Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den naturgeschichtlichen Unterricht am Gymnasium
Entstehung
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ist auch hier die Auswahl derart zu treffen, dass man Vertreter der verschiedenen Ordnungen zu erhalten sucht.

Spirituspräparate kann man sich zum grösseren Theile selbst anlegen; es ist dabei mit dem Weingeiste nicht zu sehr zu geizen, denn vor allem ist auf Klarheit desselben zu sehen; trübgewordener hindert am klaren Sehen bei Dingen, die man nicht herausnehmen kann, ver- ursacht üblen Geruch und rasche Verderbniss der eingelegten Objecte. Kleinere Säugethiere, Vogelpräparate, Reptilien, Amphibien und deren Entwicklungsstufen, die man durch Zucht im Aquarium leicht erhalten kann, Fische der gewöhnlichsten Formen, die Metamorphosen der Iusecten, Würmer, einige Mollusken und Präparate davon, Seestern, Holothurie u. a. sind auf diese Weise allein brauchbar zu erhalten. Ueber Trockenpräparate ist es kaum nöthig, ein Wort zu sagen, da wohl jeder Lehrer genügend damit umzugehen weiss. In der Verfertigung mikroskopischer Präparate, die nicht zu entbehren sind, wird man sich ebenfalls am besten selbst helfen, doch sind solche auch vielfach käuflich zu erhalten, freilich gewöhnlich dann nur zu ziemlich hohem Preise. Versteinerungen einiger Cephalopoden, Schnecken, Muscheln, Echino- dermen, Rhizopoden ergänzen die zoologische Sammlung.

Für die Botanik ist ein Herbarium in der oben erwähnten Weise anzulegen; ausserdem siud die Schüler dem Lehrer gerne behülflich, Früchte aller Art und verschiedene Holzsorten, die man sich vom Schreiner zurecht schneiden lässt, für die Schulsammlung herbeizuschaffen. Von Droguisten sind pflanzliche und thierische Stoffe, die technisch oder arzneilich von Wichtig- keit sind, gar nicht schwer zu erwerben, und auch sie leisten der Anschauung bei dem Unterricht erspriessliche Dienste. Einige nothwendige Modelle wie Anderes, das man sich nicht durch eigne Hülfe verschaffen kann, sind bei den jetzt ziemlich zahlreichen Naturalienhandlungen, die auf Verlangen gerne ihre Preisverzeichnisse einsenden, nach Bedarf zu haben.

Erwägen wir die Frage, ob ein Lehrbuch für den naturhistorischen Unterricht eingeführt werden soll, so erweist sich der Nutzen eines solchen als so vielfach, dass die Anschaffung eines geeigneten Buches unter allen Umständen wünschenswerth erscheint. Für die Ergänzung des Lehrganges, der ja überall nur wenigere Formen vorzuführen vermag und bei dem Fremdländischen zu verweilen nur wenige Zeit hat, wie für Repetitionen und zur steten Orientirung des Schülers ist es von Wichtigkeit, wie auch gute Abbildungen, die durch dasselbe geboten werden, ihren grossen Nutzen haben. Soll das Buch nun etwa in verschiedene Stufen für die einzelnen Classen eingetheilt sein, also in mehrere Curse zerfallen? Dies ist eine Frage, die nach dem Beispiele anderer Fächer sich leicht aufdrängt und gewiss auch ihre verführerischen Seiten bat. Und gleichwohl ist eine solche Durchführung auch mit Nachtheilen verbunden, denn vor Allem wird durch sie die Freiheit des Unterrichts beschränkt, indem man bei einem solchen Buche genöthigt ist, den Stoff genau in der gegebenen Reihenfolge zu behandeln; auch werden derartige Bücher gar leicht zu umfangreich für die Schule ausfallen, wie sie überhaupt die Fülle des für die Schule ohnedem schon nöthigen Apparates noch vermehren. 4

Ein Buch für die Botanik und eines für die Zoologie dürften auch für das Gymnasium völlig genügen. Ein solches muss den Stoff, der auf den verschiedenen Stufen behandelt werden soll, in kurzer und präciser Weise geben und den Rücksichten, die für den Unterricht überhaupt als massgebend erkannt sind, Rechnung tragen. Da es für alle Schulclassen bestimmt sein soll, so genügt keineswegs ein Ueberblick über die Classen und Ordnungen der beiden Reiche, sondern auch der specielle Theil, d. h. die Naturgeschichte der wichtigsten und bekanntesten