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Wallenſtein hatte Max Piccolomini auserſehen ihm ſeine Gemahlin und Tochter aus den Landen des Kaiſers herzugeleiten. Es war ihm natürlich geweſen gerade ihn, den Liebling, zu dieſem Zwecke zu wählen. So hatten Max und Thekla ſich kennen gelernt und lieb gewonnen. Die feine Terzky glaubte ihren Schwager zu durchſchauen und meinte in ſeinem Sinne zu handeln, wenn ſie dieſen Bund der Herzen begünſtigte, um Max unauflöslich an ſeinen väterlichen Freund zu feſſeln. Aber ſie hatte ſich geirrt. Wallenſtein verſchmähte eine ſo niedere Verſchwägerung, er wollte ſich ſeinen Eidam auf Europas Thronen ſuchen. Als Max ſich ent⸗ ſcheiden muß, ob er den Freund oder den Vater verlaſſen, ob er die Bande des Herzens heiliger achten ſoll oder die Pflicht und den Eid, den er dem Kaiſer geſchworen, iſt es zuletzt Theklas Ausſpruch, der die Ent⸗ ſcheidung giebt, und Max reißt ſich mit blutendem Herzen los, aber nicht, um ſich mit dem Vater wieder zu vereinigen, ſondern um in den Tod zu gehen. Er greift mit ſeinen Pappenheimern, denen die Tiefenbacher folgen, ein Schwediſches Lager an und kommt mit allen ſeinen Truppen un. Dieſer Sieg der Schweden wird Wallenſtein nach Eger gemeldet, wohin er ſich mit ſeinen wenigen treuen Regimentern zurückgezogen hat, und erregt bei Illo und Terzky ungemeſſenen Jubel, aber Buttlern beſtimmt er zur verhängnisvollen That. Morgen ſollen die ſiegreichen Schweden einrücken, und kommen ſie, ſo iſt Wallenſtein geborgen, und ſeine, Buttlers, Ehre iſt dahin, denn er hat ſein Wort verpfändet nicht als ſein guter Engel bei ihm zu bleiben. Ihm bleibt nichts übrig, als die Mörder zu dingen, und ſo wird Maxens Verzweiflungsthat der Anlaß, daß Wallenſtein das Schickſal ereilt.
Dieſe Ironie des Schickſals, daß es den Pfeil gegen den Schützen zurückfliegen läßt, iſt es, was der Held der Tragödie ſelbſt die Tücke des Schickſals nennt. Den gefallenen Max preist er deshalb glücklich, weil das Schickſal ihm keine Tücke mehr ſpinne, und er nicht mehr den trüglich wankenden Planeten gehöre. Von ſich ſelbſt ſagt er, daß das Glück grauſam mit ihm ſpiele; der Freunde Eifer ſei es, der ihn zu Grunde richte, nicht der Haß der Feinde.
Wir, die Zuſchauer, finden das Walten des Schickſals gerecht und können deshalb nur ſelten den An⸗ ſichten der leidenſchaftlich bewegten handelnden Perſonen beiſtimmen, welche ſie von ihrem Standpunkt aus mit dem Recht der menſchlichen Schwäche thun. Doch mangelt es ihnen nicht immer an der Klarheit des Bewußtſeins. So ſpricht Wallenſtein, wie es nicht ſelten bei den Alten der Chor thut, des Dichters Ueber⸗ zeugung aus, die auch die unſre ſein wird, wenn er zum Abfall entſchloſſen ausruft, auf ſein Verhältnis zum Kaiſer hindeutend:
Es iſt ſein böſer Geiſt und meiner. Ihn
Straft er durch mich, das Werkzeug ſeiner Herrſchſucht Und ich erwart es, daß der Rache Stahl
Auch ſchon für meine Bruft geſchliffen iſt.
Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne ſäert
Erfreuliches zu ernten. Jede Unthat
Trägt ihren eigenen Rache Engel ſchon,
Die böſe Hoffnung, unter ihrem Herzen.
Andere Aeußerungen kommen dagegen aus Wallenſteins eigener Bruſt. Die Mächte des Schickſals ſind ihm wie Herodots Götter eiferſüchtig und neidiſch, man reizt ſie durch voreiliges Frohlocken, und um ſie zu verſöhnen, muß man ihnen das liebſte zum Opfer bringen. Dann iſt ihr Neid geſättigt und der ge⸗ demüthigte Glückliche kann wieder frei aufathmen. Als ein ſolches Opfer ſieht Wallenſtein den Tod ſeines geliebten Max an, der durch ſeine Schuld fiel. 4
Es iſt nicht bloß Wallenſtein, der in dieſer Weiſe theils ſeine eigenen, theils zugleich des Dichters Anſicht von der Natur des Schickſals ausſpricht: auch andere Perſonen fühlen und reden in ähnlicher Weiſe. Vor allen Buttler, der Vollſtrecker des Schickſalsſchluſſes, ſodann Thekla, welche am früheſten von allen Betheiligten das finſtre Verhängnis ahnt, das ihr ganzes Haus zertrümmern wird. Buttler rechtfertigt ſeinen Entſchluß und ſein Vorhaben vor ſich ſelbſt ſo wohl wie vor Gordon mit dem Hinweis auf die Nothwendigkeit, die ſtärker ſei als des Menſchen freier Wille. Er ſagt zu Gordon:


