Aufsatz 
Zur Mineralogie des Plinius / von August Nies
Entstehung
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bereits Brillen zur Verbesserung des Gesichts gekannt hätten. Im Anschluss an diese Stelle wurde die Frage geprüft, ob Nero kurzsichtig oder weitsichtig, ob der Smaragd, dessen er sich bediente also konkav oder konvex gewesen sei, ob er überhaupt durch den Smaragd gesehen oder ob er ihn nur als Spiegel benutzt habe, und ob dieser dann ein Hohlspiegel oder ein konvex geschliffener gewesen sei. An dieser Stelle möge nur erwähnt werden, dass die neusten Untersuchungen, die Blümner über diesen Punkt angestellt hat, zu folgendem Ergebnis geführt haben:Nero habe sich die Kämpfe der Gladiatoren mit Hilfe eines konvex geschliffenen Smaragdes betrachtet, in den er, mit dem Rücken gegen den Schauplatz gewandt, wie in einen Spiegel sah, und zwar habe er das gethan, weil ein stark Kurzsichtiger, wenn er ein kleineres so seitwärts gehaltenes Konvexglas, dass er sich nicht selbst darin erblicke, nahe genug vor die Augen bringt, die darauf sich abspiegelnden entfernt liegenden Objekte oder selbst sich bewegende Personen schärfer erkenne als mit blossem Auge. Es soll hier nun weder die Frage, ob es wahrscheinlich ist, dass Nero sich in dem Circus in verkehrter Stellung präsentiert habe, noch ob der Vorteil bei dem Gebrauch eines solchen Spiegels wirklich für einen Kurzsichtigen so bedeutend sei, geprüft werden, sondern es soll nur gesagt werden, was nach unserer Ansicht aus der Verbindung der angeführten beiden Stellen zu folgen scheint:

Nero, mag er nun kurzsichtig oder weitsichtig gewesen sein, hatte jedenfalls lichtempfind- liche Augen ¹) und bediente sich deshalb, wenn er den Schauspielen im Circus zusehen wollte, eines für die Augen wohlthätigen grünen oder bläulichen Edelsteins ²). Er that dies besonders im Circus, weil derselbe für gewöhnlich blendend weiss gehalten wurde. Plinius erwähnt ausdrücklich, dass der Circus maximus mit Gips- und Glimmerblättchen bestreut zu werden pflegte: In- venere et alium usum in ramentis squamague, Circum maximum ludis Circensibus sternendi at sit in commendatione candor XXXVI. 162. Wenn aber Nero selbst an dem Wettfahren teilnehmen wollte, so konnte er natürlich den die Augen schützenden Krystall nicht gebrauchen, und er gestattete sich dann das kostspielige Vergnügen, den ganzen Circus mit Malachit decken zu lassen und so die blendende Fläche einem grünen, lachenden Saatfeld ähnlich zu machen. Dies Alles ist so natürlich, dass man nicht ohne zwingende Gründe zu einer anderen, künstlichen Erklärung greifen wird. Ubrigens ist schon Lessing allerdings aus anderen Gründen und ohne die die Chrysocolla betreffende Stelle zu kennen zu demselben Resultat gekommen. Hören wir was Blümner dagegen einwendet. Er sagt zunächst:Abgesehen davon, dass ein Myop durch ein plangeschliffenes grünes Glas eher noch schlechter sieht, als ohne jedes Glas, passt diese Erklärung auch nicht in den Zusammenhang, in dem Plinius vom Smaragd des Nero erzählt. Was die erstere Bemerkung anlangt, so scheint es noch nicht ausgemacht, dass Nero Myop war; dem widerspricht schon, dass er an einem Wettfahren Teil nahm, ein aurigaturus kann nicht gut stark kurzsichtig sein. Die Frage, ob Nero kurzsichtig oder weitsichtig war, ist aber überhaupt nur darum so eingehend erörtert worden, weil man den Satz des Plinius von dem Smaragd des Nero mit dem vorhergehenden in Zusammenhang gebracht hat, worin von dem

1) Suetonius lib. VI. c. 51 nennt die Augen des Nero caesii et hebetiores. Plinius erklärt XI. 142 alii interdiu hebetiores, noctu praeter ceteros cernunt und caesi sunt in tenebris clariores. Beide Ausdrücke werden also von solchen gebraucht, welche das grelle Licht am Sehen hindert, nicht schlechthin von Kurzsichtigen. XI. 144 schreibt Plinius: Neroni, nisi cum coniveret, ad probe admota hebetes. Das Augenzudrücken ist ebenfalls ein Zeigen für lichtempfindliche, blöde Augen.

2) Veltheim a. a. O. S. 133 hält den hier besprochenen Smaragd für einen Aquamarin.