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von dem ihn Ferdinand entſetzt hatte, als er ihn nicht mehr zu bedürfen glaubte, ſich Alles bewilligen zu laſſen, was ſein ſtolzes und ehrgeiziges Herz nur je geträumt hatte, und in Wahrheit der allgebietende und allvermögende Machthaber zu werden, während der Kaiſer ihm gegenüber faſt zur Nichtigkeit herabgedrückt wurde. Die äußerſte Noth hatte den Kaiſer gezwungen, ſich dieſe Erniedrigung gefallen zu laſſen, und nur fortdauernde Noth konnte ihn zwingen, ſie zu ertragen. Wallenſtein dagegen war nicht gewillt, zum zweitenmal von ſeiner Höhe herabzuſteigen: ſo war ein Kampf zwiſchen ihnen auf Leben und Tod unvermeidlich. Er wurde geführt auf beiden Seiten mit den Waffen der Hinterliſt und des Verraths. In dieſem Kampf unter⸗ lag Wallenſtein, und darum wurde er, nicht Ferdinand der Held des Dramas und ein tragiſcher Charakter.
Die erſte Schuld Wallenſteins im Verhältnis zu ſeinem Kaiſer lag darin, daß er deſſen Noth misbrauchte, um ſich eine ſo ganz unabhängige Stellung zu verſchaffen; die zweite, daß er dieſe Stellung, ſobald er ſie als gefährdet anſah, durch Verrath und Abfall zu behaupten ſuchte und im Bunde mit den bisher bekämpften Gegnern ſeine letzten Zwecke zu erlangen ſtrebte.
Darin zeigt ſich nun die Einwirkung des Schickſals, daß im Beginn unſeres Dramas alle Um⸗ ſtände zuſammentreffen, um Wallenſtein zur entſcheidenden That aufzufordern. Er hat die letzten und theuerſten Pfänder, ſeine Gemahlin und Tochter, der Gewalt des Kaiſers entzogen; faſt alle Generale ſind ſeiner Auf⸗ forderung zu einer großen Berathung gefolgt und haben ſich in Pilſen eingefunden, während eben um dieſe Zeit der kaiſerliche Abgeſandte im Lager erſcheint, um Forderungen zu überbringen, die Wallenſtein ablehnen muß, wenn er nicht fallen will, und nicht ablehnen kann, ohne mit dem Kaiſer zu bhrechen; die Oberſten ſcheinen ihm unbedingte Treue zu geloben, und auch die Soldaten laſſen ihn auffordern, den kaiſerlichen Forderungen nicht nachzugeben; um dieſelbe Zeit erhält er die Nachricht, daß ſein Unterhändler mit den Schweden, welcher ſchriftliche Aufträge ſeiner nächſten Vertrauten bei ſich führt, von den Kaiſerlichen aufge⸗ fangen iſt; und endlich erſcheint eben jetzt am Himmel die erſehnte Conſtellation, die ihm nach ſeinem Glauben ein Gelingen ſeines Unternehmens verheißt. Und während ihn ſo auf ſeiner Seite alles antreibt zur That, kommen ihm die bisherigen Feinde mit der beſtimmten Aufforderung entgegen, nunmehr Ernſt zu machen und die Verhandlungen zum Abſchluß Su bringen, widrigenfalls ſie für immer ſollen abgebrochen werden. So treibt die Macht der Verhältniſſe, das Schickſal, den Wallenſtein ſich zu entſcheiden, und die Entſchei⸗ dung kann nicht zweifelhaft ſein. Er ſchließt den Bund mit den Schweden ab; aber wie er jetzt entſchieden handelt, ſo handeln auch ſeine Gegner, die Freunde des Kaiſers, und ihr Haupt, Octavio Piccolomini, in⸗ welchem er mit rührender Verblendung ſeinen treueſten Freund ſieht.
Das Wirken des Schickſals offenbart ſich nun, wie überhaupt in der Tragödie, in ironiſcher Weiſe. Alle Mittel, die Wallenſtein anwendet, ſein Unternehmen zu ſichern und es gelingen zu laſſen, ſchlagen in ihr Gegentheil um, und wie er durch Verrath den Kaiſer zu fällen ſuchte, ſo fällt er durch den Verrath ſeiner eignen Getreuen. Und mehr noch fällt er durch ſeine eigne Verblendung. Er hält ſich für den Liebling des Schickſals, das ihn, wie er ſagt, mit Liebe herausgehoben aus der Menſchen Reihen, er nennt ſich den Mann des Schickſals: darum hat es für ihn andere Offenbarungen als für die gewöhnlichen Menſchenkinder, der⸗ gleichen der kluge Illo und Terzky ſind, er iſt ein heitres Joviskind, denen vergönnt iſt, in den Sternen die Zukunft oder doch die rechte Stunde für die That zu leſen, denen der Weltgeiſt näher iſt in gewiſſen Augenblicken, und denen dann eine Frage freiſteht an das Schickſal. In einer großen Stunde, am Vorabend der Lützener Schlacht, thut er eine ſolche Frage an das Schickſal, und ein Traum, dem eine allerdings ent⸗ ſprechende Handlung folgt, gilt ihm als ein Pfand desſelben für die Treue ſeines Octavio; überdies iſt er mit dieſem unter gleichen Sternen geboren: ſolcher Offenbarung ſchenkt er einen nie wankenden Glauben; was ſeine andern Vertrauten ahnen und ſehen, das iſt für ihn nicht da, er deutet es anders; er iſt, wie Illo ſagt, blind mit ſeinen ſehenden Augen. Illo möchte dem Octavio die Räder am Wagen zerſchmettern, auf dem er, von Wallenſtein geſendet ſeine Pläne zu fördern, zu entkommen gedenkt, und Wallenſtein giebt ihm ſelbſt die Pferde zur Flucht. Endlich müſſen ihm die Augen aufgehen, er kann nicht mehr zweifeln— er iſt er⸗ f ſchüttert im tiefſten Innern, aber ſein Glaube an die Sterne wankt nicht; lieber hilft er ſich mit einer Ver⸗ lhedditung der wahrſagenden Geſtirne, die ſchlechter als keine iſt: denn was bedeuten jene Worte, die er aus⸗ ruft, als Terzky ihn deran erinnert, wie er ihn vergeblich gewarnt und daß die Sterne ihm doch gelogen?


