23 verhüttet, wie sich aus der Untersuchung der wieder aufgefundenen Werke in Kärnten ergeben hat. ¹) Plinius sagt darüber nur, dass die Güte des norischen Eisens auf den daselbst ver- hütteten Erzen beruhe. ²)
Während Plinius, wie gesagt, von der eigentlichen Art der Verhüttung nichts Näheres an- giebt, indem er nur sagt, dass sie bei allen Erzen dieselbe sei(ratio eadem excoquendis venis), spricht er etwas ausführlicher von den Verschiedenheiten des Produktes, das teils weich, teils brüchig ist, teils durch Härten zu Stahl verarbeitet wird, wobei dem Wasser, das dabei gebraucht wird, besonderes Gewicht beigelegt wird. ³)
Die erdigen Eisensteine sind unter den Farben aufgeführt. Die roten, oxydhaltigen sind die verschiedenen rubricae, darunter die sinopische und lemnische Erde, welche letztere die feinste war, die stets mit einem Siegel bedruckt in den Handel kam. Die gelben hydroxydhaltigen heissen ochra, sie geben gleichfalls beim Glühen Rötel(rubrica). Quo magis arsit in caminis, hoc melior, fügt Plinius hinzu.
Die sog. Adlersteine(aetitae XXXVI. 149), die bei dem Schütteln klappern, sind z. T. gelbe Thoneisensteinskonkretionen mit lockerem Kern.
Das Schwefeleisen ist diejenige Art des Pyrites, aus der durch Rösten eine Art Rötel (unreines Eisenoxyd) entsteht, welche Diphryges(dεροσν= zweimal geröstet) genannt wird, von der es heisst: fieri enim kraditur ex lapide pyrite eremato in caminis donec ercoquatur in ru- bricam. XXXIV. 135. ⁴)
Vorzugsweise Eisenvitriol ist das Atramentum sutorium oder Chalcanthum, von dem bereits die Rede war. Es führt den Namen„Schusterschwärze“, weil es zum Schwarzfärben des Leders gebraucht wird(diluendo fit atramentum tinguendis coriis XXXIV. 123), indem sich durch die Einwirkung der Gerbsäure auf das Eisensalz schwarzes gerbsaures Eisen bildet. Ebendarauf be- ruht die Anwendung von mit Galläpfelabsud getränktem Papier zum Erkennen des durch Atrament verfälschten Grünspans, wovon Plinius XXXIV. 112 spricht: deprehenditur et papyro galla prius macerato, nigrescit enim statim aerugine inlita. Wir haben also hier bereits den Gebrauch eines Reagenzpapieres. Das Eisenvitriol wirkt nach Plinius so adstringierend, dass es sich empfiehlt, dasselbe den Bären und Löwen in der Arena in das Maul zu werfen, das davon so stark zu- sammengezogen wird, dass sie nicht beissen können ⁵).
ex lapide basanite, reddere enim sucum sanguineum et esse ad iocineris vitia praecipui remedii. tertium genus Arabici Facit, simili duritia, viæ reddentis sucum ad cotem aquariam, aliquando croco similem, quarti generis hepatiten vocari gquamdiu erudus sit, coctum vero milliten XXXVI. 146 und 147.
1) vergl. daröber Beck l. c. S. 507 ff, wo auch die betr. Litteratur angegeben ist.
2) XXXIV. 145. in nostro orbe aliubi vena bonitatem hane praestat ut in Noricis.
3) XXXIV. 144. summa dihyferentia in aqua cui subinde candens immergitur.
4) Der Name pyrites wird von Plinius ganz verschiedenen Mineralien beigelegt; denn abgesehen von den verschiedenen Kiesen, die mit diesem Namen bezeichnet werden, heisst es auch: Wolarem gquidam pyriten vocant, guoniam plurimus sit ignis illi XXXVI. 137. Molaris bedeutet sonst einen Mühlstein, wozu man Lava oder Bims- stein zu verwenden pflegte, hier aber offenbar einen Kalkstein. In wiefern man von einem solchen sagen konnte, dass er viel Feuer enthalte, ersieht man aus einer anderen Stelle, in der von der Bereitung des gebrannten Kalkes die Rede ist: utilior(calæ) e molari, quia est quaedam pinquior natura æjus. mirum aliquid, postguam arserit, accendi aquis XXXVI. 174. Die für den Laien allerdings wunderbare Erscheinung, dass wenn gebrannter(freilich nicht der gebrannt habende) Kalk mit Wasser begossen wird, eine bedeutende Erhitzung stattfindet(wie wenn der Stein Feuer enthielte), ist demnach die Ursache, weshalb man einen solchen pyrites nannte.
5) XXXIV. 127. nuper inventum ursorum in harena et leonum ora spargere illo, tantaque est vis in adstrin- gendo ut non queant mordere.


