Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den naturgeschichtlichen Unterricht am Gymnasium
Entstehung
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welchem der Gegenstaud angefasst und behandelt wird. Für die grossen Gesichtspunkte, die auf allen Stufen die gleichen pleiben, wollten wir in vorliegender Skizze den rechten Weg suchen helfen. Im Anschluss hieran sei es gestattet, auch noch über einige äussere und im Ganzen weniger wichtige Punkte unsere Ansichten und Erfahrungen auszusprechen.

Es braucht kaum gesagt zu werden, dass bei keinem Unterrichte mehr als bei dem naturgeschichtlichen von der Anschauung ausgegangen werden muss, ja der Naturgeschichts- unterricht kann überhaupt nur ein fruchtbringender sein, wenn er stets das Object, mit dem er zu thun hat, dem Schüler vor Augen führt; und lieber wollen wir auf einzelne Abschnitte ver- zichten, wenn wir nicht das, was wir lehren, auch vorzeigen können.

So allein vermag der naturkundliche Uuterricht bleibendes Interesse an dem Gegenstande zu erwecken. und durch dieses Mittel alleiu gewinnt er den grossen Vortheil, den er vor anderen Unterrichtszweigen voraus hat, qass er keine häuslichen Arbeiten nöthig macht, denn was auf dem Wege des bedeutendsten Sinnesorganes, des Auges, dem Geiste zugeführt worden ist, mit anderen Worten, was gesehen und mit Verstand gesehen worden ist, das macht einen bleibenden Eindruck auf das jugendliche Gemüth, der nicht so bald vergessen wird. Und sollten einzelne der gefundenen Thatsachen dem Gedächtnisse entschwinden, so ist es eine Leichtigkeit für Den, der richtig betrachten gelernt hat, sich im Augenblicke an dem Gegenstande wieder zurechtzu- finden. Und hierin liegt doch wohl zum nicht geringen Theil die pildende Kraft unserer Disciplin.

Den Naturkörpern und ihren Theilen selbst ist deshalb stets der Vorzug vor allen noch so guten Zeichnungen, Modellen und Apparaten zu geben, die alle gar zu leicht irrige Vor- stellungen erwecken, weil sie ebeu nur mangelhafte Nachahmungen der Natur sind und sein können. Wie wollen wir z. B. den Bau des menschlichen Auges an einem der gebräuchlichen grossen Modelle dieses Sinnesorganes in Wahrheit verständlich machen? Wie soll sich der Schüler den Strahlenkörper durch den faltigen Ring zerschnittener Schweinsblase, die Natur des Glaskörpers durch den mit Strichen bemalten Glasklumpen richtig vorstellen? Wenn wir auch keineswegs den Gebrauch solcher Modelle gänzlich verwerfen, sie im Gegentheile selbst auch benutzen, und wenn sie bei Repetitionen und bei Demonstrationen in der Physik ganz gute Dienste zu leisten vermögen, die Anschauung des natürlichen Auges machen sie darum keineswegs entbehrlich; und haben wir nach einer einfachen Construction des Sehapparates mit wenigen Strichen an der Wandtafel ein frisches Ochsenauge vor den Augen der Schüler zerlegt, zeine Theile einen nach dem andern zur Anschauung gebracht und deren Eigenschaften genau kennen gelehrt, so dürfen wir sicher sein, die Sache ist verstanden und wird auch behalten. Und zudem, welcher Junge wird nicht von der Schönbeit des Baues eines Auges überrascht und hin- gerissen sein? Kann aber selbst das schönste Modell diesen Eindruck in irgend einer Weise ersetzen? Darum schon halte sich der Unterricht hauptsächlich an die natürlichen Gegenstände, die dem Auge der Schüler geboten werden können, und deren gibt es ja so unendlich viele, dass man kaum jemals in Verlegenheit zu kommen braucht. Dasjenige, was der Schule weniger zu Gebote steht, wie z. B. der Bau des inneren Ohres, kann dann rascher an guten Abbildungen and hier wohl auch an Modellen durchgenommen werden. Wieder aus diesem Grunde halten wir die Betrachtung des Skelettes und seiner losen Theile für so wichtig als Gegenstand des Unterrichts. Aber aach der Weichkörper der Thiere, die innere Anatomie, muss so oft als mög- lich zur Anschauung gebracht werden, und auch das ist nicht schwer. Wie gerne bringen die Schüler selbst die Objecte, frisch geschossene Vögel, einen Fisch, oder was sonst verlangt wird, herbei zur gemeinsamen Untersuchung. So ist bei der Betrachtung der inneren menschlichen