vielfach geändert wird, genügt zunächst. Dabei werden die Formen hervorgehoben, wo er vollständig erhalten ist, und besonders die Endungen berücksichtigt. Eine genauere Erklärung der Formen bleibt der Quinta vorbehalten, ehe zu possum übergangen wird). Zuerst wird der Indikativ eingeübt, dann der Conjunctiv, vgl. S. 13. Nachdem der indicativus präsentis und imperfecti gelernt ist, wobei für est und erat zu lernen ist:er, sie, es ist,er, sie, es war werden beide von einem Schüler an die Tafel geschrieben, so dass die entsprechenden Personalformen in einer Reihe stehen. Fragt man nun die Schüler, was ihnen auffällt, wenn sie die Formen des Präsens mit denen des Imperfectum vergleichen, so giebt es sicher einige, die die Antwort geben, dass die letzten Buchstaben gleich sind, zumal wenn man durch eine ähnliche Behandlung der Deklinationen den Blick für die Bestandteile der Formen geschärft hat. Dass diese letzten Buchstaben die dem Verbum eigentümlichen Endungen sind, begreift der Schüler ohne weiteres. Er hat von jetzt an beim Schreiben des Paradigmas

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¹) Anm. Dahin gehört die Erklärung des u in sum, sumus, sunt, sunto als Bildevokals, der Nachweis, dass e leicht abfiel und dass s zwischen zwei Vokalen zuer wurde, wiewohl einiges davon gelegentlich schon in Sexta bemerkt werden kann.