Aufsatz 
Beobachtungen über den homerischen Sprachgebrauch / Johannes Classen
Entstehung
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ganz der Schule zu widmen: schon zu Ostern 1832 wurde mir auf mein Ansuchen vom königl. Preuss. Ministerium des Unterrichts die Stelle eines Alumneninspectors und Ober- lehrers am Joachimsthalischen Gymnasium in Berlin übertragen. Obgleich ich nur ein Jahr in dieser neuen Wirksamkeit gestanden habe, so bewahre ich ihr doch das dank- barste Andenken, sowohl um der lehrreichen pädagogischen Erfahrungen willen, die ich unter Meinekes Leitung zu machen Gelegenheit hatte, als wegen der freundlichen Ver- hältnisse in dem jüngern Lehrer-Collegium, dessen Seele der damalige Professor, jetzige Curator der Universität Jena, Moritz Seebeck, war. Zu meiner freudigsten Ueber- raschung erhielt ich im Januar 1833 vom Hohen Senate zu Lübeck die Berufung in die durch Grautoffs Tod erledigte Professur am dortigen Catharineum, welche ich Ostern 1833 angetreten und bis zum Herbste 1853, zwanzig und ein halbes Jahr lang beklei- det habe. Ich danke Gott, dass ich dasjenige, was ich über diesen langen Abschnitt meines Lebens in Bezug auf meine amtlichen Verhältnisse zu sagen habe, in die weni- gen Worte zusammendrängen darf: er ist mir durch die Liebe und das Vertrauen des Directors Jacob, den ich als das Muster der einsichtsvollsten und humansten Schul- Leitung verehre*), durch die Freundschaft aller meiner Collegen, durch die Freude an meinem Berufe und durch die wohlthuendsten Verhältnisse zu meinen Schülern eine Zeit, nach menschlichem Maase, ungestörten Glückes gewesen. Wenn ich hinzufüge, dass ich in erfreulichen häuslichen, geselligen und bürgerlichen Verhältnissen gelebt habe; so wird mir die offene Aeusserung nicht missdeutet werden: dass mir der Entschluss nicht leicht geworden ist, eine gesicherte Lebensstellung gegen eine völlig neue zu ver- tauschen. Allein das Vertrauen auf Gott, dessen gnädige Führung ich auf allen meinen Lebenswegen demüthig erkenne, die dankbare Verehrung des mir von hochgestellten Männern und den höchsten Staatsbehörden bewiesenen Vertrauens, und die freudige Hoff- nung, in erweiterter Wirksamkeit an der ersten Bildungsanstalt einer der angesehensten Städte Deutschlands meine Kräfte zum Wohle der Jugend nutzbar machen zu können, haben mich dennoch nicht lange schwanken lassen. Möge denn das Werk, welches ich im Verein mit werthen und hochgeschätzten Amtsgenossen fortzuführen unternommen habe, unter Gottes Segen zum Heile dieser Stadt gedeihen!

Seitdem ich mich für den Lehrerberuf entschieden, habe ich die mir nicht reich- lich zugemessene Musse mehr zu meiner eignen Fortbildung, als zu litterarischen Arbei- ten benutzt. Nachdem ich daher noch in Bonn 1830 die kritische Ausgabe der Rede Ciceros pro Cluentio mit Benutzung des von Niebuhr mir überwiesenen Lagomarsini- schen Apparates besorgt und in Berlin 1832 den dritten Band der Römischen Geschichte aus Niebuhrs Nachlass in der Weise herausgegeben hatte, über welche die Vorrede

*) Ich hatte diese Worte eben niedergeschrieben, als mir die erschütternde Kunde von dem am 1. März erfolgten Tode des trefflichen Mannes zukam, von dem ich mich fünf Monate vorher in der sichern

Hoffnung getrennt hatte, dass er noch lange zum Segen des mir stets theuren Lübecker Gymnasiums wirken würde.