Aufsatz 
Einige Bemerkungen über den naturgeschichtlichen Unterricht am Gymnasium
Entstehung
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auch für den Sextaner, wenn nur der Lehrer selbst tüchtig den Gegenstand mit ihm durcharbeitet.

In der Zoologie beginnen wir(Sexta) mit der Betrachtung eines Säugethierskelettes, etwa mit dem eines Hundes, eines Thieres, das wir ausgestopft oder in grosser Zeichnung oder auch aus der Anschauung ausserhalb der Schule leicht in seiner äusseren Gestalt vergleichen können. Ohne auf dieser Stufe die einzelnen Schädelknochen zu benennen, wird der Schädel nach seinen Haupttheilen beschrieben, dem Zahnbau besondere Aufmerksamkeit gewidmet und die Zahnformel(wie auch stets später) an der Tafel und in das Heft der Schüler niedergeschrieben. Die Skelettheile werden unterschieden, Arm und Bein mit den gleichnamigen Theilen des mensch- lichen Körpers verglichen, so dass der Schüler gleich sagen kann, wo bei dem Thiere das Hand- gelenk oder das Knie etc. zu suchen sind. Dann lernen wir unser Thier nach seiner äusseren Form, den einzelnen Organen und deren Thätigkeit kennen. Welche Sinne des Hundes sind die schärfsten und worin zeigt sich dies; in welchen Fällen lässt er seine Zunge sehen uud wie ist diese gestaltet; wie bewegt er die Ohren; wie geht, wie läuft er; was drückt er durch die ver- schiedenen Bewegungen seines Schwanzes aus? Seine Nahrung, Stimme, seine Gewohnheiten, Charaktereigenthümlichkeiten, aber auch seine Vielseitigkeit im Dienste des Menschen sowie die Rolle, die er bei verschiedenen Völkern spielt, kommen dann weiterhin zur Sprache. Die inneren Organe entziehen sich auf dieser Stufe noch der Untersuchung, aber schon in der Quinta nehmen wir das anatomische Besteck zur Haud und zerlegen einige Vögel, die gelegent- lich von den Schülern mitgebracht werden, um die inneren Organe nach Namen, Lagerung und Bedeutung vorzuführen.

Sollte an den beiden angeführten Beispielen gezeigt werden, wie naturgeschichtliche Gegenstände auf der untersten Stufe behandelt werden können, so ist nun zunächst die Frage zu peantworten, wie vertheilt sich der Lehrstoff der Botanik und der Zoologie auf die verschiedenen Stufen und wie ist er in den einzelnen Classen zu verarbeiten. Indem wir es zunächst versuchen, auf die erste der beiden Fragen zu antworten, wird gerne zugestanden, dass die Vertheilung der Pensa nach den verschiedenliegenden Verhältnissen der einzelnen Gymnasien nicht für alle Fälle dieselbe sein kann und dass es sich auch gar nicht empfehlen möchte, dass ein starres Schema für alle Anstalten aufgestellt werde. Es ist selbstverständlich vor allem an dem Grundsatze festzuhalten, dass stets nur von dem Leichteren zum Schwereren fortgeschritten werde. Ob man in mehr systematischer Reihe von einer Familie oder Classe zur nächstverwandten weiterschreite, oder ob man nach den von mancher Seite beliebten»concentrisch sich erweiternden Kreisen« arbeite, das wird ganz von der Befähigung und Neigung des betreffenden Lehrers abhängen. Wir persönlich neigen uns dem ersteren Gange zu, weil der Stoff auf diese Weise folgerichtiger, intensiver und ohne unnöthige Wiederholungen zum Verständniss gebracht werden kann, und halten ihn auch für viele Anstalten zweckmässiger, weil das Wiederanknüpfen an das früher Gegebene und die Weiterausdehnung eine sehr detaillirte Vertheilung des Stoffes auf die einzelnen Classen verlangt, wenn keine Zeit verloren gehen soll, und die Schwierigkeiten noch grössere werden, wenn der Unterricht in einer Schule in den Händen mehrerer Lehrer liegt. Uebrigens scheint uns auch die Vertheilung der sich erweiternden Kreise nach Species, Gattung, Ordnung u. s. w. keinen rechten Sinn zu haben, weil das Erkennen dieser, zudem in ihren Grenzen schwankenden Abtheilungen unseres Systems dem Schüler auch nicht die geringste Schwierigkeit macht. Diese Eintheilung ist für die Schule jedenfalls eine künstliche.