Aufsatz 
Das Thal von Orotava auf Teneriffa
Entstehung
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Weit zerſtreut liegen die niedrigen, aber ſauberen

deren Dächer vom Kirchthurme überragt werden. Von der Hochebene, die von grünenden Barrancos,

Häuſer, umgeben von Gärten und Ländereien. von kahlen Felsrippen zwiſchen fruchtbarem Ackerlande durchzogen iſt, fällt der Blick hinaus auf die

ſchöne Küſte, auf das reiche Thal von Taoro und auf das weite weite Meer, und andererſeits wieder auf die nahe Cumbre, deren Fuß ſich in zahlreiche kleine Bergrücken auflöst und die bis zum Kamme hinauf mit üppigem Grün der Lorbeerwälder bedeckt iſt. Zwiſchen den Häuſern, in Gruppen um ſie herum, an den Hängen der Barrancos wie dicht an der Landſtraße ſtehen Hunderte der ſchlanken

Stämme mit der zierlichen Krone, nirgends dicht zu einem Walde vereinigt, ſondern einzeln und zu mehreren weithin über die lachende Flur zerſtreut,

über der der heiterſte Himmel ſich wölbt. Wenn es auch wohl nur eine Sage iſt, die erzählt, daß Humboldt bei ſeinem erſten Beſuche des Thales von Orotava im Anblicke der paradieſiſchen Land⸗ ſchaft hier vom Pferde geſtiegen ſein und Gott ge⸗ dankt haben ſoll, daß er ihn dieſe Gegend habe be⸗ treten laſſen, ſo leiht ſie doch dem Eindrucke Worte, von dem jeder Beſucher Teneriffa's hier ergriffen werden muß, deſſen Mächtigkeit auch wir fühlten. Wie Säulen ragen die ſchlanken Stämme empor; X die abgefallenen Blätter laſſen einen Reſt ihres Stieles an dem Stamme ſtehen, wodurch dieſer ein rauhes ſchuppiges Ausſehen erhält. Die Reſte der letztabgeworfenen Blätter unter der lichten Krone, die ihre gefiederten Wedel nach allen Seiten herab⸗ hängt, ſind länger und geben dem Stamme das Ausſehen, als ob er oben angeſchwollen ſei. Reiche Trauben orangefarbener Früchte hängen am Grunde der Krone herab, neuentwickelte Blüthenrispen ſchmücken wieder andere Bäume. Eigenthümlich iſt das Aus⸗ ſehen junger Bäume, die in der Größe ihrer Krone ſowie der Dicke ihres Stammes mit den älteſten Bäumen übereinſtimmen, ſo daß ſie wie in den Boden verſunkene Stämme erſcheinen. Ihr Wachs⸗ thum erfolgt eben in der Weiſe, daß die unteren Blätter abfallen und in gleichem Maße in der Spitze des Baumes ſich neue entfalten.

*) Von den der Abhandlung beigedruckten Abbildungen ſind ſechs ausWimmer, Pflanzenreich nach dem natürlichen Syſtem, dem in unſerer Schule eingeführten Lehrbuche, oder demAtlas des Pflanzenreichs entnommen und von der Verlagshandlung von Ferd. Hirt in Breslau uns freundlichſt zu dieſem Zwecke überlaſſen. Die Holz⸗ ſchnitteBambusrohr undAgave ſind ausBaumann's Naturgeſchichte für das Volk, 3. Auflage, aus dem

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Dattelpalme.*)

Verlage von J. D. Sauerländer hier. 1 u. 2 eine männl., 3 eine weibl. Blüthe. 4 ein Fruchtſtand mit dem Deckblatte a. 5 die drei verbundenen Früchte