Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den naturgeschichtlichen Unterricht am Gymnasium
Entstehung
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Organe stets mindestens ein Säugethier zu zerlegen, am leichtesten etwa ein Kaninchen, um die Lage und Gestalt der inneren Theile zu zeigen; der Bau der menschlichen Eingeweide wird so jedenfalls klarer als an den besten Abbildungen, die wir übrigens keineswegs ent- behren wollen.

In vielen Fällen, in der Botanik wie bei der Naturgeschichte der niederen Thiere, muss- das Mikroskop gebraucht werden. Schade nur, dass bei der Benutzung stärkerer Vergrösserungen immer nur ein Schüler herzukommen kann und der Lehrer stets zur Hand sein muss, damit richtig gesehen wird. Es geht dabei freilich viel Zeit verloren, aber die Bewegung des Proto- plasmas in einer Pflanzenzelle z. B. muss doch einmal gesehen sein, wenn all unser Erklären nicht in den Wind geredet sein soll, und die Zeit lässt sich auch für die übrigen Schüler, die nicht gerade in das Instrument sehen, gut verwerthen, wenn man etwa die Stunde der mikro- skopischen Demonstration zugleich zur Ausarbeitung eines Extemporales als Repetition benutzt. Vortreffliche Dienste bei dem Vorzeigen trockner oder sonst gut gearbeiteter Präparate leisten übrigens die Handmikroskope bis zu 100 facher Vergrösserung, die man während der Stunde in der Classe herumgeben kann.*)

In der Botanik ist die Sache im Ganzen leichter, weil da frisches Material in genügen- der Menge für jede Stunde beschafft werden kann. Herbarien der gewöhnlichen Art leisten im Ganzen nur geringen Nutzen und dürfen nur etwa zur Ergänzung oder Repetition angewandt werden. Wie übrigens auch getrocknete Pflanzentheile mit Erfolg in vielen Fällen verwendet werden können und immer noch den Vorzug vor Abbildungen verdienen, das erlaube ich mir in Folgendem zu erläutern. Ich füge die Beschreibung einer kleinen Pflanzensammlung, wie ich sie im Laufe mebrerer Jahre zusammengebracht, hier bei, weil sie vielleicht auch in weiteren Kreisen von einigem Nutzen sein kann. Als Unterlage für die Gegenstände dient feinstes weisses Cartonpapier, von»4facher Dicke«, wie es von dem Händler bezeichnet wird; der Bogen davon wird in Viertel von 32 auf 24 cm oder in Achtel von 16 auf 24 cm, mitunter, wenn nöthig, wohl auch in wenigere grössere Stücke zerlegt. Darüber wird ein Blatt kräftiges weisses Schreib- papier von gleicher Grösse gelegt, das nur an dem einen Rande etwa l cm übersteht, hier um- gebogen und auf der Rückseite des Cartonpapiers mit dem umgebogenen Streifen festgeklebt wird, so dass es eine Schutzdecke für den aufgelegten Pflanzentheil bildet und zugleich zum Notiren der nöthigen Bemerkungen dienen kann, die nicht zur Pflanze selbst geschrieben werden. Damit diese möglichst unverdeckt und ohne alle störenden Nebendinge, wie breite Papier- streifen etc., zur Auschauung gebracht werden kann, wird sie mit Garn auf dem Cartonbogen befestigt, dessen beide Enden auf der Rückseite des Blattes gebunden werden. Den Faden, soweit er auf dem Stengel liegt, kann man grün, braun oder schwarz färben, so dass das Garn bei dem Betrachten durch die Schüler gar nicht in die Augen fällt. Blattflächen, bei welchen ein übergespannter Faden immerhin störend wäre, werden mit Gummi arabicum, dem etwas Zucker zugesetzt ist, festgeklebt, doch möglichst wenig, weil die Farben sonst leicht verbleichen.

In welcher Weise die Sammlung, die sich von grossem Nutzen für den botanischen Unterricht erwiesen, nun selbst angelegt ist, wird aus wenigen Andeutungen ersichtlich werden. Die Cartonblätter sind in verschiedene Mappen vertheilt und von diesen wollen wir als I. die mit der Aufschrift»Keimung« bezeichnen. Sie enthält von Keimlingen auf verschiedener Ent- wicklungsstufe: die Tulpe im ersten und zweiten Jahre der Entwicklung, Dattelpalme, Maiblume,

*) Dieselben sind zu 30 Mark bei J. W. Albert, Mechaniker dahier, zu haben. Gymnasium 1878. 3