Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den naturgeschichtlichen Unterricht am Gymnasium
Entstehung
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Dass wir Botanik auf den Sommer und Zoologie vorzugsweise auf den Winter verlegen CInsectenkunde kann auf allen Stufen des botanischen Unterrichts nach Gelegenheit eingelegt werden), beruht auf praktischen Gründen, die bei weitem an den meisten Austalten anerkannt sind.

In der Botanik kommen auf Sexta Betrachtungen einzelner Gewächse, wie sie oben für die Tulpe angedeutet sind, und es wird dabei keine systematische Ordnung eingehalten; vielmehr werden die zu behandelnden Gewächse nach der Einfachheit ihres Baues, sowie haupt- sächlich auch nach ihrer Bedeutung für den Menschen ausgewählt, so dass die wichtigsten Culturpflanzen(Nutz- und Zierpflanzen, Giftgewächse) den Vorzug erhalten.

Mit Quinta hat das Arbeiten nach einem bestimmten System einzutreten, und bei der Frage nach einem solchen kann die Wahl für einen Unterricht, der eine wissenschaftliche Grund- lage haben soll, nur auf das natürliche fallen, bei welchem die Pflanzen nach der Gesammtheit ihrer Hauptmerkmale in Pamilien zusammengestellt werden. Das Linné'sche System soll freilich auch in der Schule gelehrt werden, aber eben nur nach keiuer anderen Bedeutung als der, die ihm in der Wissenschaft zukommt, als bequemer Schlüssel zum Bestimmen der Pflanzen. Ein anderer Werth ist ihm nicht beizulegen, und eine Einseitigkeit muss es genannt werden, wenn man einen Schulplan daraufhin einrichtet.

Die Pflanzenfamilien sind in der Weise in Angriff zu nehmen, dass zuerst einige Glieder derselben nach allen Richtungen(s. oben) auf das Genaueste betrachtet werden, und wenn auch nur eine Pflanze in einer Stunde vorgenommen werden kann. Sind in ähnlicher, wenn auch kürzerer, Weise drei oder vier Pflanzen besprochen, dann werden dieselben ihrem Bau nach verglichen und die gemeinsamen Kennzeichen zusammengestellt. Alsdann wird die Familie als solche charakterisirt. es werden die wichtigsten der ihr angehörigen Gewächse, soweit als nöthig, angeführt, die Ver- theilung derselben über die Länder der Erde erwühnt, und schliesslich kann gemeinsam gelesen werden, was in dem eingeführten Schulbuche darüber gesagt ist. Um auch dieses wieder an einem Beispiele klar zu machen, wählen wir die Familie der Seerosen, Nymphaeaceae, für Quarta oder Untertertia. Zunächst wird unsere Numphaea alba eingehend betrachtet:; der Blattstiel wird dabei zerschnitten und jedem Schüler ein Stückchen gereicht, damit er die Stellung der Luftcanäle und qas Vorkommen haarähnlicher Bildungen in denselben sieht; ein etwas welkes, aber unversehrtes Blatt wird vom Stiele aus aufgeblasen, damit die Verzweigung und Bedeutung der Luftcanäle erkannt wird; der Vergleich der Blattkreise der Blüthe unter einander zeigt deren innige Verwandt- schaft und den Grund, weshalb wir die stamina alsStaubblätter« bezeichnen; der die Samen umhüllende Brei führt auf die Ausbreitung der Pflanze durch die Wasserhühner, und gewiss findet durch die Betrachtung aller der hierher gehörigen Verhältnisse auch das ästhetische Gefühl auf die natürlichste Weise seine Rechnung.

Ist dann Nuphar luteum in äahnlicher Weise besprochen, dann ergibt sich ohne Schwierig- keit die Charakterisirung der Familie, und an diese schliesst sich noch ein Blick auf die geo- graphische Verbreitung derselben sowie auf ihre bedeutendsten Glieder, den ägyptischen Lotus und die südamerikanische Victoria regia.

Die Familien der Phanerogamen vertheilen sich auf die Classen Quinta pis Untertertia, die der Kryptogamen auf Obertertia, zum Theil auch schon auf Untertertia. Es sind, da alle pamilien nicht vorgeführt werden können und die Kenntniss aller auch gar nicht nöthig ist, natürlich nur die für uns wichtigsten auszuwählen und die leichter zu verstehenden auf die unteren Classen zu vertheilen. Ausser diesem planmässigen Gange aber werden stets auch wichtige oder interessante Pflanzen, die nach dieser Vertheilung der Familien nicht in der