Aufsatz 
Das Thal von Orotava auf Teneriffa
Entstehung
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In Säcken verpackt kommt die Waare jetzt in den Handel, der zum größten Theil in den Händen der Ausländer, beſonders der Engländer, iſt. Durch die Zunahme der Cochenilleausfuhr hat ſich auch der Verkehr des Städtchens Puerto in der letzten Zeit wieder etwas gehoben.

Während der Ernte geht man an den günſtigen Orten der Inſel nun auch gleich zum Aus⸗ ſetzen der zur Ueberwinterung beſtimmten Thiere. Nicht an allen Orten läßt ſich dies fertig bringen, da ſtarke Winde, zumal aber Regen, die Thiere fortführen oder tödten. Am günſtigſten zur Ueber⸗ winterung erweiſt ſich die Südſeite der Inſel, zumal die Umgegend der Hauptſtadt Santa Cruz, die durch hohe Bergwände gegen den Zug geſchützt und der Sonne ſehr ausgeſetzt iſt. Im Thale von Orotava gelingt die Ueberwinterung nicht jedes Jahr glücklich, und man iſt öfters genöthigt, im Frühjahre neue Madres von Sta. Cruz zu holen, von wo überhaupt gegen gute Preiſe die überwin⸗ terten Thiere nach allen Richtungen hin verſandt werden. Der Transport der Madres geſchieht in den tableros, Holzrähmchen, die auf beiden Seiten mit Tuch überſpannt werden.

Nach Minutolis) liefert ein Morgen guten, bewäſſerten und mit geſunden Nopalpflanzen beſetzten Bodens jährlich 500 Pfund getrocknete Cochenille, während auf magerem Boden der Ertrag eines Morgens zwiſchen 50 und 300 Pfund wechſelt. Nehmen wir alſo den vorjährigen geringen Preis der weißen Sorteplateada zu 10 Realen, ſo berechnet ſich die Einnahme von einem Morgen guten Landes auf 5000 Realen= 1250 Peſeten oder Francs. Zu einem Pfund getrockneter Coche⸗ nille ſind 3 Pfund friſcher Thiere erforderlich. Die fertige, auf dem flachen Lande auch wohl nur in der Sonne getrocknete Waare wird von den Landleuten den Kaufleuten in den Städten, beſonders den Engländern, zugebracht, die faſt an jedem bedeutenderen Orte größere Handelsgeſchäfte errichtet haben. Da die Verkäufer der Cochenille gerne feinen vulkaniſchen Sand beimengen, läßt der Käufer dieſelbe vor dem Wiegen ſorgfältig ſieben.

Ueber die Menge der auf den ſieben kanariſchen Inſeln gebauten Cochenille ſtehen mir für den Augenblick nur ältere Angaben zur Verfügung; weitere Notizen aus den letzten Jahren, die mir von verläſſiger Hand zugeſagt ſind, werde ich an anderem Orte veröffentlichen. Die Ausfuhr betrug nach amtlichen Angaben im Jahre 1831, wo der Anbau der Cochenille begann, 7 ½ Pfund. 1856 dagegen war ſie bereits bis auf 1,322,160 Pfund geſtiegen, 1859 wurden 1,119,530 Pfund und 1860 1,087,654 Pfund ausgeführt. Von dem Puerto allein wurden verſandt 1857 7911 Pfund, 1860 dagegen 22,214 Pfund.**)

Wir haben den Haupterwerbszweig der Kanaren kennen gelernt; der größte Theil des Bodens in der unteren Region iſt von der Kultur der Cochenille in Anſpruch genommen, und recht gut wird dieſe Region, die bis zur Hochebene von Laguna 520 Meter aufſteigt, durch die Opuntie charak⸗ teriſirt. Sie umfaßt den wärmſten Landſtrich der Inſeln, in dem die ſubtropiſchen und ſelbſt viele tropiſche Gewächſe gedeihen.

Dem Weinbau wendet man nicht mehr die Sorgfalt zu wie früher. Die wenigen Wein⸗ berge, an denen man noch vorüber kommt, verrathen wenige Sorgfalt in der Behandlung der Pflanzen, das glückliche Klima lohnt auch die geringſte Mühe, die man den Kulturgewächſen zuwendet. Nachdem man im Dezember die Stöcke behackt und im Februar die Erde um ſie ein wenig umgegraben hat,

*) Dr. J. v. Minutoli, die kanariſchen Inſeln, ihre Vergangenheit und Zukunft. Berlin 1854. **½ν) Diccionario de las islas canarias. 1865.