Aufsatz 
Das Thal von Orotava auf Teneriffa
Entstehung
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Blau des Himmels ab. Zwei von ihr herablaufende bis an das Meer reichende Rippen bilden die ſeitliche Einfaſſung des etwa 5 Wegeſtunden breiten Thales. An den Abhängen der öſtlichen Höhe zieht ſich eine Landſtraße hinauf, viel ſchroffer noch erhebt ſich im Weſten die Tigayga, ein Zug, der von der Höhe der Cumbre(7000 Fuß) herab bis zum Meere faſt geradlinig herabzieht. Die ſteil abfallenden Wände mit den tiefen Waſſerfurchen aber ſind überall mit dem ſaftigen Teppich immergrüner Wälder belegt; auf den Höhen läßt der lichtere Wald einzelne Stämme der kanariſchen Kiefer erkennen.

Das Thal ſelbſt iſt mit freundlichem Grün bekleidet. Große Flächen, die durch dunkle Mauern in zahlreiche kleine Terraſſen getheilt ſind wie unſere Weinberge, zeigen das graue Grün der Cactusfelder, die der Cochenillezucht dienen. Dunkle Baumgruppen zahlreicher Gärten, helle Maispflanzungen und ſchlanke Palmen bilden eine freundliche Abwechslung dazu. Überall aber ſind über die fleißig bebaute Fläche die Wohnungen der Menſchen zerſtreut. Wie weiße Blüthen leuchten einzelne Häuſer aus dem Grün; hier reihen ſie ſich zu mehreren Dörfern aneinander, an zwei anderen Orten ballen ſie ſich zu freundlichen Städtchen zuſammen. Da dicht hinter den Klippen des Ufers erſtreckt ſich der Puerto de la Orotava(3500 Einwohner.) Zwiſchen den niederen Häuſern mit dem Ziegeldache ſehen überall dichte Gruppen der Banane, einer der herrlichſten Pflanzenformen, hervor, ſchlanke Dattelpalmen überragen einzeln ſtehend Bäume und Häuſer. Droben links in der Mitte des Thals liegt die größere Villa de la Orotava(7500 Einwohner.) Der Häuſerballen, aus dem ſie beſteht, löst ſich nach außen allmählich auf, einzelne Landſitze und Bauernhäuſer ſind über den Raum bis zum Puerto zerſtreut. Weiter oben gleich hinter der Villa iſt die Fläche mit Wald be⸗ deckt, der ſich bis zum Fuße der Cumbre hin und an ihrenHängen hinaufzieht. Es ſind die immer⸗ grünen Wälder der Lorbeeren und der baumartigen Heide; mit ihrer unteren Grenze hört die Be⸗ arbeitung des Bodens durch den Menſchen auf.

Aus dieſen Wäldern heraus ziehen insdas Thal hinab dem Meere zu tiefe Einſchnitte in dem Boden, die Barrancos. Das Waſſer, das durch die Winterregen und durch das Schmelzen des Schnee's von der Cumbre im Frühjahre hinabſtrömt, hat ſie in den felſigen Boden eingefreſſen; die ſteilen Wände dieſer Schluchten ſind bis an ihren oberen Rand mit immergrünen Bäumen be⸗ deckt und ſo ziehen die Barrancos als Ausläufer des dunklen Waldes in die bebaute Region weit hinein. Jetzt aber im hohen Sommer rauſcht kein Waſſer aus ihnen hervor, der Sommer iſt trocken, und die Quellen, die ſonſt aus den Wäldern in ihnen hinabrannen, ſind längſt als ſegenſpendende Waſſerleitungen gefaßt und Gärten und Feldern zugeführt.

Mehrfache Anzeigen ſprechen wie an der Küſte ſo auch in dem Thale von Orotava für die vulkaniſche Natur des Bodens. So erheben ſich in der Nähe des Puerto zwei kleine Krater, breite kegelförmige Berge mit ſchwarzen oder rothen Wänden, die mit ihren zirkelrunden Trichteröffnungen als Modelle eines Vulkanes dienen können. Aus dem durchbrochenen Kraterrande ſtrömte einſt ein mächtiger Strom von Lava hervor dem Meere zu, wo er jene vielgeſtaltigen Felſen formte. Der ganzen Länge nach laſſen ſich noch die ſo gebildeten Baſaltzüge überblicken, ſchmal aus dem Krater hervorbrechend, nach dem Meere zu ſich allmählich verbreiternd. Ihre wellige Oberfläche, die noch nicht überall der Vegetation erlaubt hat, Fuß zu faſſen, verräth, daß ſie noch nicht ſehr hohen Alters ſein können.

Ein weit mächtigerer Lavaſtrom hat droben in der weſtlichen Ecke des Thales die Stelle durchbrochen, wo die Tigayga an die Cumbre anſtößt. Aus dem dadurch gebildeten breiten Einſchnitte,