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Fragen wir nun noch, in welcher Weiſe die handelnden Perſonen das Schickſal auffaſſen oder die leitenden Mächte des Lebens, ſo finden wir hier, wie ſchon bemerkt worden, eine wunderbare Vermiſchung der verſchiedenartigſten religiöſen Vorſtellungen. Zunächſt die antike Auffaſſung des Schickſals. Aus ver⸗ hängnisvollem Samen, wie Jſabella ſagt, keimte der Haß der Brüder hervor; das Verhängnis will mit ihren Kindern den eignen freien Weg gehen, bemerkt ſie, als ihre Söhne ihr mitgetheilt, wie ein jeder die Braut gefunden. Sie rief die Brüder zur Verſöhnung her, und„ein verderblich Schickſal kehret all ihr Hoffen in ſein Gegentheil ihr um“. Als ſie die lang entbehrte Tochter wieder gewinnt, da meint ſie, nun trenne ſie nichts mehr, das Schickſal ſei befriedigt. Der Chor ſpricht es aus, daß niemand dem ver⸗ hängten Geſchick entftiehe, Ceſar bemerkt, daß die Kette des Geſchickes nur der freie Tod brechen kann.— Daneben erſcheinen die Götter als Lenker des Geſchicks, als Sender der die Zukunft enthüllenden Träume. „Glaube noch einer an der Götter Mund“, ruft Iſabella aus, als ſie nur noch den Tod ihres Sohnes kennt, und nicht den Mörder. Die Gebete, meint ſie, dringen nicht zum Himmel: So unmöglich iſt's, Die Götter, die hochwohnenden, zu treffen, Als in den Mond mit einem Pfeil zu ſchießen. Worauf der Chor erwiedert:„Die Götter leben, Erkenne ſie, die dich furchtbar umgeben“. Und wie ſich alles enthüllt hat, da entfernt ſie ſich mit den Worten:„Alles dieß Erleid ich ſchuldlos, doch bei Ehren bleiben Die Orakel und gerettet ſind die Götter“. In gleicher Weiſe reden auch die anderen Perſonen; ſo tadelt Beatrice ihre Mutter, daß ſie ſich weiſer dünkte als die alles ſchauenden, die nah und fernes an einander knüpfen und in der Zukunft ſpäte Saaten ſehn.— Als Beatrice ſich zuletzt Ceſarn genähert hat, und an ſeine Bruſt ſich neigt, da meint er in ſeinen Armen zu halten„was das irdiſche Leben zu einem Loos der Götter machen kann“.
Dieſer Mehrheit: die Götter entſpricht dann die Einheit: ein Gott, eine ſehr gewöhnliche Bezeich⸗ nung auch in unſerem Stücke; ſo heißt es: nur ein Gott hat mich bewahrt; Ceſars Späher haben von einem Gott geleitet, Beatricen entdeckt. In den Liedern des Chors werden vielfach auch einzelne alte Götter angeführt, Ceres, Pan, Diana, Hebe, Themis, der Sonnengott, der Kriegsgott; ebenſo iſt von dem heiligen Altar des Hausgotts die Rede, von den Penaten des Hauſes, von den ſchützenden Göttern des Palaſtes, ferner von den rächenden Göttern oder Göttinnen, den Eumeniden, von Rache⸗ geiſtern und dergleichen.
Endlich begegnen wir in unſerem Stücke an verſchiedenen Stellen dem Ausdruck: der Dämon, welcher in den früheren Tragödien, ſo viel ich geſehen habe, ſich nur an Einer Stelle im Wallenſtein findet, wo Wallenſtein den Buttler ſeinen böſen Dämon nennt, als dieſer zu ſo ungelegener Zeit in Gegenwart der Pappenheimer den verkehrten Dienſteifer der Terzkyſchen Regimenter meldet. Dagegen iſt hier und ſonſt vom böſen Geiſt oder böſen Geiſtern, vom Teufel, Satan, Hölle oder Abgrund häufig die Rede.
In der Braut von Meſſina iſt der Dämon theilweiſe eine bloße Perſonificierung menſchlicher Leiden⸗ ſchaften, wie wenn Iſabella, als ihre Bemühungen die Brüder mit einander zu verſöhnen erfolglos bleiben, in die Worte ausbricht:„Vollendet! Ihr habt freie Macht! Gehorcht dem Dämon, der euch ſinnlos wüthend treibt“; oder wenn Manuel den beiden Chören, welche den alten Streit erneuern wollen, zuruft:„Raſt ihr? Was für ein Dämon reizt euch an, Des alten Zwiſtes Flammen aufzublaſen?“ Als ſelbſtändige Macht tritt er dagegen auf, wenn Beatrice ſpricht:„Eindringt der Gott auch zu verſchloſſenen Thoren, Zu Perſeus Thurm(der Dichter meint wohl zu Danges feſtem Gemach) hat er den Weg gefunden, Dem Dämon iſt ſein Opfer unverloren“. Die vornehmſte Eigenſchaft des Dämon iſt der Neid; darum ſagt Manuel zum Chor, jetzt könne er wohl das lange Schweigen über ſeine Liebe brechen:„Denn mit der nächſten Morgen⸗ ſonne Strahl Iſt ſie die meine, und des Dämons Neid Wird keine Macht mehr haben über mich“. Ebenſo ſagt Ceſar, indem er durch offene Erklärung vor dem Chore ſein Verlöbnis mit Beatrice zur vollendeten Thatſache machen will:„Und daß ich feſt ſogleich den Zufall faſſe Und mich bewahre vor des Dämons Neid, ſo red ich dich vor dieſen Zeugen allen als meine Gattin an“. Auch iſt es der neidſche Dämon, der Iſabellen das Wiederſehen mit ihrer Tochter verbittert, indem ſie ihr ohnmächtig ins Haus gebracht wird. Und ohne Zweifel iſt auch der Dämon gemeint, wenn Jſabella klagt:„Mit meiner Hoffnung ſpielt ein tückiſch Weſen, Und nimmer ſtillt ſich ſeines Neides Wuth“. Eine gleiche Bedeutung wird die Bezeichnung der böſe Genius haben in Iſabellas Worten:„Daß mir der böſe Genius nicht ſchlummert, Erinnert warnend
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