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schaffen. Erfahrene Fach- und Schulmänner, wie Kirschbaum,*) verlangen 5 Jahre lange ununterbrochene Fortdauer des naturgeschichtlichen Unterrichts; wir selbst müssen uns ebenfalls dieser Ansicht anschliessen und sprechen darum den Wunsch aus, dass auch der Quarta wöchent- lich 2 Stunden für die Naturkunde zugewiesen werden möchten.
Es ist leicht einzusehen, wie die Unterbrechung eines begonnenen ÜUnterrichts auf ein ganzes Jahr von grossem Nachtheile ist und wie andererseits die Reichhaltigkeit des zu bearbei- tenden Stoffes einen zusammenhängenden fünfjährigen Curs erheischt. Eher wären wir geneigt, auf den Beginn des naturgeschichtlichen Unterrichts in Sexta zu verzichten, wenn wir nur damit einen von Quinta bis Obertertia ununterbrochen fortlaufenden Unterricht erreichen könnten, aber freilich ist das Erforderniss des Ausfallens für Sexta weniger dringend, da diese Classe viel weniger über Ueberbürdung mit Stunden zu klagen hat.
Zwar müssen wir speciell für unsere Schule die grosse Bereitwilligkeit anerkennen, mit welcher der Quarta von dem Directorium in gerechter Würdigung der Wichtigkeit des Gegen- standes eine Stunde facultativen Unterrichts in der Naturkunde eingeräumt worden ist, aber es ist dies eben nur eine Stunde auf die Woche, in der von raschem Vorankommen kaum die Rede sein kann; alsdann ist sie eben in den Augen der Schüler immer nur eine freiwillige, in dem Besuche von ihrem erklärten Willen abhängig, und wenn auch in diesem Jahre in unseren beiden Quarten alle Schüler ohne Ausnahme sich an dem Unterrichte betheiligten(in dem Sommer- halbjahre hatte sich nur 1 Schüler ausgeschlossen, der im Herbste austrat) und alle Schüler das regste Interesse für den Gegenstand bekunden, so kann eben in einem anderen Jahre leicht der Fall eintreten, dass nur eine geringere Anzahl von Schülern sich dazu meldet.
Wiederholt ist darauf hingewiesen worden, dass es noch an Lehrern fehle, die zur rich- tigen Ertheilung des naturgeschichtlichen Unterrichts geeignet seien, und dass man meistens den Lehrern der Mathematik zumuthe, sich in den Gegenstand hineinzuarbeiten, Lehrern,»von denen es doch unbillig wäre, zu verlangen und zu erwarten, dass sie mit gleicher Neigung, mit gleicher Geschicklichkeit und demnach mit gleichem Erfolg auf so verschiedenartigen und zugleich aus- gedehnten und sich von Tag zu Tag so mächtig erweiternden Gebieten die Schüler zu unter- richten und für sich selbst weiter zu arbeiten im Stande sein sollten.«**) Wenn wir unsere Meinung über diesen Gegeustand aussprechen dürfen, so möchten wir glauben, dass gerade dieses Zusammenfassen der Naturgeschichte mit der Mathematik die erstere vielfach in ihrer Entwicklung und ebenso in ihrer Stellung in der Schule zurückgehalten habe, denn was ist natürlicher, als dass der Mathematiker, dem ja kaum Zeit genug geblieben ist, den inneren Bau und vor allem das Leben der Pflanzen und Thiere, sowie ihre Beziehungen zu einander und zu dem Menschen eingehend zu studiren, bei der Uebernahme des ihm wohl weniger angenehmen oder auch geradezu unangenehmen Lehrgegenstandes vorzugsweise die Systematik und die Beschreibung und Vergleichung der äusseren Form berücksichtige.***)
Andererseits mag es auch wohl sein, dass gerade die Lehrer der Naturkunde sich weniger gern dem Gymnasium zuwenden, wo ihrer Meinung nach ihrem Fache durch den Ausfall einer wichtigen Classe noch nicht die nöthige Ausdehnung gegeben ist und dieses seither überhaupt
*) Schmid's Encyclopädie. Band V. Artikel Naturgeschichte. **) Verhandl. der ersten Versammlung der Directoren etc. der Provinz Sachsen. 1874.
*rr) Es ist hier natürlich nur von einer grösseren Zahl der Fälle die Rede; es gibt ja auch Lehrer der Mathematik, die den naturkundlichen Unterricht mit grosser Liebe und vielem Erfolg ertheilen.


