Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den naturgeschichtlichen Unterricht am Gymnasium
Entstehung
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Arten, darf nicht vernachlässigt sein, damit auch der Sextaner schon etwas für sich in seinem Buche finde; dieses soll ihn durch alle Stufen des Unterrichts begleiten und es liefere daher den Lehrstoff in einiger Vollständigkeit, in durchaus sachlicher Darstellung und ohne Rücksichtsnahme auf irgend eine Methode, denn alsdann kann es von Jedermann gebraucht werden. Für die Hand des Schülers ist es ja bestimmt, und dieser hat nach der Lehrweise nicht zu fragen; dem Lehrer aber wird es in mancher Hinsicht hinderlich sein, wenn er durch eine methodische Behandlung an ein gewisses Verfahren gebunden sein soll. Capitel, die in der Schule weniger eingehend berücksichtigt werden können, wie Versteinerungskunde, Geographie u. s. w. mögen dem Schüler in fasslicher Weise durch sein Buch geboten werden.

Exeursionen einzelner Classen sind unter Leitung ihres Lehrers nicht nur von dem grössten Nutzen, sondern bilden eigentlich eine unentbehrliche Ergänzung des Unterrichts; dies ist schon so oft erörtert worden und bedarf auch so wenig einer weiteren Befürwortung, dass hier nur noch gesagt zu werden braucht, die Schule möge auch dem Lehrer zu solchen Aus- flügen die Möglichkeit geben, indem sie gegen das Verlangen, dass während des Sommers regelmässige Ausgänge untérnommen werden, den Lehrer in seiner übrigen Arbeit für diese Zeit in etwas erleichtere.

Dass häusliche Arbeiten für den naturgeschichtlichen Unterricht nicht gegeben werden sollen und auch nicht nöthig sind, ist oben bereits gesagt worden. Eine gründliche Behandlung des Stoffes, unterstützt durch die Anschauung, erleichtert dem Gedächtniss seine Aufgabe wesent- lich. Ausserdem helfen Repetitionen, das Gelernte zum bleibenden Eigenthum des Schülers zu machen; als solche sind empfehlenswerth am Anfange einer jeden Stunde kurze Recapitulationen des in der vorigen Lehrstunde durchgegangenen Pensums; schwächere Schüler haben dabei auf die Fragen des Lehrers präcise Antwort zu geben, ältere den Stoff selbständig im Zusammen- hang zu erklären. Der Lehrer merkt dabei, wo vielleicht Etwas unverständlich geblieben oder vergessen worden ist, und hat Gelegenheit, zu verbessern oder zu ergänzen; er lernt die Leistungen seiner Schüler kennen und diese gerecht beurtheilen, und der Schüler selbst gewinnt an Selbst- ständigkeit im freien Reden und an Correctheit im Ausdrucke, denn für Jungen, und selbst oft noch die der oberen Classen, ist es gar nichts Leichtes, einen Gegenstand klar und folgerichtig zu beschreiben. Die Aufgabe ist hier eine ganz andere und auch schwerere als z. B. die münd- liche Reproduction eines geschichtlichen Themas.

Von Zeit zu Zeit, dann nämlich, wenn ein grösserer Abschnitt beendet ist oder etwa mehrere Familien von Pflanzen oder Ordnungen von Thieren besprochen worden sind, erfolgen umfassendere Repetitionen, und ebenso leisten Extemporalia, die einigemal, wenn auch nur zweimal im Semester, vorgenommen werden und in der Beantwortung einer Anzahl von Fragen bestehen, die wichtigsten Dienste bei der Einprägung der gelernten Thatsachen. Es sind dies übrigens Dinge, die keiner weiteren Ausführung bedürfen, da sie ja bei weitem den meisten Lehrern geläufig sind.

Der Zweck der vorliegenden Zeilen war vor allem der, für die Behandlung des natur- geschichtlichen Unterrichts eine Basis zu suchen, auf welcher eine mehr gleichmässige Behand- lung dieses Lehrgegenstandes ermöglicht wird; die Ziele aufrichten zu helfen, in deren Verfolgung es ihm allein gelingen kann, in der Schule einen tüchtigen Grund für Leben und Beruf zu legen; die Ueberzeugung von seinem Bildungswerth allgemein zu machen und ihm überall auch die Stellung zu verschaffen, die ihm gebührt.