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und ob er nicht namentlich durch die häufige Einführung von Wundern unſerm Verſtande einen zu großen Zwang anthut: gewiß werden wir zugeſtehen, daß ſein Schickſal eine wahrhaft tragiſche Wirkung hervorbringt.
Als der Lenker dieſes Schickſals, ſowie aller Geſchicke, ja einzelner Begebenheiten, erſcheint im Munde der handelnden Perſonen und insbeſondere Johannas ſelbſt Gott oder der Herr. Die heilige Jungfrau, die Johanna im Traume erſcheint, iſt nur die Ueberbringerin der göttlichen Befehle: Der Herr ruft Johanna zu einem anderen Geſchäft, Gott heißt ſie Frankreich befreien, Gott fordert ein blindes Werkzeug, mit Gottes Kraft vollbringt ſie Wunder, Gott verherrlicht ſich durch eine zarte Jungfrau, Gott ſendet Schrecken herab, Gott verhängt über Johanna ein Geſchick, er hat das Meer zur Länderſcheide geſetzt zwiſchen Frank⸗ reich und England, ſeine Hand deckt eine neue Welt zu hinter unbeſchifften Meeren, der Herr iſt der Schlachten Gott, er entſcheidet den Sieg, und das Glück der Schlachten iſt das Urtheil Gottes, Johanna heißt überall die gottgeſendete Jungfrau und führt Gottes Racheſchwert in Händen.
Dieſe Auffaſſung, nach welcher die menſchlichen Geſchicke unmittelbar von Gott beſtimmt werden, eignet ſich vortrefflich für die ſiegreichen Franzoſen, die ihre Siege einer von Gott begeiſterten Jungfrau verdanken. Die geſchlagenen Engländer nehmen einen anderen Standpunkt ein und ſchreiben lieber dem Schickſal jene Lenkung zu. Darum ſagt Talbot, als Lionel ihn auffordert trotz der empfangenen Wunden den Kampf fortzuſetzen:
Umſonſt! Der Tag des Schickſals iſt gekommen
Der unſern Thron in Frankreich ſtürzen ſoll.
Und ſterbend klagt er:— Wären wir als Tapfre Durch andre Tapfere beſtegt, wir könnten Uns tröſten mit dem allgemeinen Schickſal, Das immer wechſelnd ſeine Kugel dreht; Doch ſolchem groben Gaukelſpiel erliegen!
Auch Lionel drückt ſich in ähnlicher Weiſe aus. Als er ſich von Talbot verabſchiedet, ſagt er: Jetzt aber
Ruft das Geſchick mich fort, das auf dem Schlachtfeld Noch richtend ſitzt und ſeine Looſe ſchüttelt.
Auch für die Franzoſen, ſo lange ſie noch die Bedrängten ſind, erſchien dieſe Auffaſſung natürlicher, nur miſcht ſich, wohl um den Uebergang zu erleichtern, die ſpätere Auffaſſung mit hinein. Agnes Sorel ermahnt den König:
„Du wirſt dich männlich faſſen, Mit edlem Muth dem Schickſal widerſtehn, Das grimmig dir entgegenkämpft.“ Und als Karl erwiedert: „Iſt es nicht wahr, Ein finſter furchtbares Verhängniß waltet Durch Valois' Geſchlecht, es iſt verworfen Von Gott,—— es iſt des Himmels Schluß Das Haus des ſechsten Karls ſoll untergehn,“
O nicht umſonſt Hat dich ein gnädig Schickſal aufgeſpart Von deinen Brüdern allen, dich, den jüngſten, Gerufen auf den ungehofften Thron. In deiner ſanften Seele hat der Himmel Den Arzt für alle Wunden ſich bereitet, Die der Parteien Wuth dem Lande ſchlug.
Neben dem Schickſal wird auch den Sternen ein Einfluß auf des Menſchen Thun und auf den Er⸗ folg zugeſchrieben. Karl ſagt zu dem mit ihm verſöhnten Burgund, der ſich wegen ſeines Abfalls anklagt:
Da erinnert ſie tröſtend:


