Aufsatz 
Das Thal von Orotava auf Teneriffa
Entstehung
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18e

jungen Triebe ruhig ſtehen, denn wenn nach der Reife der Frucht der alte Stamm, der überhaupt nur einmal Ertrag lisfert, abſtirbt, dann kommen ſie dem Alter nach an die Reihe zum Blühen, was erſt in ihrem dritten oder vierten Lebensjahre geſchieht. Mitten aus dem Gipfel der Pflanze entſpringt der Blüthenſtiel, der ſich unter der Laſt der Blüthen und Früchte beugt und oft den Boden mit ſeiner Spitze be⸗ rührt. Dicht iſt er beſetzt mit großen violettrothen Deck⸗ blättern, die ihn allein ſchmücken, da die hinter ihnen ver⸗ borgenen Blüthen klein und unſcheinbar ſind. Während die unterſten ſich abbiegen und bei Entwickelung ihrer Früchte abfallen, wächſt der Blüthenträger an ſeiner Spitze weiter und läßt ſchließlich am Ende einen Bündel von Deckblättern, deren Blüthen ſich nicht entwickeln, geſchloſſen zuſammen ſtehen. Ueber ein halbes Jahr dauert es, bis von dem erſten Er⸗ ſcheinen des Blüthenſtandes an die erſten Früchte reifen; aber da die Pflanzen dicht zuſammen ſtehen, immer neue Triebe hervorbringen und ſich mit dem Blühen an keine be⸗ ſtimmte Jahreszeit binden, ſo kann man ihre Früchte das ganze Jahr hindurch haben. Die Banane iſt durch ihren reichen Ertrag, die Köſtlichkeit ihrer Frucht und die Schönheit ihrer Erſcheinung eines der herrlichſten Erzeugniſſe der Tropen, der Pflanzenwelt überhaupt.

Die Früchte ſind gurkenförmig, etwas gekrümmt und ſtehen in ſpiraligen Reihen zurückgebogen an dem herabhängenden Stiele. Sie erreichen auch die Länge einer mittelgroßen Gurke, ſind aber etwas dünner und haben zuſammen an ihrem gemeinſamen Stiele das Gewicht von 40 Pfund und noch mehr. Und wie köſtlich iſt die Frucht. Als wir an dem Tiſche in der Fonda denPutchero kennen gelernt hatten, die Schüſſel verſchiedener, in bloßem Salzwaſſer abgekochter Gemüſe, Kartoffeln, Bataten, Kürbiſſe und anderes nebeneinander, als wir nach anderem Eigenthümlichen auch Kalmar, Tintenfiſch, in ſchwarzer Brühe verſucht hatten, kamen zum Nachtiſche neben ſaftigen Birnen, friſchen Feigen und prächtigen Trauben auch die gelblichen, dreikantigen Bananen. Obſt kann man ſie eigent⸗ lich nicht nennen, da ſie keine Säure beſitzen, man könnte ſie vielmehr für ein Mittelding zwiſchen Obſt, Konfitüre und feinem Kuchen anſehen. Schält man die dicke weiche Schale, die ſich leicht ablöſt, ab, dann hat man ein zartes, gelblichweißes Fleiſch vor ſich, das von der Zunge ſich zer⸗ drücken läßt und eine Miſchung von Mehl, Butter, Honig und einem feinen Arom zu ſein ſcheint. Dabei iſt die Frucht ſo leicht verdaulich, daß ſie ſelbſt Kranken zuſagt, ſie ſättigt und erquickt. Eine weitere Eigenthümlichkeit iſt die, daß ſie keine Kerne enthält. Die Samenknospen waren zwar in großer Zahl in den Fruchtknoten vorhanden, keine von ihnen aber gelangt zur Ausbildung. Die Banane darf eine der dankbarſten Pflanzen, eine Wohlthat der Tropen genannt werden; ohne daß ſie irgend etwas verlangte als Sonne und einiges Waſſer, reicht ſie Jahr aus Jahr ein ihre Gaben dar und erfreut zugleich durch ihre ſchöne Form. So ergötzten wir uns täglich in unſerer Fonda im Puerto de la Orotava an ihrem Anblicke. Von dem Speiſezimmer aus ſah man in das Blätter⸗ werk eines Bananengebüſches, das ein Gärtchen nahe dem Hauſe erfüllte. Im Winde wogten die

Banane.