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Der Weinbau dehnte ſich nach der Beſitzergreifung des Archipels durch die Spanier bald über alle Inſeln aus und beſonders war es das Thal von Orotava, das viel Wein produzirte und dem Puerto de la Orotava eine bedeutende Ausfuhr verſchaffte trotz der Ungünſtigkeit ſeiner Küſte. Humboldt erwähnt noch der„weinbekränzten Hügel von Orotava.“ Die Weine von Teneriffa, in ihren Eigenſchaften dem Xerezweine nicht unähnlich, wurden viel geſucht, bis die Capweine, auf welche ſeit der Beſitzergreifung des Caps der guten Hoffnung durch die Engländer die Eingangszölle bedeutend ermäßigt wurden, als gefährliche Concurrenten auftraten. Den ſchlimmſten Stoß aber erhielt der Weinbau Teneriffa's vom Jahre 1853 an durch die Traubenkrankheit, die auch hier ihre verheerenden Wirkungen äußerte. Man gab ihn mehr und mehr auf und wandte ſich der Cochenillezucht zu, die im Jahre 1831 von einem aus Amerika zurückkehrenden Canarienſer mitgebracht worden war. Das trockene Klima der kanariſchen Inſeln ſagte dem Inſekte ſo ſehr zu, daß der Ertrag aus ſeiner Zucht alle bis⸗ herigen Anbauverſuche überbot und daß die Preiſe dieſer Waare ſeit der Concurrenz der Inſeln ſelbſt heruntergegangen ſind.
Die Pflanze, von der die Exiſtenz des färbenden Thieres abhängt, iſt die ſogenannte indiſche Feige(Opuntia Ficus indica), ein breitſtengliger Cactus, den man durch ganz Südeuropa jetzt mit der gleichfalls amerikaniſchen Agave, der ſogenannten Aloe(Agave americana), überall verwildert trifft. Die Pflanze liebt den Sonnenſchein und verträgt große Trockenheit ſehr wohl, Eigenſchaften, wegen deren Stücke Landes, die früher allem Anbau unzugänglich waren, jetzt der Kultur gewonnen ſind und ſelbſt reichlichen Ertrag liefern. Felſige Winkel, deren Ausbeutung früher Niemand für möglich gehalten hätte, ſahen wir mit kräftigen inſektentragenden Opuntien bepflanzt.
In der trocknen Jahreszeit bricht man die zwei letzten Jahrestriebe älterer Pflanzen zuſam⸗ men ab und legt ſie eine oder zwei Wochen in die Sonne, damit die Wunde erſt vernarbt und etwaiger Fäulniß vorgebeugt wird. In umgearbeitetem Boden werden ſie nun einige Fuß von einan⸗ der in Reihen eingeſteckt; ſie wurzeln und treiben alle Jahre an ihren Enden neue Zweige(ſogen. „Blätter“). Im dritten Jahre ſind ſie zur Aufnahme der Cochenille geeignet.
. Die Cochenille(Coccus cacti) iſt eine Schildlaus, die mit ihrem feinen Rüſſel in das Fleiſch des Cactus einbohrt und von deſſen Safte ſich nährt. Hat ſie ſich einmal feſtgeſetzt, dann iſt ſie nicht mehr im Stande einen anderen Ort aufzuſuchen; weggenommen von ihrer Stelle geht ſie unfehlbur zu Grunde. Das rothe ungeflügelte Inſect von der Größe einer halben Erbſe ſondert aus ſeiner Haut überall weiße Wachsfäden ab,*) die wie ein feiner Pelz vom Körper abſtehen, ab⸗ fallend die nächſte Umgebung des Thieres bedecken und durch die Menge der Inſecten einem beſetzten Cactusfelde den Anſchein geben, als ob alle Pflanzen dick mit weißem Schimmel bedeckt wären. Auf⸗ fallend iſt es, daß bei weitem mehr Weibchen als Männchen bei dieſer Schildlaus auftreten. Von letzteren, die viel kleiner als die Weibchen ſind und vier milchweiße Flügel haben, während die Weibchen niemals ſolche beſitzen, kommt je Ein Individuum auf einige tauſend Weibchen.**)
Das Weibchen bringt, wenn es erwachſen, lebendige Jungen zur Welt, und für den Züchter iſt es von der größten Wichtigkeit, die Zeit nicht zu verſäumen, wo die Jungen abgeſetzt werden. Das zur Welt gekommene Junge marſchirt bedächtig umher, bis es einen Platz gefunden hat, an
*) Ähnliches treffen wir auch bei vielen Blattläuſen. **) Es ſteht demnach zu vermuthen, daß Parthenogeneſis bei dem Coccus cacti vorkommt.


