Aufsatz 
Zur Mineralogie des Plinius / von August Nies
Entstehung
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Innere wird oft durch Risse, haarähnliche und nadelförmige Einschlüsse und Flecken(sordes) getrübt. Am genauesten und offenbar nach eigner Anschauung berichtet Plinius über die Einschlüsse im Bergkrystall, wobei er neben den wolkenähnlichen und fadenförmigen Gebilden auch die Flüssigkeits- einschlüsse nicht vergisst ¹). Chalcedone mit Flüssigkeitseinschlüssen, wie sie in den letzten Jahren in Menge aus Uruguay in die Sammlungen gekommen sind, früher aber auch im ver- witterten Mandelstein vom Monte Tondo in den M. Berici südlich von Vicenza gefunden wurden, ²) beschreibt Plinius unter dem Namen Enhygros sehr deutlich: Enhygros semper rotundiitatis absolutae in candore est levis, sedl ad motum fluctuatur intus in ea ut in owis liquor XXXVII. 190. Ausser- ordentlich zahlreich sind die Mineralien, bei denen verschieden gefärbte Streifen, Punkte, Goldflitterchen u. s. w. als Kennzeichen angeführt sind. Die auf dem Einschluss verdichteter Gase(Wasserstoff) be- ruhende Eigenschaft gewisser Sorten Steinsalz wird angegeben: es zerknistert im Feuer oder auch bei dem Auflösen in Wasser. So heisst es: In igni nec crepitat nec exilit Tragasaeus(sal) und Agrigentinus ignium patiens ew aqua exilit XXXI. 85.

Auch der Geruch(namentlich nach Bitumen) ist mitunter charakteristisch und wird von Plinius erwähnt. Der Bernstein riecht bei dem Reiben wie Fichtenharz, pineus in adtritu odor XXXVII. 43; der weisse am stärksten: er is candida odoris praestantissimi; der Gagates, eine dichte Kohle, ist odore si teratur, gravis XXXVI. 141. Auch das Salz ist oft bituminös(sal in Cappadocia odora- tissimus XXXI. 86). Die Sandaraca(Schwefelarsen) ist melior quo magis rufa quogue magis virus redolens XXXIV. 177; sie riecht nämlich bei dem Erhitzen auf Kohle nach Knoblauch(Arsen) und schwefliger Säure und lässt sich dadurch leicht von der künstlichen durch Glühen des Bleiweisses erhaltenen(Mennige) XXXV. 39 unterscheiden. Von der schon erwähnten Media heisst es: reddit saporem vini, wobei sapor wohl Geruch, nicht Geschmack bedeutet XXXVII. 173.

Die bekannte Eigenschaft der Thone, dass sie an der Zunge kleben. wird gleichfalls erwähnt. Von einem weissen Thon, dem Melinum, heisst es: linguam lactu siccat XXXV. 37, und die eben- falls in der Medizin gebräuchliche terra Samia wird als linguae glutinosa bezeichnet XXXV. 191.

Fassen wir die Ergebnisse unserer Untersuchung zusammen, so finden wir, dass Plinius bei der Beschreibung der Mineralien Krystallform, Spaltbarkeit, Härte, Strich, Farbe, Grad und Art des Glanzes, den Grad der Durchsichtigkeit, das specif. Gewicht, magnetische und elektrische Eigenschaften, Oberflächenbeschaffenheit und Einschlüsse und endlich auch den Geruch in einzelnen Fällen berücksichtigt hat, dass er aber niemals alle Eigenschaften eines Minerals so vollständig angiebt, wie er es hätte thun können und müssen, wenn er bei seinem Werk den Zweck gehabt hätte, die Mineralien kennen zu lehren, und nicht, wie dies der Fall, mehr von der Verwendung derselben zu den verschiedensten Zwecken zu sprechen und die Beschreibung nur soweit zuzufügen, als sie zur Unterscheidung des echten Materiales von dem falschen wünschenswert erscheint. Daher der ausserordentlich häufige Gebrauch der Redensart probatur etc. oder probatio..... In der letzteren Beziehung ist er aber in einzelnen Fällen sehr vollständig, bis zu dem Grade, dass z. B. von den Merkmalen, an denen man die echten Edelsteine von den aus Glas nachgemachten unter- scheiden kann, kaum eins fehlt, indem er ausser dem Unterschied an Feuer, specifischem Gewicht, Härte,

1) Die betr. Stelle lautet: nos liquido adhrmare possumus in cautibus Alpium nasci adeo inviis plerumque ut fune pendentes eam eæxtrahant. peritis(den Strahlern) signa et indicia nota sunt. infestantur plurimis vitis, scabro ferumine, maculosa nube, occulta aliguando vomica, praeduro fragilique centro item sale appellato. est et rufa alicui robigo, alis capillamentum rimae simile. hoc artijices caelatura occultant XXXVII. 27

2) vergl. Quenstedt Fr. Aug., Handbuch der Mineralogie S. 207. Der Name Enhydros, der in die Lehrbücher der Mineralogie übergegangen ist, entspricht der Lesart der älteren Pliniusausgaben.