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Aber leider hat menſchliche Gewinnſucht, praktiſcher Sinn der Landleute, die nach Schönheit nicht fragen, einen großen Theil der prächtigen Bäume auffallend verſtümmelt. Vielen fehlt die Blätterkrone ganz bis auf eins oder zwei ſenkrecht emporſtehende Blätter, die ſich neu entwickelnd ihre Fiederblättchen noch nicht entfaltet haben. Anderen Stämmen wieder iſt die innere Krone zuſammen⸗ gebunden, wie man bei uns die Blätter des Winterſalats behandelt, und ſolche verſtümmelte Palmen machen wirklich einen traurigen Eindruck. Man pflanzt die Dattelpalme hier nämlich weniger wegen der Frucht, die bei der einheimiſchen Varietät wenig Fleiſch um den ſtarken Kern hat und für den Menſchen ungenießbar iſt— nur die Schweine werden damit gefüttert— als gerade wegen der Blätter. Bei kirchlichen Feſten, die alle mit feierlichen Umzügen begangen werden, ſowohl wie bei feſtlichen Tagen in den Familien iſt es Sitte, Palmenblätter zum Schmucke anzuwenden und an vielen Häuſern läßt man(auch in Spanien) dieſe Verzierung noch Monate lang an den Balkonen. Aus den zähen Fiederblättchen bereitet man allerlei Flechtwerk, hauptſächlich aber Beſen, indem man die Blättchen einmal zuſammenlegt, bindet und einen der harten Blattſtiele von der Palme als Hand⸗ habe hineinſteckt. Das Zuſammenbinden junger Triebe geſchieht, um den inneren Blättern wie bei unſerem Salate eine weiße Farbe und größere Zärte zu erhalten, damit ſie zu feinerem Flechtwerke, ſelbſt zu Hüten, verarbeitet werden können. Auch einen ſüßen Trank bereitet man aus dem aus⸗ fließenden Safte des Stammes. Um ältere Bäume bequem beſteigen zu können, werden ſtufenweiſe Querhölzer hineingeſchlagen, die bei dem Herausfallen große Löcher in dem Baum zurücklaſſen.
Auffallen muß es aber immerhin, daß man Varietäten des Baumes mit eßbaren Früchten, die an einigen Orten gezogen werden und recht wohl reifen, nicht mehr pflanzt. Freilich aber würde das Abnehmen der Blätter die Entwicklung der Frucht wieder beeinträchtigen, wie die gerupften. Bäume in der That nur höchſt ſelten Früchte zeigen.
Die Banane wurde von den ſpaniſchen Eroberern nach den Kanaren gebracht, als man von der Küſte Guinea's Sklaven holte, um die vielen Zuckerpflanzungen und Mühlen zu verſorgen. „Mit ihnen kam von dort die unſchätzbare Muſa.“*) Die erſte nähere Bekanntſchaft mit der Pflanze und ihrer Frucht machten wir, als wir in die Fonda(das Gaſthaus) in Las Palmas auf Gran Canaria eintraten. In der Bauart der Häuſer hat man auch hier wie in Andaluſien die arabiſche Sitte beibehalten, die Zimmer im Viereck um einen in der Mitte des Hauſes liegenden unbedeckten Hofraum, den„Patio“ zu legen. Wenn auf den Kanaren auch meiſtens der Springbrunnen fehlt, der in Sevilla ſo ſchön die Mitte des Patio ziert, ſo haben Wohlhabendere doch auf ſeine Bepflanzung einige Sorgfalt verwandt und neben Zierpflanzen verbreiten hier Orangenbäume ihren ſtarken Duft und tragen unter dunklem Laube die goldnen Aepfel. Als wir in den Patio der erwähnten Fonda eintraten, ſtanden wir vor einem kleinen Bananenwalde. Die armsdicken, ſaftigen Stengel trugen die herrlichen, 10 Fuß langen Blätter an großen Stielen bis zu 20 Fuß empor, ſo daß ſelbſt der bedeckte Corridor, der im oberen Stocke rings zu den Zimmern führt, von ihnen beſchattet war. Die Säulen, die die Gallerie trugen, waren von Schlinggewächſen bis an das Dach umwunden. Am Boden zwiſchen den alten Pflanzen waren große und kleine Schößlinge hervorgetrieben, die den unteren Raum zwiſchen den Mutterpflanzen mit ihren reichen Blättern erfüllten. Man läßt dieſe
*) L. v. Buch, S. 124.— Man zieht hauptſächlich drei Arten auf den Kanaren, Musa paradisiaca, M. sapientum und M. Cavendishi, letztere am wenigſten.


