Die Sterne lügen nicht, das aber iſt
Geſchehen wider Sternenlauf und Schickſal.
Die Kunſt iſt redlich, doch dies falſche Herz
Bringt Lug und Trug in den wahrhaftgen Himmel.
Nur auf Wahrheit beruht die Wahrſagung,
Wo die Natur aus ibren Grenzen wankt, 1 Da irret alle Wiſſenſchaft.—
Weniger darf uns auffallen, daß er ſich auch in Buttler irrt, da dieſen Irrthum auch ſeine verſtän⸗ digen Vertrauten theilen. Hier iſt er allein der Zweifelnde, der Geiſt in ihm warnt ihn vor dieſem unheim⸗ lichen Charakter, aber trotz den unglücklichen Erfahrungen von der Untreue ſo vieler, die er bisher für er⸗ gebene Anho hänger hielt, mag er dieſer Warnungsſtimme nicht trauen, da Buttlers Handlungen dieſelbe zu widerlegen ſcheinen.
Gerade die verſchmitzteſten Mittel, die er ſelbſt anwendet oder anzuwenden geſtattet, um ſich die Anhäng⸗ lichkeit ſeiner Untergebenen zu ſichern, bemerkten wir ſchon oben, wenden ſich zu ſeinem Verderben. Den ehrgeizigen Buttler, dem er nach langem Dienſt endlich ein Regiment verliehen hatte, will er noch feſter an ſich ketten, indem er es veranlaßt, daß der Hof ihn auf dieſer ſeiner empfindlichſten Seite eine tödtliche Kränkung zufügt. Er verſpricht ihm ſeine Verwendung bei dem Hofe, den Buttler um die Erhebung in den Grafenſtand angehen will, und ſtatt deſſen ertheilt er den Rath, den Stolz dieſes Emporkömmlings zu de⸗ müthigen und ihm ſein Geſuch abzuſchlagen. Seine Abſicht ſcheint erreicht. Buttler wirft einen tödtlichen Haß auf den Hof, der ihn für vierzigjährige treue Dienſte nicht nur unbelohnt läßt, ſondern noch dazu ver⸗ höhnt, und er iſt entſchloſſen, Wallenſtein in ſeinen verrätheriſchen Plänen zu unterſtützen. Und gerade jener Brief, der ihm einen treuen Anhänger gewinnen ſollte, gewinnt ihm den unverſöhnlichſten Feind und ſeinen Mörder. Jener Brief gelangte in Octavios Hand und kam durch ihn vor Buttlers Augen, und that ſeine unfehlbare Wirkung.
In gleicher Weiſe verrechnet er ſich in dem Schritt ſeiner Getreuen Ihr und Terzky, den er gut heißt, indem er ihnen unbedingte Vollmacht giebt ihm die Unterſchrift der Oberſten zu verſchaffen,„daß ſie ohne Vorbehalt des dem Kaiſer geleiſteten Eides Wallenſtein treu bleiben wollen.“ Der plumpe Betrug, ſtatt der urſprünglichen Schrift, welche jenen Vorbehalt enthielt, nach dem Gaſtmahl, wo man von den meiſt trunkenen Oberſten keine genauere Einſicht zu fürchten hatte, eine nachgemachte Abſchrift unterzuſchieben, in welcher derſelbe wegfiel, wird durch den vom Wein aufgeregten Illo ſelbſt verrathen und ſomit die verräthe⸗ riſche Abſicht durch eine Thatſache ans Licht gebracht.
Eine ähnliche Ironie ſpielt ihm das Schickſal mit dem Boten, der ihm aus Prag die Nachricht bringen ſoll, daß die dortigen Truppen ihm gehuldigt haben. Er hat dahin die falſche Botſchaft geſchickt, daß die Pilſener Truppen dieſe Huldigung bereits vollbracht hätten, damit dies Beiſpiel jene zur Nachfolge anfeuere. Nun erwartet er das Gelingen ſeines Spieles, um dann wieder in Pilſen durch das Beiſpiel der Prager Truppen die Soldaten beſtimmen zu laſſen. Der Bote wird aber von den Tiefenbachſchen Truppen aufge⸗ fangen, deren Anführer von Octavio bereits gewonnen war; ſie erbrechen ſeinen Brief, und erfahren das Mis⸗ lingen der Meuterei zu Prag, ſo wie die Aechtung Wallenſteins mit ſeinen treueſten Anhängern. Der offene Brief läuft durchs Lager und die Truppen entſcheiden ſich gegen ihn. Nur die Pappenheimer behalten ſich⸗ ihre Entſchließung vor, und wollen aus dem eignen Munde des verehrten Führers erfahren, was ſein Plan iſt. Ihre Abgeſandte kommen und laſſen ſich durch Wallenſtein gewinnen, da tritt Buttler mit der Nachricht dazwiſchen, die er abſichtlich in ihrem Beiſein mittheilt, daß die fünf getreuen Terzkyſchen Regimenter den kaiſerlichen Adler von ihren Fahnen abreißen und Wallenſteins Zeichen daran befeſtigen. Dieſer aus über⸗ großem Eifer entſprungene Beweis der Treue wirft ein entſcheidendes Gewicht in die ſchwankende Wage der Entſchließung. Die Pappenheimer hätten ſich auf Wallenſteins Seite geſtellt, wenn er bloß gegen die Intriguen des Hofes ſich in ſeiner Stellung behaupten wollte; aber förmlichen Abfall, Verrath verabſcheuen ſie, und ſie ſind für ihn verloren.


