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auch selbst dann nicht, wenn das beigefügte Nitrum, wie Wittstein in seiner neuen Übersetzung des Plinius annimmt, Borax(wasserhaltiges borsaures Natron) wäre. Das Nitrum des Plinius (XXXI. 106 ff.) ist der Hauptsache nach kohlensaures Natron, Soda, die aus den Natronseen Agyptens in sog. Nitrarien auf ähnliche Weise, wie das Kochsalz aus Seewasser gewonnen wurde, die auch als in anderen Gewässern, wenn auch nicht in concentrierter Lösung(sine viribus densandi), vorhanden bezeichnet wird. Daraus, dass angeführt wird, dass auch aus der Asche des verbrannten Eichenholzes Nitrum in geringer Menge dargestellt worden sei, folgt, dass die Pottasche, das kohlen- saure Kali, von der Soda nicht unterschieden wurde. Von einer anderen Art heisst es endlich: exiguum fit apud Medos canescentibus siccitate convallibus, quod vocant halmpfraga. Diese Nitrum- art, die von Plinius an erster Stelle genannt wird, könnte wohl Borax sein, der in der beschriebe- nen Weise in den Steppen Hochasiens entsteht und seit den ältesten Zeiten von dort nach Europa gebracht wurde. Im Mittelalter ist der Name für Borax, wie überhaupt für jedes Lötmaterial, Chrysocolla.
Plinius beschreibt aber zweitens unter dem Namen Chrysocolla ein Mineral, das sich vorzugs- weise in den Kupfer- und Silberbergwerken findet ¹) und ein Produkt der teilweise künstlich be- schleunigten Verwitterung der dort vorkommenden Kupfererze ist, nihil aliud chrysocolla quam vena putris, also vorzugsweise Malachit. Woher es kommt, dass der Malachit ebenfalls chryso- colla heisst, ist aus Plinius selbst nicht zu ersehen; er sagt von dieser Art nur, dass sie eine schöne grüne Farbe liefere, auch, dass sie zu medizinischen Zwecken, namentlich als Brechmittel gebraucht werde, dagegen ist von dem Gebrauch als Lötmittel nicht die Rede, als welches der Malachit nur insofern angeführt werden könnte, als er bei Schmelzen mit Kohle ein reines Kupfer liefert, das zum Löten des Goldes allerdings geeignet wäre. Doch gedenkt Plinius an keiner Stelle dieser Beziehung zum Kupfer, führt auch die Chrysocolla nicht da auf, wo er vom Kupfer redet, sondern im Anschluss an das Gold. Theophrast dagegen sagt ausdrücklich, dass die falschen Smaragde, die aueh nichts anderes sind als Malachit, zum Löten des Goldes ebenso brauchbar seien, wie die Chrysocolla, die sich vorzugsweise in den Kupfergruben fände und die dieselbe Farbe habe(oe᷑ do doree ναονπαα. Ieol ο IV. 26.).
Nach Plinius fand sich die Chrysocolla in Cypern, Armenien, Macedonien und besonders reich- lich in Spanien, summae commendationis ut colorem in herba segetis lacte virentis quam simillime reddat XXXIII, 89. Eine vereinzelte Anwendung dieser lebhaft grünen Chrysocolla hat besonderes Interesse. Plinius fährt nämlich fort: visum jam est Neronis principis spectaculis harenam eirci chrysocolla sterni, cum ipse concolori panno aurigaturus esset. Dieser Satz ist sehr geeignet zur Erklärung einer anderen Stelle bei Plinius, die schon oft und auch kürzlich wieder ²) Gegenstand lebhafter Erörterungen gewesen ist, nämlich die Stelle, in der von dem Smaragd des Nero die Rede ist. Dieselbe lautet: Nero princeps gladiatorum pugnas spectabat in smaragdo XXXVII. 64. In diesem Satz in Verbindung mit dem vorhergehenden, in dem von dem konkaven Schliff der Smaragde die Rede ist, hat man geglaubt eine Andeutung sehen zu müssen, dass die Alten
1) Chrysocolla umor est in puteis, quos diæimus per venam auri defluens crassescente limo rigoribus hibernis usque in duritiam pumicis XXXIII. 86.
2) Blümner, Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern Bd. III S. 313— 323. Von ältern besonders Lessing, Antiquarische Briefe 45. Veltheim, Sammlung einiger Aufsätze etc. II. Theil S. 119— 135. Beckmann, Beiträge zur Geschichte der Erfindungen Bd. III S. 495 ff.


