Aufsatz 
Beobachtungen über den homerischen Sprachgebrauch / Johannes Classen
Entstehung
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net und anschliesst, lässt er die Reihefolge der einzelnen Satzglieder auch da in ihrer gene- tischen Ordnung bestehen, wo die grammatische Ausbildung der Periode, welche von vorn herein das Verhältniss der einzelnen Theile zu einander übersieht, eine andre Stellung der- selben verlangt. Es ist die nothwendige Wirkung dieser Ausdrucksweise, dass der innere Zusammenhang und enge Anschluss, welchen die organisch gebaute Periode herbeiführt, vielfach gelockert, und anstatt der relativen Verbindung, des Hauptmittels der periodischen Structur, die parenthetische Einfügung oder die parataktische Anreihung durch mannichfache Uebergangspartikeln viel häufiger, als in der späteren Sprache angewandt erscheint. Wenn von dieser Neigung des alten Dichters zum unmittelbaren, lebensvollen Ausdruck des noch im Flusse befindlichen Gedankens sich überall und auch in der einfachen Erzählung die Beweise finden, und zwar viel öſter, als in unseren Ausgaben die üblichen Zeichen der Parenthese darauf hinweisen, so tritt sie doch am stärksten da hervor, wo die lebendige Rede der handelnden Personen eingeführt wird. Es entspricht unsrer Auffassung der gan- zen Erscheinung, dass sie am entschiedensten sich da geltend macht, wo die Gemüthsstim- mung der Redenden ihren unmittelbaren Ausdruck erhalten soll, und der vordringende Affekt nicht erst die logische Anordnung der ihn treibenden Motive abwartet. Namentlich gibt die genauere Betrachtung der Eingänge vieler der in der Ilias und Odyssee direct ein- geführten Reden die Belege für das Gesagte. Gar häufig drängt sich dem Hauptgedanken, welchen man im ruhigen Gange des Ausdrucks vorangestellt erwartet hätte, in der lebhaf- ten Bewegung des Moments irgend ein Nebengedanke, sei es eine Begründung oder ein Zweifel und Einwand oder eine im Voraus zusagende Versicherung vorauf. Indem dieser aber im raschen Fortschritt der Rede sich nicht erst organisch in den umgebenden Satz ein- fügt, entsteht jene grosse Menge parenthetisch geformter Redeeingänge, welche der deut- schen Uebersetzung, besonders in Bezug auf die Partikeln, immer zu schaffen machen, weil unsrer Ausdrucksweise diese ganze Satzbildung fremd ist.

Wenige Beispiele, die mit zahlreichen ähnlichen Stellen zu vergleichen sind, wer- den zur Erläuterung der Sache genügen. Auf Agamemnon's Begehren, für die hinzuge- bende Chryseis Ersatz zu erlangen, erwiedert Achilleus:(A 122. ff.)

Aroeldn, uςιασεε, qlowrsrdœre dercr,

3 1 7. ⁴ο roι ε‿ςσουσι ννέυο ενανυνμι‿dↄνα, 0u0& TI ou iuεεν εννάάα ε μεμνα ο⁶,

125. de td αιν τπινεανν εεεαοα⁴ͥνονμνκν, dαmꝓτα, 1.α*ς ν oúν e‿oν aονα tæƷ εααemetostv. A* σ μάι ννν τννειιε mπeρσε αά eo α 1,. 7 1 TOu τᷣoοum⁷ ÿνdœνοriουνιεν ν τοωνι Zsde 6σνιν πιν TDoinr errεirεον εέεα αemOα. Was Achilleus dem hochfahrenden Könige eigentlich zu Gemüthe führen will, enthal-

ten die Vv. 127 ff.: er möge die Chryseis hingeben: später werde ihm reicher Ersatz wer- den. Aber es drängt sich ihm der rücksichtslosen Forderung gegenüber die Unmöglichkeit