Aufsatz 
Das Thal von Orotava auf Teneriffa
Entstehung
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mitteln der Kanarienſer eine große Rolle. Er wird wie die übrigen Getreidearten und wie auf einigen Inſeln ſelbſt die Wurzelſtöcke des Adlerfarns(Pteris aquilina) zur Bereitung des Brotes, noch mehr aber des Gofio, benützt, der ſchon bei den Guanchen, den früheren Bewohnern Teneriffa's, die Stelle des Brotes vertrat und leichter zubereitet wird als letzteres. Das zur Verfügung ſtehende Getreide oder die Farnkrautwurzel werden geröſtet und auf der Handmühle, die auf dem Lande in jeder Wohnung ſich findet und aus zwei in einander ſich drehenden Steinen beſteht, deren oberer durch eine von der Decke herabgehende Stange in Bewegung geſetzt wird, gemahlen. Mit etwas Salz vermengt wird das geröſtete Mehl trocken oder mit Waſſer, an Feiertagen auch wohl mit Milch oder Honig angefeuchtet als Brod genoſſen. Leute, die über Land zu gehen haben, Männer wie Frauen, nehmen Gofio mit auf den Weg; im kleinen Schlauch oder in der Taſche aus Ziegenhaut wird das Mehl befeuchtet, unterwegs wohl zum Zeitvertreib mit der Taſche durchknetet und von Zeit zu Zeit in kleinen Ballen in den Mund geſchoben..

Außer Kartoffeln werden auch die Bataten(Convolvulus Batatas) viel gepflanzt, meiſtens in Reihen zwiſchen dem Mais, mit dem ſie die Berieſelung erhalten. Die langen Stengel kriechen am Boden hin und liefern in den Blättern gutes Futter für Ziegen und Kühe, die zarten bläulichen Trichterblüthen ſind von ſchneller Vergänglichkeit, wie es bei den meiſten Windengewächſen, zu denen die Batate gehört, der Fall iſt. Die dicken rübenförmigen Wurzeln ſind neben Kartoffeln und Erbſen ein täglicher Beſtandtheil des Putchero, wegen ihres ſüßlichen Geſchmackes aber in der Regel von dem Nordländer nicht geliebt.

Auch aus der Familie der Nachtſchatten⸗ und Gurkengewächſe bieten die Pflanzungen der Cactusregion Mancherlei. Von erſteren iſt neben der Kartoffel der Paradiesapfel,(Liebesapfel, Lycopersicum esculentum) am meiſten gebaut. Die reifen, auch bei uns bekannten Früchte, Tomates, werden wie in allen ſüdlichen Ländern auf verſchiedene Weiſe genoſſen, vorzugsweiſe aber zur Tomaten⸗ ſauce an Braten und Geflügel faſt täglich gebraucht. Auch der ſpaniſche Pfeffer,(Capsicum annuum) und die Eierpflanze(Solanum Melongena) werden der Früchte wegen gebaut.

Außer den Kürbiſſen verſchiedener Art zieren auch die warzigen Früchte des Sechium edule, einer weit über die Lauben und Wände hinrankenden Cucurbitacee mit weißen Blüthen, den Putchero, während die Waſſermelonen, die man ebenfalls häufig anpflanzt, nur friſch genoſſen werden.

Doch wir haben noch einen Blick in die herrlichen Gärten zu thun, die zwiſchen den Häuſern der Städte und bei den Landgütern der Reicheren die Aufmerkſamkeit in hohem Grade anziehen. Wir beſuchen zuerſt denbotaniſchen Garten. Auf der Mitte des Weges zwiſchen dem Puerto und der Villa de la Orotava gründete ihn 1794 ein Edelmann in der lobenswerthen Abſicht, nützliche Pflanzen einzuführen und auf den Kanaren zu verbreiten. Den wohleingerichteten Garten übergab er der Regierung, die ihn aber vernachläſſigte und verkommen ließ, bis ein Schweizer, Herr Wild⸗ prett, die Leitung übernahm und in kurzer Zeit ſchöne Reſultate erreichte, wie die 3000 Pflanzen⸗ arten beweiſen, die der Garten jetzt aufzuweiſen hat. Das 4 Hectaren große Gelände iſt in drei Abtheilungen getheilt und reichlich mit Waſſer verſehen. Viele Schätze der Tropenwelt ſahen wir hier üppig neben den Kindern unſerer Gegenden gedeihen, die Bäume zu prachtvollen Gruppen vereint. Palmen, meiſtens erſt in ſpäterer Zeit eingeführt und darum noch jung, breiten ihre rieſigen Blätter zwiſchen den dunklen Cypreſſen, die den Hauptgang beſetzen, aus und tragen theilweiſe ſchon Blüthen und Früchte; von Dracänen und Cordylinen hat der Garten allein 20 Arten und Varietäten auf⸗