Aufsatz 
Beobachtungen über den homerischen Sprachgebrauch / Johannes Classen
Entstehung
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Werthe war. Von Ostern 1825 an habe ich anderthalb Jahre in Leipzig Philologie studirt unter G. Hermann, Chr. D. Beck, Wachsmuth u. A. und bin ordentliches Mitglied der griechischen Gesellschaft und des philologischen Seminars gewesen. Bei meinem Uebergang nach Bonn im Herbst 1826 hatte ich das Glück, zunächst auf Rumohr's Empfehlung von dem verewigten Niebuhr mit grossem Wohlwollen aufgenommen zu werden. Es beglückte mich sehr, dass er bei der damals unternommenen Herausgabe der byzantinischen Historiker sich zu kritischen und grammatischen Arbeiten meiner Beihülfe bediente, wie er es in der Vorrede zu den ersten Bänden freundlich aussprach; mehr noch, dass er mir seit Ostern 1827, während ich unter seiner Anleitung und unter Heinrich, Welcker, Näke, Brandis, A. W. v. Schlegel u. A. meine philologischen, histori- schen und philosophischen Studien fortsetzte und an den Arbeiten des philologischen Seminars als ordentliches Mitglied Theil nahm, die Unterweisung seines einzigen Sohnes, des jetzigen geheimen Kabinetsraths des Königs von Preussen, übertrug. Was ich dem täglichen Umgange des unvergesslichen Mannes während fast vier Jahre verdanke, ist meinem innersten Herzen eingeprägt; das Bild, das mir von seiner Persönlichkeit und seinem Wirken vor der Seele steht, habe ich in denLebensnachrichten von B. G. Niebuhr, Th. 3. S. 285 fl. niederzulegen versucht. Während Niebuhr im Sommer 1828 mit seiner Familie in dem geliebten Heimathlande Holstein weilte, war es mir vergönnt, eine wissenschaftliche Reise nach Leyden und Paris zu machen, wo ich der theilneh- menden Güte Geel's und Hase's jede Förderung in der Benutzung der Bibliotheken ver- dankte. Im Herbste 1829 wurde ich nach bestandenem Examen und auf Grund meiner Dissertation de grammaticae Graecae primordiis von der philosophischen Facultät zu Bonn zum Doctor promovirt, und habilitirte mich alsbald als Privatdocent für die philo- logischen Disciplinen an der Universität. Die Freude an der akademischen Thätigkeit, und, ausser dem nahen Verhältniss zu Niebuhr, die wohlwollende Unterstützung von Männern, wie Brandis, Welcker, Näke, Löbell, und die Freundschaft mit jüngeren zusam- menstrebenden, namentlich mit Cl. Perthes und dem frühverstorbenen Klausen machten mir die nächste Zeit zu einer sehr glücklichen. Aber sie sollte nur von kurzer Dauer sein. Als im Januar 1831 das Niebuhr'sche Haus, mit dem meine eigene Existenz nahe verbunden war, innerhalb zehn Tagen, Vater und Mutter verlor, begleitete ich auf den Wunsch der nächsten Angehörigen die verwaisten Kinder an ihren neuen Wohnort Kiel, wo ich im Hause der verehrungswürdigen Doctorin Hensler, der Schwägerin und Vertrautesten Freundin Niebuhr's, der Verfasserin derLebensnachrichten, ein Jahr ver- lebte, und gleichzeitig die Unterweisung meines Zöglings und meine akademische Wirk- samkeit an der damals in unverkümmerter Frische blühenden Universität fortsetzte, durch das Wohlwollen und die Freundschaft trefflicher Männer, unter denen ich Twesten, G. W. Nitzsch, Falck, Pfaff, Hegewisch, Ratjen in dankbarer Erinnerung nenne, auf jede Weise unterstützt und gefördert. Die Gelegenheit, welche sich mir zugleich darbot, an dem Kieler Gymnasium einen Theil des Unterrichts in der obern Klasse für eine Zeit- lang zu versehen, bestärkte in mir den oft gehegten Wunsch, nach früher Neigung mich