17
Das Messing findet sich häufig an Fundstücken der römischen Kaiserzeit, während aus der älteren Zeit nur Legierungen von Kupfer und Zinn vorkommen. Die Verwendung der Cadmia zur Darstellung von Erzen, die dem aurichalcum(das wegen seiner goldgelben Farbe auch den sog. Chrysolithen, wahrscheinlich unsern heutigen Topasen, als Folie untergelegt zu werden pflegte XXXIII. 126) an Aussehen und Güte nahe standen, macht es zur Gewissheit, dass auch die natür- liche Cadmia wie der zinkische Ofenbruch eine Zinkverbindung war und dass das Wort nicht etwa, wie neuerdings Beck in seiner„Geschichte des Eisens“ S. 498 ohne Angabe der Gründe behauptet, die oxydischen Erze im Gegensatz zu den Schwefelerzen(chalcides) bezeichnen soll.
Die Sauerstoffverbindungen des Kupfers werden von Plinius ebenfalls erwähnt, aber nur als Kunstprodukte, die zu medizinischen Zwecken dienten, er unterscheidet flos aeris (Kupferblüte) und squama aeris(Kupferhammerschlag), beides rotes Kupferoxydul, von denen das erste beim raschen Abkühlen des geschmolzenen Erzes durch Wasser, das letztere beim heftigen Hämmern des Kupfers sich ablöst ¹).
Üöber die eigentliche Art der Verhüttung der Erze spricht Plinius nicht, wohl aber über die Verschiedenheit des Metalles und seiner Legierungen. Darauf beziehen sich die Benennungen coronarium(Kranzerz) und regulare(Staberz, das sich schmieden lässt). Aus dem ersteren wurde eine Art Flittergold für die Kränze der Schauspieler gemacht; also war es wohl Messing. Das caldarium oder Gusserz scheint ein noch nicht ganz fertiges Kupfer(Kupferstein) gewesen zu sein, das erst durch wiederholtes Schmelzen zu dehnbarem Staberz wurde.
Von Kupferverbindungen, aber ohne dass sie ihm als solche bekannt waren, und ohne dass er angiebt, dass sie zur Darstellung des Metalls benutzt werden können, erwähnt Plinius die basischen kohlensauren Salze Malachit und Kupferlasur, das Kupfervitriol und die Chrysocolla.
Chrysocolla ist ein Name, der, wie von den übrigen Schriftstellern des Altertums, so auch von Plinius für ganz verschiedene Substanzen gebraucht worden ist ²). Chrysocolla ist erstens— und darauf deutet auch der Name„Goldleim“— eine Masse, die zum Löten des Goldes angewandt wurde: es heisst davon: chrysocollam et aurifices sibi vindicant adglutinando auro XXXIII. 93, und über die Bereitung derselben temperatur autem ea cypria aerugine et pueri inpubis urina addlito nitro, teriturque Cyprio aere in Cypriis morlariis, santernam vocant nostri. Hiernach wäre diese Chrysocolla oder Santerna, wie sie auch genannt wird, eine eigentümliche Mischung, von welcher man nicht recht einsehen kann, wodurch sie zum Löôten geeignet sein soll,
(Geschichte des Römischen Münzwesens S. 763) übersetzt diese Stelle:„Das Kupfer von Corduba ist nächst dem Livischen am stärksten zinkhaltig und kommt von Natur dem künstlisch bereiteten Messing gleich“. Die künstliche Bereitung des Messings durch Legierung von Kupfer mit Zink war aber den Alten ebenso unbekannt wie das metallische Zink. Der Gegensatz kann daher nur der sein, dass das Messing anfangs direkt durch Verhütten zink- haltiger Kupfererze, wie sie sich z. B. in Santander in Spanien finden(Aurichalcit, Messingblüte etc.) gewonnen wurde, dann aber, als das betr. seltene Vorkommen erschöpft war, auch durch Mischung von Kupfererzen mit Zink- erzen. Es wird diess auch von Plinius in demselben Kapitel XXXIV. 2 angedeutet, indem er schreibt: Der Wert des Kupfers wurde herabgedrückt durch die Auffindung des Aurichalcums, quod praecipuam bonitatem admirationemgue diu optinuit nec reperitur longo Jam tempore effeta tellure.
1) aeris flos medicinae utilis est. jit aere fuso et in alias fornaces tralato, ibi flatu crebriore eæcutiuntur veluti mili squamae quas vocant florem. cadunt autem cum panes aeris aqua refrigerantur, rubentque similiter squamae aeris quam vocant lepida, et sic adulteratur flos ut squama veneat pro eo— est autem squama aeris decussa vi clavis in quos panes aerei feruminantur— in Cypri maæime officinis omnia XXXIV. 107. Ganz ähnlich, aber noch ausführlicher und deutlicher handelt Dioscorides V. 88 und 89 Heot deννιονι τανν und HIeol Aen⁴ds.
2) Ueber die Chrysocolla der Alten vergl. Kopp, Geschichte der Chemie IV. S. 166.


