Aufsatz 
Das Thal von Orotava auf Teneriffa
Entstehung
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dem es ſich feſtſaugt, um für die Zeit ſeines Lebens da ſitzen zu bleiben. Man hat verſchiedene Methoden, um die Jungen auf die Glieder der Opuntie zu übertragen. Man bringt die reifenMa- dres(Mutterthiere) auf handbreite Streifen von Leinen oder Baumwollenzeug, und wenn die Jungen darauf abgeſetzt ſind, werden die Streifen um die jüngſten Zweige des Cactus gewunden, wie man etwa eine Hand verbindet, und mit Cactusſtacheln an dem Stengel feſtgeſteckt. So ſind die Jungen gegen Wind und Regen geſchützt und werden ziemlich gleichmäßig auf die beiden Seiten der Pflanze ver⸗ theilt. Bequemer und jetzt mehr angewandt iſt die Manier, die Madres in lange Säckchen von weichem Futtermoll einzuſchließen, die man wie die früheren geſtrickten Geldbeutel an beiden Enden füllt. Das Säckchen wird mit einem Stachel auf der Kante des Zweiges befeſtigt, hängt an beiden Seiten desſelben herab und gibt ſo den auskriechenden Thieren Gelegenheit ſich auf der Pflanze aus⸗ zubreiten. Abgeſehen davon, daß bei ſchlechtem Wetter mehr von der jungen Brut verloren gehen mag, hat man bei dieſer Art des Ausſetzens auch öfters den Nachtheil, daß die Jungen ſich zu nahe zuſammen ſetzen, was auf ihre Ernährung nachtheilig einwirkt.

Die leerenMadres werden ſorgfältig eingeſammelt, da ſie die feinſte Sorte der Cochenille abgeben und alſo am theuerſten bezahlt werden. Es ſind im trocknen Zuſtande breite, hohl zuſammen⸗ gekrümmte Körper mit runzlicher braunrother(nicht weißer) Haut. Das Ausſetzen der Jungen geſchieht zunächſt im Frühjahre, wenn die neuen Opuntienzweige nahezu ihre Ausbildung erlangt haben, alſo gewöhnlich im Mai. Ende Auguſt ſind die Jungen ausgewachſen und jetzt beginnt die Ernte, die den ganzen September hindurch fortdauert. Überall ſahen wir während unſeres Aufent⸗ haltes die Frauen und Kinder in den Cactusfeldern mit dem Einſammeln der Thiere beſchäftigt. Ein Arbeiter ſchneidet mit einem Meſſer die Zweige, die zu viel geſchwächt worden ſind oder wegen des Wuchſes der Pflanze untauglich erſcheinen, ab und reicht ſie den Mädchen, die der Stacheln wegen die Hände ſorgfältig bis auf die Finger umwickelt haben, den Hals und Kopf mit Tüchern verhüllen, damit der weiße Staub nicht eindringen kann, und zum Schutz gegen die Sonne breite Strohhüte tragen. Mit einem Kehrwiſche, der aus zarten bleichen Blättern der Dattelpalme gefertigt iſt, ſtreichen ſie die Inſekten von den Zweigen ab in einen Korb, der mit einem Tuche ausgelegt iſt, und tragen dieſen nach ſeiner Füllung nach dem Trockenofen. Jungen, die bei dem Einſammeln mithelfen, ſind über und über weiß beſtäubt und an Haut und Kleidung mit dem rothen Farb⸗ ſtoffe beſudelt.

Der Trockenofen iſt aus Steinen aufgebaut und erhält ſeine bedeutende Temperatur durch geheizte ebenfalls ſteinerne Röhren. Breite Hürden, deren Boden ein grobes, poröſes Baumwollen⸗ zeug iſt, ſind wenige Zoll über einander in Fugen eingeſchoben, ſo daß ein ſolcher Ofen in ſeinem vierſeitigen Raume eine ſehr große Menge von Inſekten aufnehmen kann. Nachdem die Thiere durch die Hitze getödtet und getrocknet ſind, werden ſie geſiebt, damit der noch anhaftende weiße Ueberzug möglichſt entfernt wird. Die ſo behandelte Cochenille hat aber immer noch ein weißes Äußere, geht im Handel unter dem NamenPlateada und ſteht im Preis am niederſten(1871 das Pfund ½ Duro= 10 Realen à 7 kr.) Aus ihr bereiten viele Züchter eine etwas beſſer bezahlte Sorte, die negra dadurch, daß man die weiße Cochenille in einem Sacke ſo lange reibt, bis der weiße Ueber⸗ zug entfernt iſt. Sie gleicht jetzt der beſten Sortemadres, der ſie im Preis ziemlich gleich ſteht (madres das Pfund 1871 zu 11 Realen 25 Cent.), von der ſie ſich aber durch das runde, vollere Ausſehen der Thiere unterſcheidet.